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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Merkwürdig war in der Erzählung, wie Petrus aus dem Fischerboot sich in die Fluten stürzte, um als erster ans Ufer zu Jesus zu kommen. Merkwürdig schon deshalb, weil sein dreimaliger Verrat an Jesus noch nicht aus der Welt geschafft war. Petrus war mutig, sich trotz der schwelenden Schuld Jesus entgegen zu werfen. Eine tiefe Sehnsucht nach Wiedergutmachung erspüren wir in dieser Szene, fast als wollte Petrus sagen: „Jesus, ich habe es doch nicht so gemeint. Natürlich will ich immer noch als erster ganz nah bei dir sein!“ Jesus reagierte. Er nahm nach dem Stärkungsmahl Petrus beiseite und sprach unter vier Augen mit ihm. Johannes 21,15-23 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus lieb hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist's, der dich verrät? Als Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem? Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! Da kam unter den Brüdern die Rede auf: Dieser Jünger stirbt nicht. Aber Jesus hatte nicht zu ihm gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Seelsorge Hier hilft eine Erinnerung an eine andere Jesus-Begegnung. Im Haus des Pharisäers Simon ist Jesus zu Tisch eingeladen. Ohne Ankündigung stört eine Prostituierte die gelehrte Tischrunde, wirft sich zu Jesu Füßen und bedeckt Jesu Füße mit ihren Tränen und Salböl, eine Geste tiefer Zuneigung und Dankbarkeit. Jesus kommentiert dieses Geschehen so: „Der Sünderin ist viel vergeben worden, deshalb liebt sie mehr als Simon, der ein ehrbares Leben führt“. Jesus erinnert Petrus an diese Begegnung damals und gibt ihm zu verstehen: Dir ist vergeben! Und weil ich auch dir am Kreuz von Golgatha diese große Schuld vergeben habe, deshalb kannst du mich mehr lieben als die anderen Jünger, die nur wegrannten. Jesus bietet Petrus die Hand an. Wenn er sich zu dieser Liebe bekennt, gibt er seine Schuld ab, lässt sich vergeben und ist bereit für den Neuanfang. Noch zweimal stellt Jesus Petrus die Frage: „Hast du mich lieb?“ und rekapituliert den Verrat des Petrus im Hof des Hohenpriesters am Gründonnerstagabend. Petrus wird bei der dritten Frage traurig. Vielleicht realisiert er erst jetzt, dass Jesus ihn genau auf diese schwärzeste Stunde anspricht. Und dass sein Verrat die Liebe zu Jesus infrage gestellt hatte. Das ist die Botschaft an uns heute Morgen. Wir sind nicht Petrus und haben eine solche Verrat-Situation hoffentlich auch nicht erlebt. Doch wir lernen hier, dass jede Schuld, mit der wir uns gegen Jesus stellen, unsere Liebe zu ihm gefährdet. Ob ich etwas klaue, über meinen Nächsten Gerüchte in die Welt setze, anderen nicht vergeben will oder in meinen Beziehungen für Chaos sorge, es trifft jedes Mal Jesus wie ein Verrat. Es ist der Verrat an seiner Liebe zu mir, die mich doch verändern will, den neuen Menschen nach seinem Vorbild aus mir machen will. Und dieser Verrat wird nur aus der Welt geschafft, wenn ich mein Bekenntnis zu Jesus erneuere: „Ja, ich habe dich lieb – und das heißt, ich bereue, was ich gegen deinen Willen getan habe. Ich nehme dankbar deine Vergebung an und liebe dich noch viel mehr, weil du mich trotzdem liebst.“ Berufung Hier in dieser Szene am
See wirkt Vergebung und Berufung wie in einem Atemzug ausgesprochen. Als
ob der Sünder Simon von jetzt auf nachher zum Gemeindeleiter Petrus
wird, allein weil Jesus ihn berufen hat. Hier hilft ein genauerer Blick auf diesen Petrus. Wie aus dem Fischer Simon der Fels Petrus wird, ist eine längere Geschichte. Der Simon drei Jahre zuvor wirkt wie ein unscheinbarer Rohdiamant, von Jesus entdeckt und über eine lange Zeit mit intensivem Einsatz Tag und Nacht geschliffen. Erst nach dieser Entwicklungszeit, die am See noch lange nicht abgeschlossen ist, schimmert der Edelstein durch die grauen Steinschichten. Schauen wir uns den Rohdiamanten Simon an. Er brachte drei Eigenschaften mit, die ihm in seiner späteren Tätigkeit sehr nützlich waren:
