Wählt Jesus!
Gottesdienst am 18.09.2005

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
anlässlich des heutigen Bundestags-Wahlsonntags sind wir alle geschärft für den Blick in die Zukunft und unsere Entscheidung, die Wege in die Zukunft mit zu verantworten. Politik ist nicht abgelöst von unserem Glauben an Jesus Christus. Sie ist die Linie, die wir von unserem persönlichen Leben ausziehen auf das Gemeinwesen. In unserem persönlichen Bereich, mit unseren eigenen Gaben und Fähigkeiten gestalten wir, jede und jeder, ein Stück unserer Welt, dass Gott uns anvertraut und geschenkt hat.

So stehen wir hier in unserer Neuenhainer Methodistengemeinde zwar nicht auf den Wahlzetteln der Parteien, um die es heute geht, aber deshalb sind wir trotzdem nicht weniger verantwortlich für den Teil der Welt, in dem wir arbeiten. Und wir haben uns nicht nur um die Wahlprogramme der Parteien zu kümmern, sondern müssen unser für unser persönliches Leben entscheidendes Wahlprogramm kennen, nämlich wie Jesus auf unser Leben sieht und ob wir bei ihm unser Kreuz machen.

Deshalb möchte ich heute Jesu Wahlprogramm in sieben Punkten entfalten und wähle als Grundlage dazu eine Rede Jesu, die an Ehrlichkeit, aber auch an Zukunftsorientierung von keiner anderen Partei zu übertreffen ist.

Jesu Wahlprogramm nach Lukas 9

Lukas 9,23-27

Da sprach er zu den Jüngern und dem Volk: "Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten. Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel. Ich sage euch aber wahrlich: Einige von denen, die hier stehen, werden den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes sehen."

Das Wahlprogramm

1 Jesus ist Hauptsache

Die Vorgeschichte zu Jesu Rede spielte sich in Betsaida ab, auf einem wüstenähnlichen Feld. Jesus stand inmitten von 5000 Menschen. Sie alle wollten von ihm ein Wort für die Zukunft, das, was wir auch von unseren Politikern erwarten. Jesus eröffnete ihnen den Horizont und wies auf Gott, den liebenden Vater, der sie erwartete und nichts mehr ersehnte, als dass sie ihr Leben mit ihm führten.

Doch bei Worten blieb es nicht. Jesus heilte und er gab ihnen Brot und Fisch in der Wüste. Er zeigte ihnen ganzheitlich, wie er sich jedes Einzelnen und jeder Einzelnen annahm und ihnen alles geben wollte, was sie zum Leben brauchten, für die Seele, den Geist und den Körper.

2 Klare Entscheidung ist nötig

Jesus lädt uns ein, unser verbeultes, altes und unsicheres Lebensauto stehen zu lassen und in sein Auto einzusteigen. Er möchte uns so nahe bei sich haben, wie es nur geht.

Was wie ein verlockendes Angebot aussieht, hat allerdings eine Bedingung. Das alte Auto muss wirklich zurückgelassen werden. Es wird nicht mit Abschleppstange hinterher geführt. Und im neuen Auto ist Jesus der Chef. Er wird Einspruch erheben, wenn unsere Fahrtziele nicht mit seinen übereinstimmen. Zwar wird er uns auch ans Steuer lassen, aber nie wird er dieses Auto mit uns allein unterwegs sein lassen. Wie ein Fahrlehrer ist er immer zum Eingreifen bereit. Wir werden dieses Jesus-Auto auch nicht nach so und soviel Monaten oder Jahren guter Führung übereignet bekommen. Auch mit Geld oder guten Taten lässt sich der Preis des Autos nicht bezahlen. Nur Jesus gehört es, der es mit seinem Tod am Kreuz für uns erworben hat.

Noch ein Aspekt ist wichtig zu bedenken. Wenn wir in sein Auto steigen, geschieht das absolut freiwillig. "Wer mir folgen will", nicht "wen ich dazu verdonnere, mir zu folgen". Wir haben die Wahl, ein sowohl als auch gibt es nicht.

3 Jesu Kreuz tragen

Wer mit Jesus in den ersten Jahren der urchristlichen Gemeinde unterwegs war, wusste um das Risiko, das mit Jesus verbunden war. Wie Jesus getötet zu werden, war vielen sehr deutlich vor Augen. Die 14-jährige Susanne in Rom wurde auf Grund ihres Glaubens in ihrem Haus enthauptet. Auf ihrem Haus steht heute die Kirche der Heiligen Susanne. Ein Teenager, der sein Vertrauen zu Jesus mit dem Leben bezahlen musste.

Deshalb meine ich, dass Jesus hier nicht nur von den je eigenen Schicksalen unseres Lebens spricht, die wir auf uns nehmen sollen, also Krankheiten, die über uns kommen, Konflikte, in denen wir leben, Charaktereigenschaften, die uns das Leben schwer machen. Er sagt nicht einfach, schultert euer ganz normales Leben mit allen Schwierigkeiten und folgt mir. Er spricht von seinem Kreuz, dass wir auf uns nehmen werden und das dadurch zu unserem Kreuz wird. Er spricht von den Konsequenzen unseres Glaubens, die uns bis ans Kreuz führen können, bis ins Grab bringen können. 

