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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Paulus schrieb der Gemeinde in Kolossä einen Brief und gab ihnen mit diesem Schriftstück Unterricht in zentralen Glaubensfragen: „Jesus ist die Mitte des Lebens, ihr könnt sicher sein, dass Gott euch liebt. Ihr seid nie mehr allein. Wenn ihr Kummer habt, dürft ihr wissen, dass ihr bei Gott geborgen seid. Da er euch führt, könnt ihr mutig voran gehen.“ Aber, so hat sich Paulus oder sein Schüler, der diesen Brief schrieb, wohl gefragt, werden die Kolosser seine Hinweise beherzigen? Wird bei ihnen nicht nach kurzer Zeit alles wieder so sein wie vorher, als hätten sie nie einen Brief von ihm bekommen? Deshalb schrieb der Apostel am Ende seines Briefes noch eine To-do-Liste wie ich für unseren Freund, wenn wir in Urlaub fahren. Dieser Merkzettel wurde vielleicht ans Schwarze Brett der Gemeinde gehängt, damit alle ihn vor Augen hatten. Kolosser 4,2-6 Beten Beten könnte man auch als Faden verstehen, der nach oben ein Spinnennetz hält. Von weitem ist dieser Faden kaum zu sehen, doch wenn er reißt, fällt das ganze Netz zusammen. Beten hilft, unser Lebensnetz zu bauen und hält es am Leben. Wird Gebet müde und verebbt, fangen die Lebensfäden an, sich zu verheddern. Wir können Wichtiges von Unwichtigem nicht mehr unterscheiden, haben keine Widerstandskraft gegen Störungen, keine Möglichkeit zur Reparatur. Besser als eine Predigt über das Beten zu halten, wäre es, einfach das Beten miteinander zu üben. Deshalb werde ich heute nicht über die Vielfalt an Aspekten rund ums Beten reden, sondern versuchen, Sehnsucht nach einer Veränderung im Gebetsleben zu wecken. In einem Gesprächskreis redeten wir über unser Gebetsleben. Jemand sagte, er habe sich nach einem einschneidenden Ereignis fest vorgenommen, mehr zu beten, denn Beten, so hatte er es erlebt, hatte ihm krass geholfen. Doch der Vorsatz schwand mehr und mehr. Erst wollte er mehr beten, dann sagte er sich: „Ich sollte mehr beten“, schließlich betete er kaum noch, denn sein schlechtes Gewissen redete ihm ein, dass er seine Glaubwürdigkeit vor Gott längst verspielt hatte. Der konnte ihn nicht mehr ernst nehmen. Ich vermute, dass wir uns in diesen Mann hineinversetzen können. So oft nimmt man sich vor, mehr mit Gott zu reden, und schon nach kurzer Zeit ist das Vorhaben gescheitert. Deshalb macht es Sinn, einmal die Perspektive zu verändern. Nicht: Ich will mehr beten, weil Gott es erwartet, es zum Glauben dazugehört oder andere so viel mit dem Gebet erlebt haben. Sondern: Ich will mehr beten, weil ich Gottes Gegenwart genießen will. Ich freue mich, wenn ich einfach bei ihm bin, mir Zeit mit ihm nehme, höre, bin, empfange. Es macht mich glücklich, wenn ich ihm nicht einfach morgens die Einkaufsliste für den Tag in die Hand drücke und abends alles bei ihm abhole, sondern Zeit mit ihm verbringe, ergebnisoffen und gelassen. Für die Begegnungszeit macht es Sinn, ein regelmäßiges Zeitfenster zu schaffen. Das kennen wir ja aus vielen Situationen: regelmäßiges Zähneputzen, regelmäßige Tabletteneinnahme, regelmäßiges Unkraut-Jäten und Rasenmähen, regelmäßiger Sport und regelmäßiges Arbeiten. Wer sein Unkraut regelmäßig bearbeitet, hat weniger im Garten. Wer seine Zähne zweimal täglich putzt, bekommt weniger Löcher. Regelmäßiges Beten ist uns vielleicht nicht in Fleisch und Blut übergegangen wie das Zähneputzen, umso wichtiger ist es, dass wir es als Termin in unseren Kalender schreiben –„ Auszeit mit Gott“ könnten wir es nennen. Diese Auszeit können wir natürlich überall nehmen, im Supermarkt, im Büro, im Auto, aber manche Orte sind einladender als andere. Ich nehme mir meine Auszeit mit Gott gerne mit Blick auf mein Dachfenster im Arbeitszimmer. Der Blick nach oben inspiriert und macht die Gedanken frei. Nichts mehr zwischen Gott und mir, so ist mein Gefühl dabei. Um dabei zu bleiben, hilft es, dass andere uns dabei unterstützen, nachfragen, uns ermutigen, den Termin wahrzunehmen, für uns beten, dass wir durchhalten und uns nicht gleich wieder aus dieser Begegnungszeit fortstehlen. Haben wir diesen Ruhepunkt im Alltag gefunden, lädt Gott uns in seine Nähe ein. Wer sitzt uns gegenüber? Gott, der Vater, oder Jesus, der Sohn und unser Bruder? Und welche Rolle hat der Heilige Geist bei unserem Meeting? Ich vergleiche es mit meiner Familie. Wenn ich als Kind ein Thema hatte, das mir sehr nahe ging, habe ich zuerst mit meiner älteren Schwester darüber geredet. Sie war mir irgendwie in den Herzensdingen am allernächsten, hatte meine Kümmernisse selbst erst wenige Jahre vorher durchlebt. Manchmal war dann alles klar. Manchmal holten wir meine Mutter und besprachen alles mit ihr. Manchmal sprach meine Schwester mit meinen Eltern und vermittelte. So ist uns Jesus als Mensch und Bruder näher, er hat die Tiefen menschlicher Existenz am eigenen Leib erfahren. Mit ihm ist das Reden einfach. Doch immer ist der Vater dabei. Steht sozusagen hinter dem Sohn und bekommt alles mit. Der Heilige Geist ist unsere Sprache, mit der wir uns verständigen, das Transportmittel zwischen Himmel und Erde, auch er ist immer dabei. So ist es egal, mit wem wir in der Oase der Begegnung reden, Gott hört und umfängt uns so, wie Jesus unser Gegenüber ist. Gott genießen
Paulus gibt uns in Kolosser
3,12 Worte auf den Weg, die wir nicht vergessen sollen:
Cornelia
Trick
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