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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Im Brief an die Hebräer, einem Rundschreiben an Gemeinden Kleinasiens, wird in kurzen Worten eine Definition von Glauben gegeben: Hebräer 11,1 Verändert werden durch Vertrauen Feindschaft gegen sie und ihren Glauben nahm sie mit und zermürbte sie. Der Schreiber des Hebräerbriefs sah die Folgen bereits am Horizont. Statt immer gewisser und selbstverständlicher mit Jesus zu gehen, ihr Lebenshaus nach der Vorstellung eines JesusHouse zu gestalten, ließen sie Jesus wieder los, werkelten an ihrem Lebenshaus nach eigenem Gutdünken weiter, ließen sie den Glauben wieder hinter sich. In diese Situation hinein sollte der Hebräerbrief deutliche Worte sprechen. Nicht als Anklage oder blauer Brief, sondern als neues Angebot, doch Jesus zu vertrauen und die zarten Anfänge der Lebensgemeinschaft mit Jesus nicht über Bord zu werfen. Glaube heißt Vertrauen. Dieser Grundsatz steht ganz am Anfang der Beziehung zu Jesus Christus. Alles, was die Hebräer oder was wir Jahrhunderte später mit dem Auferstandenen erleben, erschließt sich erst, wenn wir vertrauen, ja, du bist der, der es gut mit mir meint. Du zeigst mir Gott, du eröffnest mir einen Blickwinkel auf Gott, den ich allein nicht habe. Wenn ich mit dir auf Gott schaue, so entdecke ich seine Liebe, seine offenen Arme, sein bedingungsloses Ja zu mir, sein Ja zu mir auch in Situationen, in denen ich nur nein sehen kann. Dieses Vertrauen möchte ich in Anlehnung an das Bild vom Lebenshaus als das Türschild bezeichnen. Da steht nicht mehr nur mein Name: "Cornelia Trick", der manchmal ein Plus vornedran hat, wenn ich gut drauf bin, gerade etwas Großartiges geleistet oder mich für meine Mitmenschen eingesetzt habe. Manchmal hat der Name auch ein dickes Minus vornedran, wenn ich versagt habe, meine Mitmenschen ärgerte, ihnen nicht gerecht wurde, mit mir selbst nicht zurechtkam. In Summe überwiegen an meiner Haustür wohl die Minus. Doch Vertrauen zu Jesus bedeutet, dass da eben nicht mehr nur mein Name auf dem Türschild steht, sondern "Jesus + Cornelia". Ich bin nicht mehr der einzige Bewohner meines Lebenshauses mit allen Plus und Minus. Da ist Jesus eingezogen, und der hat sein Plus vor meinen Namen gesetzt. Jesus zu vertrauen heißt, ich vertraue darauf, dass er aus meinen Misserfolgen, meinen Zweifeln an mir selbst, meinen destruktiven Momenten ein Plus macht, dass er sich meiner annimmt und mein Leben verändert. Sicher, sehen lässt sich Jesus in meinem Lebenshaus nicht auf Anhieb. Als ich vorgestern nach Hause kam, war es im Haus totenstill. Doch obwohl ich niemand finden konnte, gab es eindeutige Hinweise darauf, dass eine meiner Töchter zu Hause war: Die Haustür war nicht abgeschlossen, ihr Schlüssel hing am Schlüsselbrett, ihre Schuhe standen im Eingang, ihre Jacke hing am Haken, die Nachbarin kam, weil sie mit ihr spielen wollte (da war sie also mit kurzem Weg auch nicht). Schließlich klärte sich das Rätsel, sie schlief in ihrem Hochbett in der äußersten Ecke, nicht zu sehen von der Zimmertür aus. Aber ich wusste die ganze Zeit, weg war sie nicht. So ist es mit Jesus. Wenn wir uns in unserem Lebenshaus umschauen, heute, an diesem Sonntag, dann können wir ihn vielleicht nicht wahrnehmen. Wir sehen stattdessen Zweifel, Ängste, dunkle Gedanken. Aber es gibt eindeutige Hinweise, dass er am Wirken ist. Er hat uns angestachelt, in den Gottesdienst zu gehen. Er hat uns Frau A und Herrn B als Sitznachbarn zugeordnet, die uns heute vielleicht ein wegweisendes Wort sagen sollen. Er hat uns ein Bibelwort aufgeschlagen, einen Gedanken eingegeben, uns mit der Nase auf eine Erinnerung an seine Gegenwart gestupst. Er hat seine Spuren im Lebenshaus gesetzt. Wir können auf das Plus vor unserem Namensschild vertrauen. Er macht den Unterschied und er zeigt sich selbst - anders als die schlafende Tochter, die ich selbst entdecken musste. Verändert werden durch Vergebung
Verändert werden durch Kennenlernen Der junge Mann forderte mich heraus. Wir hatten leider nicht die Zeit, einen Glaubenskurs miteinander zu machen. Das Gespräch fand nur zwischen Tür und Angel statt. Aber im Nachhinein habe ich mir einen Crash-Kurs überlegt. Wenn ich ihn oder jemand anders das nächste Mal treffe, werde ich ihm wei Punkte nennen, wie er Jesus so gut kennen lernen kann, um seinen Namen an seinem Lebenshaus anzubringen.
