Wasser oder Wein (Johannes 2,1-11)
Gottesdienst am 22.1.2017 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
die Hochzeit liegt schon einige Zeit zurück. Das junge Paar hatte viele Freunde eingeladen, der Saal war voll. Während die Gäste sich angeregt unterhielten, baute ein Caterer das Büffet auf, es sah wunderschön aus. Ich erinnere mich noch gut an die Schüsseln mit verschiedenen Salaten und die Vorspeisenplatten. Da ich nicht gerade in der ersten Reihe saß, war ich ziemlich am Ende der Schlange, als das Essen begann. Welche Enttäuschung, als ich die leeren Schüsseln und auch die fast abgeräumten Vorspeisenplatten sah. Der Caterer hatte offenbar zu knapp kalkuliert, oder die Gäste waren zu hungrig. Zwar knurrte mir an diesem Abend nicht gerade der Magen, aber die Erinnerung an leere Gefäße bleibt bis heute sehr lebendig.
Dieses Brautpaar hätte sich damals gerne nach Kana in Galiläa gebeamt.

Johannes 2,1-11

Am dritten Tag wurde in Kana in Galiläa eine Hochzeit gefeiert. Die Mutter von Jesus war dabei, und auch Jesus war mit seinen Jüngern dazu eingeladen. Als der Weinvorrat zu Ende war, sagte seine Mutter zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!« Jesus erwiderte ihr: »Frau, das ist meine Sache, nicht deine! Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Da wandte sich seine Mutter an die Diener und sagte: »Tut alles, was er euch befiehlt!« Im Haus standen sechs Wasserkrüge aus Stein, von denen jeder etwa hundert Liter fasste. Man brauchte sie wegen der Reinigung, die das Gesetz vorschreibt.  Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt diese Krüge mit Wasser!« Sie füllten sie bis an den Rand. Dann befahl er ihnen: »Jetzt nehmt eine Probe davon und bringt sie dem Mann, der für das Festessen verantwortlich ist.« Sie brachten ihm eine Probe, und er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher dieser Wein kam; nur die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Er rief den Bräutigam zu sich und sagte: »Jeder bringt doch zuerst den guten Wein auf den Tisch, und wenn die Gäste schon reichlich getrunken haben, folgt der schlechtere. Aber du hast den guten Wein bis zuletzt aufgehoben!« So vollbrachte Jesus in Kana in Galiläa sein erstes Wunderzeichen und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger kamen zum Glauben an ihn.

Jesus kommt auf Einladung
Diese Hochzeit zu Kana ist auch ein Bild für unser Leben. Ist Jesus dazu eingeladen? Haben wir die Bitte ausgesprochen: „Jesus, komm bitte in meinen Alltag, heute und ganz konkret. Ich freue mich, wenn du dabei bist“? Offensichtlich kann uns ja etwas fehlen, wenn er nicht da ist. Vielleicht geht nicht der Wein oder die Salatplatte aus, vielleicht fehlt uns stattdessen Freude. Wir vermissen die Leichtigkeit, Höhepunkte, auf die wir uns freuen können. Vielleicht fehlt uns die Kraft. Wir fühlen uns von den Themen, die jeden Tag auf uns einstürzen, überfordert. Um alles Mögliche sollen wir uns kümmern und haben einfach keinen Atem mehr dafür. Vielleicht fehlt es uns an Wegweisung. Wie soll es denn weitergehen in unseren Beziehungen, mit der Arbeit, mit unserer Lebenssituation?

Für Jesus reichen 6 leere Bottiche, um daraus 600l besten Wein werden zu lassen. Er schenkt nicht nur ein bisschen Freude, ein Gläschen Kraft, einen einzigen Tipp, wie es weitergehen soll, sondern Fülle, mehr als genug. Jesus schenkt mit diesen 600l sich selbst, in Kana weist er hin auf sein letztes Abendmahl mit den Jüngern am Gründonnerstag. Dort wird er sagen: „Dieser Kelch mit Wein steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt, weil ich all die Altlasten, die Schulden und die faulen Kredite nicht in den Tod mitnehmen werde. Sie sind getilgt.“

Diese Begebenheit in Kana weist weit über sich hinaus. Es geht natürlich zuerst um diese Hochzeitsgesellschaft, die staunt und sich freut, dabei neugierig wird, wer Jesus ist. Aber Jesus zeigt mit dem Wunder auf sich selbst. Er ist der, der Freude, Kraft und Wegweisung schenkt. Er ist der, der leeren Herzen und Seelen neuen Lebensmut gibt. Er füllt unseren Mangel im Überfluss – nicht ein Glas, sondern 600l.