Diese Konsequenzen können sehr unterschiedlich aussehen. Für einen Christen in Nordkorea ist es das Arbeitslager, die Psychatrie, die Hinrichtung. Für eine Christin in Südafrika ist es ihr Einsatz für aidskranke Waisenkinder, derer sie sich voller Liebe und Kraft annimmt. Wie sieht das Kreuz für uns aus? Hat unser Glaube überhaupt die Konsequenz, dass wir Jesu Kreuz tragen wollen? Dass wir nicht nur zufrieden sind mit Heilung, Brot und Fisch in der Wüste, sondern darüber hinaus bei Jesus sein wollen? Und was genau zeichnet dann unsere Nachfolge aus?

Ich möchte uns hier kein schlechtes Gewissen machen, weil Christen in Deutschland im Moment nicht so herausgefordert werden wie in anderen Teilen der Welt, sondern statt dessen den Blick schärfen für die vielen kleinen Anfragen Jesu, die er an unser Leben stellt: ob wir bereit sind, für ihn und seine Sache auf unsere Vorhaben zu verzichten. Ob wir bereit sind, gegen den Strom zu schwimmen, wenn es um Jesus geht. Ob wir es als unsere Verantwortung ansehen, uns für unsere Nächsten einzusetzen, auch wenn es uns wehtut und wir dafür verzichten müssen. Und schon diese wenigen Fragen zeigen uns, wie schwer es ist, Jesu Kreuz freiwillig auf sich zu nehmen und das nicht, weil wir gezwungen werden, sondern weil es ganz selbstverständlich in der Gemeinschaft mit Jesus dazugehört und er uns die Kraft dazu gibt.

4 Sich selbst verleugnen

Zu dieser Aussage des Wahlprogramms Jesu haben wir je nach Lebensalter wohl sehr unterschiedlichen Zugang. Jahrhunderte lang wurde Jesu Anspruch so gedeutet, dass man sich selbst verneinen sollte, das Ich durchstreichen musste, die eigenen Wünsche gar nicht erst formuliert werden durften. Doch an Jesu Stelle setzten sich die jeweiligen Machthaber ins Lebensauto. Nicht Jesus nahm die Stelle des Ichs ein, sondern Menschen, die einander manipulierten, ausnutzten und missbrauchten. Es war so verlockend, dem Leibeigenen zu sagen, er solle sich um Jesu selbst verneinen, um dann alles zu tun, was der Grundherr von ihm verlangte. Hier hatte Marx Recht, als er Religion als Opium des Volkes geißelte.

Doch mit der Aufdeckung dieses Missverständnisses verschwand auch der von Jesus gemeinte Inhalt vollständig von der Tagesordnung der christlichen Lehre und heute suchen wir ihn vergeblich in aktuellen ethischen Standardwerken. Eine wichtige Aussage Jesu, die das ganze neue Testament durchzieht und im alten Testament ihren Ursprung hat, ist verschwunden. Das Pendel ist nach der anderen Seite ausgeschlagen. Deshalb ist es nötig, den Begriff von der christlichen Tradition zu lösen und ihn von der Bibel her zu verstehen. 

Sich selbst zu verleugnen bedeutet, dass ein Herrschaftswechsel in unserem Leben stattgefunden hat. Das Ich, das alles für sich selbst will, um seine Defizite auszugleichen, ist von Jesus abgelöst. Die Sünde, die das Ich so pervertiert hat, ist besiegt. Jesus anstelle des Ich-süchtigen Ichs bewirkt, dass wir uns selbst sicher sein können. Jesus lebt in uns, nichts und niemand kann uns mehr etwas anhaben. Jesus lebt für uns, niemand kann uns mehr einreden, wir wären überflüssig.

Aber Jesus hat auch das Sagen und deshalb stellt er uns in Frage. Er fragt nach unserem Denken. Worum drehen sich meine Gedanken. Um mich, mein Wohlergehen, meinen Vorteil, meine Kränkungen oder darum, was Jesus will. Er fragt nach unseren Gefühlen, denn unsere Gedanken beeinflussen unsere Gefühle. Richten sie sich nach Jesu Maßstab? Lernen wir mit anderen zu fühlen, lernen wir unsere eigenen negativen Gefühle von Jesus reinigen zu lassen? Er fragt nach unseren Taten. Welche Handschrift tragen sie? Die des großen um sich selbst Angst habenden Ichs oder die Handschrift Jesu?

Selbstverleugnung ist Arbeit. Sie wird uns abverlangt, weil Jesus nur so in uns groß sein kann, wenn wir unser verbeultes Ich-Auto hinter uns lassen. Das geschieht nicht von heute auf morgen und schon gar nicht aus eigener Kraft. Es ist Jesus, der uns befreit und uns die Gedanken, Gefühle und unsere Hände für ihn öffnet. Er erwartet unser Kreuzchen an dieser Stelle, dass wir mitmachen und ihn an unser verbeultes Ich ranlassen.