Jesus machte ihm deutlich, wie er nur allzu leicht mit seiner Begeisterung aufs falsche Pferd setzten konnte. Direkt nachdem Petrus sich zu Jesus bekannte und von Jesus dafür gelobt wurde, ja, ihm von Jesus der Schlüssel zum Himmel versprochen wurde, wollte er Jesus von seinem Leidensweg abhalten – in gut gemeinter Absicht. Jesus sagte hart zu ihm: "Geh weg von mir, Satan!" (Matthäus 16) Petrus musste lernen, seine ersten Impulse zu kontrollieren, ihnen nicht nachzugeben, um nicht Spielball des Bösen zu werden. Petrus lernte Beherrschung. Als er das Ohr des Malchus bei Jesu Verhaftung abgeschlagen hatte, wies ihn Jesus zurecht. Er sollte nicht seine eigenen Pläne verwirklichen, sondern auf Jesus hören, um das Richtige zu tun. Petrus lernte vor allem im Hof des Hohenpriesters Demut. Er musste sich von seinem Selbstbild verabschieden, dass er der Super-Top-Jünger war. Nein, er war fehlbar wie jeder Mensch und absolut angewiesen auf Jesu Vergebung. Prahlen machte keinen Sinn, er würde seine Versprechungen im Ernstfall nicht einhalten können. Petrus lernte Liebe zu seinen Mitjüngern. Bei der Fußwaschung, bei der er wieder mal als Erster seine Kommentare gab, verwies ihn Jesus an seine Jünger. Denen sollte er die Füße waschen, denen sollte er dienen. Und Petrus lernte Mut. Er brauchte diesen Bekennermut bei vielen Verhören vor der Polizei während der ersten Gemeindejahre. Mut bekam er durch den Auferstandenen, der ihm zusicherte, dass nichts und niemand ihn mehr von Jesus trennen konnte. Wie aus Simon ein Petrus wurde, das war ein für Petrus oft schmerzhafter Weg. Sollte es bei uns anders sein? Auch wir brauchen Schulung, um der Berufung Jesu gerecht werden zu können. Wir sind vielleicht nicht zu Aposteln und Gemeindegründern berufen, aber jede und jeder von uns hat von Jesus einen ganz eigenen Ruf gehört. Der Ruf richtet sich in die Zukunft. Jesus will mit uns etwas anfangen, will unsere Gaben entfalten für seine Sache, will, dass wir seine Gemeinde in dieser Welt bauen. Dazu rüstet er uns zu. Wir brauchen wie Petrus dazu eine ganz feste Bindung an Jesus, wir müssen lernen, unsere eigenen Impulse zu beherrschen, wir können Jesus nur dienen, indem wir selbst demütig sind und uns etwas sagen lassen. Wir brauchen Liebe zu seinen Kindern und Mut, für ihn einzustehen, auch wenn es hart wird. Jesus führt uns immer in Situationen, in denen wir etwas lernen können. Oft wäre es uns vielleicht lieber, wir hätten Ferien von der Lebensschule. Aber der Alltag ist eben Schule, Lebensschule, da schreibt man nicht nur Einsen und versteht nicht alles sofort. Da geht es gerade bei den schwierigen Fragen darum, mit Ausdauer dranzubleiben und sich am Unterricht Jesu zu beteiligen. Petrus und der Lieblingsjünger In der Berufsschule Jesu lernt Petrus, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss, das soll genügen. Und er lernt etwas Neues über den Lieblingsjünger, der nach dem Johannesevangelium ja so eine Art Rivale für Petrus darstellte. Er lernt, dass der Lieblingsjünger eine andere Aufgabe haben wird als er. Während Petrus Gemeinde gründen wird, wird der Lieblingsjünger für die schriftliche Überlieferung der Wahrheit Jesu zuständig sein. Nicht der Lieblingsjünger wird bleiben, bis der Herr wiederkommt, sondern sein Evangelium wird bleiben und damit für alle Zeiten dieser Erde Menschen Anteil an Jesus geben. Wir werden durch das Evangelium des Lieblingsjüngers, den die kirchliche Tradition schon bald mit dem Jünger Johannes gleichsetzte, in eine Privatstunde hinein genommen: Jesus unterrichtet Petrus. Es kann auch unsere Privatstunde mit Jesus am See werden. „Hast du mich lieb?“, so fragt uns unser Herr und sieht auf die blinden Stellen unserer Jesus-Beziehung. Nehmen wir seine Vergebung an und antworten: „Ja!“? Jesus will auch uns berufen,
mit unseren Gaben und Möglichkeiten. Was wir mitbringen, möchte
er veredeln. Sein Unterricht ist unsere Lebensschule. Mag sein, dass die
eine oder andere schwierige Lebenssituation, die wir im Moment erleben,
eine Schulstunde ist, die uns lehrt, noch fester auf Jesus zu vertrauen
und unseren Platz noch besser zu finden und auszufüllen.
Cornelia
Trick
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