Maria und wir
Jesu Mutter Maria ist beim Fest dabei. Sie vertraut ihrem Sohn. Die Verheißungen, die ihr der Engel und die Hirten in Bethlehem zugesprochen haben, bewegt sie immer noch in ihrem Herzen. Und so wendet sie sich an Jesus: „Mach was draus!“ Jesus weist Maria zurück und macht ihr deutlich, dass er nicht auf ihren Befehl handelt, sondern aus eigenem Antrieb. Er hat eine Mission zu erfüllen, Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu holen. So dient auch dieses Wunder dazu. Seine Stunde ist noch nicht gekommen, damit spielt er auf Karfreitag an. Erst da wird die ganze Bedeutung dieses Weinwunders offensichtlich. Jesus als der Weinstock verwandelt Wasser in Wein. Nicht magisch durch ein Zauberritual, sondern weil er Menschen seine Liebe schenkt, die sie verändert. Durch ihn werden ganz normale Alltagsleute zu Anhängern Jesu – Weintrauben – die mit ihm verbunden Frucht bringen. 

Maria hat vielleicht eine elterliche Intuition, dass das letzte Wort noch nicht gesagt ist. Sie weist die Service-Kräfte an: „Was er sagt, tut!“. Und die halten sich an Jesu Anweisung. Nur Wasser sollen sie in leere Gefäße füllen.

In Maria erkenne ich mich wieder. Einige Situationen stehen mir vor Augen, in denen ich genau das zu Jesus sage: „Tu doch was!“ Seine Antwort, wie ich sie wahrnehme, ist oft, dass es seine Sache ist, wie und wann er handelt, nicht meine. Ich möchte von dieser Hochzeit lernen. Jesus kann ich meine Leere zur Verfügung stellen, meine Hoffnungslosigkeit, meine Schwäche, mein inneres Chaos. Jesus sagt wohl auch zu mir: „Gib mir deinen Alltag, du brauchst nichts anderes zu tun als zu vertrauen, dass ich deine Not verändern kann.“

Reaktionen
Die Service-Kräfte und der Chef wundern sich. Sie staunen, aber kommen nicht zum Glauben an Jesus. Die Jünger glauben, sie sehen den geöffneten Himmel, von dem Jesus ihnen kurz vorher erzählt hatte.

Wie reagieren wir? Wir können ja noch weiter sehen als die Jünger damals. Wir wissen, dass dieses Wunder ein Vorgeschmack auf die Bedeutung Jesu für unser Leben ist. Jesus, der Weinstock, verwandelt Wasser in Wein, verwandelt unser ganz normales Leben in ein Leben, das von Gottes Geist erfüllt ist. Jesus ist das Bindeglied wie in Kana.

Alltagstauglich
Ein Gottesdienst am Sonntag ist sozusagen eine Brotdose für die Woche. Er soll uns das mitgeben, was wir die nächsten 6 Tage dringend brauchen, um die nächste Insel, den nächsten Sonntag zu erreichen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Jesus heute unsere leeren Gefäße bringen. Wo brauchen wir ihn, seine Kraft, seinen Geist, seine Wegweisung und seinen Trost? Wo brauchen andere genau das, und wir bringen stellvertretend für sie die leeren Gefäße zu Jesus?

Wenn wir jetzt eine kleine Ruhepause einlegen, dann können wir unsere Hände zu leeren Gefäßen formen und mit ihnen zu Jesus kommen. Sagen wir ihm in der Stille, wo wir seine Verwandlung brauchen oder wo ein anderer oder eine andere diese dringend ersehnt.

Das ist kein einmaliger Vorgang, unsere Hände haben wir schnell zu einer leeren Schale geformt mit allem, was wir damit verbinden.

Spannend wird es nun die Woche über, wie Jesus reagiert. Legt er uns Hoffnung in unsere Hände und unser Herz? Ändern sich Randbedingungen, kommen Menschen auf uns zu, um uns überraschend zu helfen?

Wenn wir diese Geschichte aus dem Johannesevangelium ernstnehmen, dann wird etwas mit unseren leeren Gefäßen passieren. Aber es ist seine Sache, nicht unsere. Und wie er sich unserer Bedürfnisse annimmt, können wir nicht vorhersagen. Nur so viel sagt uns die Hochzeitsfeier in Kana: Seine Antwort wird uns überraschen und üppiger ausfallen, als jemals gedacht.

Cornelia Trick


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