5 Leben gewinnen

Christliche Existenz kann nach außen hin miserabel, vergnügungslos, traurig und leidvoll erscheinen. Doch wer Jesus im Herzen hat, wer den Heiligen Geist erfahren hat, erfährt einen Richtungswechsel, der ganz neue Horizonte eröffnet. Die Liebe Gottes heilt, die Freude beschwingt und die Hoffnung versetzt Berge. Ich möchte nur Stichpunkte nennen, die diese neuen Horizonte beschreiben. Wir nehmen Schwestern und Brüder wahr statt einer wüstenartigen Ich-Landschaft. Wir erfahren Gebetserhörungen für uns und andere, die wie neue Tankfüllungen wirken. Sie machen uns gewiss, dass Jesus mit uns unterwegs ist. Wir erkennen nach und nach, warum wir auf dieser oder jener Straße fahren. Finden Antworten auf Warum-Fragen, wissen uns gerufen, in eine Aufgabe zu investieren und eine andere anderen zu überlassen. Wir bekommen Kraft, für andere da zu sein und dabei nicht mehr uns selbst nachzulaufen. Doch das geht nur mit intensiver Fahrschule Jesu durch seine Bibel, durch das Gebet und manche Probleme hindurch und durch die Erfahrung von neu geschenkter Vergebung.

6 Welt gewinnen, Leben verlieren

In dem Wahlprogramm Jesu ist durchaus auch ein Passus zu finden, wie die anderen Parteien zu beurteilen sind. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen Weg anzeigen, der zur Zielverfehlung führt. Sie bieten an, dass man im eigenen verbeulten Ich-Auto weiterfahren kann. Ja, bei guter Führung und tatkräftigem Einsatz bekommt man sogar einen Neuwagen, den man ganz allein kutschieren kann, wo immer es hingehen soll. Aber - so im Klartext, der Wagen wird nicht ans Ziel bringen. Er besitzt einen Autopiloten, der sich nicht abstellen lässt. Mit Kraftanstrengung lässt sich das Lenkrad von der einprogrammierten Richtung abbringen, aber sobald die Kraft nachlässt, steuert das Auto wieder auf die Klippen zu. Diese Klippen sind getarnt. Sie erscheinen von weitem wie ewige Denkmäler. In Wirklichkeit entpuppen sie sich als Todesfallen, aus denen es bis in Ewigkeit kein Entrinnen gibt.

Jesus wirbt für seine Partei nicht mit diesen Todesklippen. Er baut seinen Wahlkampf Wahlplakatnicht darauf, die Gegner als Lügner zu entpuppen. Erst in Punkt 6 zeigt er auf, was die Gegenseite verheißt. Jesus beauftragt aber uns, anderen diesen Punkt 6 vor Augen zu halten. Wir sollen uns nicht schämen, dass unser Leben sich nicht auf der Autobahn der Mehrheit abspielt. Wir können uns aber schämen, wenn wir unseren Mitmenschen keine Alternative zu ihrer Fahrtroute vorleben und für unser Auto nur eine andere Bemalung gewählt haben. Wir haben keinen Grund, unser Leben mit Jesus geheim zu halten, denn es geht darum, statt der Welt das Leben zu gewinnen.

7 Reich Gottes entdecken

Die Zukunft mit Jesus beginnt nicht erst, wenn die Landschaften blühen, die Steuerreform durch ist und die Krankenkassenfragen gelöst sind. Die Zukunft mit Jesus beginnt hier und heute. Schon heute dürfen wir einen Blick auf das Reich Gottes werfen, dass mit Jesus angebrochen ist und das uns in seiner ganzen Fülle am Ende der Zeiten erwartet. Dieses Reich Gottes zeigt sich, wo wir Versöhnung erleben. Nichts kann uns tiefer berühren, als dass Gott uns die Hand hinstreckt und sagt: Dir ist vergeben!

Reich Gottes leuchtet auf, wo wir erfahren, dass Gott sich um unser kleines Leben mit den vielen Themen und Problemen kümmert und sie zu etwas Gutem führt. Reich Gottes zeigt sich uns, wenn Jesus uns Brot und Fisch in der Wüste reicht. Wir dürfen jetzt schon die große Route erkennen, auf der uns der Weg mit Jesus in die Zukunft führt. Die Offenbarung beschreibt die himmlische Szene am Ende der Zeiten so:

Offenbarung 7,14-17

"Diese Menschen haben die große Verfolgung durchgestanden. Sie haben ihre Kleider gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Darum stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Er, der auf dem Thron sitzt, wird bei ihnen wohnen. Sie werden keinen Hunger oder Durst mehr haben; weder die Sonne noch irgendeine Glut wird sie versengen. Das Lamm in der Mitte des Thrones wird ihr Hirt sein und sie an die Quellen führen, deren Wasser Leben spendet. Und Gott wird alle ihre Tränen abwischen."
Cornelia Trick


Home


Verantwortlich Dr. Ulrich Trick, Email: ulrich@trick-online.de
Internet-Adresse: http://www.predigt-online.de/prewo/prewo_waehlt_jesus.htm