Im Straßenverkehr habe ich eine ganz schlechte Orientierung. Wenn ich ohne Karte oder Fahrtroute nach Paris wollte, könnte es durchaus sein, dass ich in Prag lande - französisch und tschechisch sind beides nicht so meine Sprachen ... Deshalb liebe ich Routenplaner und Navigationssysteme (die auf keinen Fall aussetzen dürfen). Ich
gebe mein Fahrtziel ein und erhalte eine detaillierte Auskunft über
die Route mit allen Zwischenetappen und zu passierenden Abzweigungen.
Auch in meinem Leben fehlt mir manchmal der richtige Orientierungssinn. Ich sehne mich nach einem Routenplaner, in den ich mein Ziel eintippe und von ihm den genauen Weg mit Zeitangabe ausgespuckt bekomme. Doch Jesus ist nicht Map24. Er gibt keine Fahrroute, er verfasst keine Wegbeschreibung, er gibt noch nicht einmal von vornherein die klare Richtung vor, wohin mein Lebensweg gehen soll. Er sagt von sich stattdessen "Ich bin der Weg". Er ruft Menschen zu sich, die mit ihrem Orientierungssinn gescheitert sind, und bietet ihnen an "Nehmt auf euch mein Joch". Was bedeutet das? Ein Joch trugen zwei Rinder, um einen Karren zu ziehen oder ein Gerät zu ziehen, dass den Ackerboden bearbeitete. Durch das Joch verteilte sich die Ziehleistung auf zwei. Wir haben keine Rinder mehr, die solche Karren ziehen, sondern fahren Auto oder Traktor. Wenn Jesus uns heute ansprechen würde, dann vielleicht so: Wenn ihr mit eurem Auto unterwegs seid und komplett den Plan verloren habt, wie es weitergeht, dann stehe ich an der Straße, macht mir die Tür auf und nehmt mich mit auf dem Beifahrersitz. Ich sage euch im entscheidenden Moment immer Bescheid, welche Abzweigung ihr nehmen sollt, aber ihr müsst dann auch hören und meiner Stimme gehorchen. Nach einem solchen Beifahrer sehne ich mich, gleichzeitig wird mir klar, wie schwer es ist, zu gehorchen, wenn ich genau anderer Meinung bin. Ich fahre öfter trotz Jesus als Beifahrer in die falsche Richtung, weil ich Recht haben will. Deshalb bedeutet Jesus als Beifahrer zu haben, mich von ihm formen zu lassen. Ich muss damit rechnen, dass er mich in seine Fahrschule nimmt. Ganz unterschiedlich sehen seine Fahrstunden aus: Es sind Tage des Zweifelns, an denen ich mir nicht mehr sicher bin, wirklich im richtigen Auto zu sitzen. Jesus hält diese Zweifel mit mir aus, aber er zeigt mir auch neue Spuren seiner Liebe, die mir den Weg aus den Zweifeln weisen. Es sind Erfahrungen der Demütigung, wenn meine Leistung nicht geschätzt wird, ich nicht so rauskomme, wie ich es erwartete. Dann macht er mir klar, dass es nicht um mich geht, sondern um Gottes Weg und seine Sache. Es sind Erlebnisse, aus dem Konzept gebracht zu werden, weil Dringendes meine eigenen Pläne durchkreuzt. Ich werde erinnert, dass ich die Fahrtroute meines Lebens nicht in der Hand halte, sondern Jesus dafür verantwortlich ist. Zum Gehorsam gehört auch, dass ich verfügbar bin und meinen Platz im Auto nicht verlasse. Jesus kann nichts mit mir anfangen, wenn ich ewig bei Mägges oder im Cafe rumhänge, statt mich auf den Fahrersitz zu schwingen. Der beste Schritt ist,
Jesus zu vertrauen, dass er das Lebenshaus nach seinem Willen gestaltet.
Dazu gehören Vergebung, Kennenlernen und Gehorsam. Jeder dieser Aspekte
ist wichtig. In allen Bereichen können wir unser ganzes Leben lang
wachsen. Gut, wenn wir, wie ein fast 90-Jähriger dieser Gemeinde,
es auf dem Sterbebett noch zitieren können:
Cornelia
Trick
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