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Liebe Gemeinde,
Eine Erzählung der Bibel von den Anfängen Israels berichtet, wie Mose zunächst die Israeliten aus Ägypten und weiter einen sehr lehrreichen Weg 40 Jahre durch die Wüste führte. Die Israeliten bekamen Intensivunterricht im Fach „Gottvertrauen“. Immer vor Augen war ihnen das Ziel ihrer Wanderschaft, das Gelobte Land, in dem Milch und Honig fließen sollten. Dort hofften sie auf Heimat, Bleiben-Dürfen und Frieden. Nachdem die Ägypten-Generation weitgehend gestorben war und auch Mose die Führung an Josua abgegeben hatte, war es endlich soweit. Josua erhielt den Auftrag, mit den Israeliten das Gelobte Land zu betreten. Nur noch der Grenzfluss zwischen alt und neu, der Jordan musste überschritten werden. Eigentlich ist das ein kleiner Fluss, doch die Bibel berichtet, dass der Übergang im Frühling stattfinden sollte, wo der Fluss wegen Hochwasser weit über die Ufer getreten war. Die Grenze schien unüberwindlich. So ist das Sprichwort „über den Jordan gehen“ entstanden. Es markiert eine Grenze zwischen gewohnt und unbekannt, zwischen Wüsten-Wegen des irdischen Lebens und dem Gelobten Land, der Ewigkeit bei Gott, wo keine Tränen mehr fließen werden und der Tisch mit einem himmlischen Festmahl angerichtet ist. Schauen wir uns am Beginn des neuen Jahres den Übergang zwischen alt und neu, gewohnt und unbekannt, genauer an, werden wir merken, dass Gottes Fahrplan für sein Volk ein Mix aus Wunder von oben und Mitarbeit der Israelisten war. Josua 3,5-17; 4,1-3+8
Sehr anschaulich wird der Übergang berichtet und für uns festgehalten, denn die Erfahrungen von damals haben auch mit uns heute zu tun. Zwei Ebenen zeichnet uns das Geschehen auf. Einmal können wir uns als Gemeinde im Volk Gottes wiedererkennen. Wir stehen immer wieder an scheinbar unüberwindlichen Übergängen, brauchen Gottes Eingreifen, seine Ermutigung und Wegweisung, wie es weitergehen soll. Als Einzelne – die zweite Ebene – kennen wir diese Jordan-Erfahrungen wohl auch. Nicht nur der Jahreswechsel, auch ganz persönliche Erfahrungen wirken wie Grenzen, die uns ein Weitermachen wie bisher unmöglich machen. Doch wie kommen wir über unsere ganz persönlichen Jordan-Grenzen hinweg? Da gibt es hier einiges zu entdecken. Josua und das Volk
Auch heute hat diese Aufforderung Bedeutung, wenn auch nicht als Anweisung für das Waschen unseres Körpers. Vielmehr geht es darum, dass wir uns bewusst in Gottes Gegenwart begeben, dass wir uns der Gegenwart Gottes bei allem bewusst sind, was den Tag über so läuft. Dazu gehört auch, die vielen Stimmen um uns auszublenden, die alle wissen, was für uns gut ist. Bei einem Familientreffen zu Weihnachten war eine Schwangere unter uns. Wir alle gaben ihr 100 Tipps, wie sie die Zeit am besten gestaltet. Am Abend dachte ich, die Arme, vollgetextet von lauter Leuten, die es gut mit ihr meinten. So geht es uns ja oft, alle wissen was, wenn wir an unserer Jordan-Grenze stehen. Wichtig ist die Stimme Gottes, die sollten wir hören und erkennen. Da hilft, sich zu erinnern, was Gott schon getan hat, wo wir ihn erlebt haben, wie er da zu uns geredet hat, so finden wir ihn, auch wenn viele Ratschläge auf uns einprasseln. Die Bundeslade geht voran
Wir haben heute keine Bundesladen, die wir uns vor Augen stellen, um Gott zu sehen. Leider, könnte man sagen, denn es hilft, etwas vor Augen zu haben. Deshalb gibt es den Brauch, Silvester eine Spruchkarte zu ziehen, weil sie Gottes Gegenwart im neuen Jahr sichtbar machen soll. Eine Handy-App mit Bibelworten zum Tag kann ebenso helfen, ein Kreuz am Schreibtisch oder eine Postkarte am Spiegel. Kleine Hilfen haben große Wirkung, denn sie verdeutlichen: „Du bist nicht allein, Gott geht voraus!“ Mit den Füßen
im Wasser
Für mich ist diese Anweisung die erstaunlichste und beunruhigendste. Ich hätte lieber, dass der Fluss stoppt, bevor die Männer hineintreten. Ich hätte lieber, dass Gott bedrohliche Situationen vorher klärt, sodass ich mir nicht mehr die Füße nass machen muss. Aber meistens erlebe ich es genauso wie die 12 Abgesandten. Ich habe zuerst einen Glaubensschritt zu machen, ich bekomme keine Garantien im Vorhinein. Als wir vor vielen Jahren unsere Wohnung anmieteten, stand im Mietvertrag, dass die Mindestdauer 5 Jahre betragen würde. Damals war völlig offen, ob wir noch 2 Jahre oder 3 Jahre am Ort wohnen würden, vielleicht länger. Nichts war klar. Wir hatten dieses Gefühl, in den Fluss zu treten und nicht zu wissen, wie es ausgehen würde. Wir hatten nur die Gewissheit, dass Gott uns diese Wohnung sehr deutlich gezeigt hatte. Und wir durften erfahren, dass der Jordan stoppte, die 5 Jahre sind längst rum und wir mussten nicht umziehen. So gibt es immer wieder Zeiten, an denen unser Gottvertrauen herausgefordert ist. Trauen wir darauf, dass Gott Wasser stoppt? Oder dass er unseren Weg rechtzeitig stoppt, weil wir auf falsche Stimmen gehört haben? Durchzug
Für die Israeliten war das gelobte Land attraktiv trotz aller Ungewissheit. Was sind meine Ziele, unsere Gemeindeziele, die uns den Weg durch das Flussbett lohnend machen? Für mich ist ein Ziel, dass neu Hinzugekommene in der Gemeinde ihren Platz finden, wo sie mitwirken und mitgestalten können. Das große Ziel, die Ewigkeit, leuchtet schon jetzt in unsere Zwischenziele hinein. Gott ist gegenwärtig, nicht erst im Himmel, sondern schon heute hier und morgen bei der Arbeit. Wir werden ihn erleben, wie er uns mit seiner Liebe umfängt, auch da, wo es schwer wird. So war es auch für das Volk Israel, denen im Gelobten Land auch Feinde begegnet sind. Gedenksteine
Und was wir erleben, strahlt über uns hinaus in die Umgebung. Wie damals die umliegenden Stämme von dem wundersamen Durchzug der Israeliten erfuhren, so beobachten unsere Mitmenschen uns und lassen vielleicht eine Sehnsucht wachsen, selbst diese Führung Gottes zu erleben und mit ihm neue Ziele zu erreichen, die er eröffnet. Cornelia
Trick
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