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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Und stellen Sie sich weiter vor, Sie gehen da wirklich hin. Es ist ein heiterer Frühlingstag, der Marktplatz ist voller Menschen, die auch persönliche Einladungen bekommen haben. Ein paar Leute stehen auf einer Bühne. Sie fangen an zu singen. Sie singen Liebeslieder auf Jesus und scheinen bereits ziemlich viel Lebensfreude zu haben. Einer ergreift das Mikrophon und erzählt, wie er auch einmal vor einigen Jahren eine solche Einladung erhalten hat. Auch er ist damals auf den Marktplatz gegangen, war skeptisch, ob das nicht alles ein PR-Gag wäre und hat erlebt, wie er mit Gottes Kraft ausgefüllt wurde. Seitdem sei er ein neuer Mensch. Seine Depressionen hätten sich gebessert, sein Lebensgefühl sei viel positiver und er würde nun mit anderen zusammenkommen, die das gleiche erlebt hätten. Der Mann gibt das Mikrophon weiter. Eine Frau erzählt nun von Jesus, wer er war und was er wollte und welche Bedeutung er heute noch hat. Die Menge auf dem Marktplatz wird unruhig. Manche fangen an zu pfeifen. Sie haben hier offensichtlich etwas Spektakuläreres als eine Missionspredigt erwartet. Andere machen sich aus dem Staub, nicht ohne ihre Verachtung deutlich zum Ausdruck zu bringen. Eine Jugendliche bahnt sich den Weg durch die noch verbleibenden Leute. Sie will nach vorne. Sie ist gepackt von den Worten der Frau, von den Liedern und der Atmosphäre. Ist das nicht genau das, was sie sucht? Ein mittelalter Mann drängt ebenfalls nach vorne. Er wird durch die Ansprache erinnert an längst vergangene Zeiten. Hatte er das nicht auch einmal so erlebt, dass Jesus ihn ganz ausgefüllt hatte und er seinen Geist ganz hautnah spürte? Aber dann war viel geschehen. Er hatte immer zu tun. Seine Firma forderte ihn, zu Hause wartete die Familie. Er hatte den Anschluss verloren. War das nicht heute die Gelegenheit, wieder anzufangen? Langsam lichten sich die Reihen auf dem Marktplatz. Doch einige bleiben stehen. Ich bleibe auch stehen. Ich merke, wie mir das gut tut. Es ist wie die Vorsorgeuntersuchung beim Arzt. Ich lasse mich durchchecken, ob Gottes Geist mich ganz erfüllt und wo akuter Handlungsbedarf ist. Ich lasse mich ein auf diesen Geist, der mich berührt. Ich bin gespannt, wie er mich nach diesem Marktplatzerlebnis wieder auf die Spur bringt. Und Sie? Bleiben Sie auch stehen? Oder machen Sie sich lieber aus dem Staub? Ich möchte Sie einladen, da zu bleiben und sich durchchecken zu lassen. Es geht hier ja um sehr viel, um Lebenserfüllung, Glück, Freude und den Himmel. Lassen wir uns für diesen Gesundheits- Check drei kurze Fragen stellen: Wie bin ich? Wer bin ich? Wo bin ich? Paulus mit seinem Brief an die Römer kann uns helfen, neue Antworten darauf zu finden, die uns weiterhelfen. Wie bin ich?
Offensichtlich lebt nach diesen Ausführungen der Mensch erst mal in der Machtsphäre seiner menschlichen Natur. Diese Sphäre zeichnet sich aus durch den Drang, immer mehr zu wollen, um sich selbst zu kreisen und das rechte Maß für sein Handeln zu verlieren. Im Märchen vom Fischer und seiner Frau wird das anschaulich entfaltet. Ein Fischer fängt einen großen Fisch, der Wünsche erfüllen kann. Fischers Frau wünscht anfangs noch bescheiden, ihre Wünsche steigern sich dann bald ins Unermessliche. Als sie schließlich den Wunsch äußert, Gott zu werden, zerstieben alle Wünsche wie eine Seifenblase und sie sind wieder die armen Fischersleute wie eh und je. Es fasziniert mich, wie hier in wenigen Worten unsere menschliche Natur beschrieben wird. Immer mehr zu wollen, bis wir schließlich Gott sind und damit alles beherrschen, steckt in uns drinnen. Gott als Gegenüber akzeptieren wir nicht, schon gar nicht als einen, der in unserem Leben etwas zu sagen hat. Vor dieser Sucht nach Mehr gibt es kein Entrinnen. Sie ist unser Todesschicksal. In dem autobiographischen Bericht "Generation
Golf" von Florian Illies beschreibt er die Haltung einer ganzen Generation
derer, die zwischen 1965 und 1980 geboren sind, ähnlich.
Gott schickt uns eine persönliche Einladung.
Er will nicht, dass wir an dieser Selbstsucht zu Grunde gehen. Er eröffnet
uns eine neue Machtsphäre, Wie bin ich? Bin ich süchtig nach immer mehr, um schließlich Gottes Posten zu erreichen? Würde der Autoaufkleber "Ich will alles und das sofort" auch auf mein Auto passen? Oder bin ich vom Heiligen Geist erfüllt, voller Liebe für meine Mitmenschen, gelassen und fröhlich? Mal ganz ehrlich, so richtig in der Machtsphäre des Heiligen Geistes wird sich kaum eine oder einer fühlen. Denn da sind schon noch Momente, wo es uns ums eigene Ego geht, wo wir uns selbst die Nächsten sind und Gottes Anspruch auf unser Leben ziemlich verdrängen. Manchmal ist unsere menschliche Natur auch verborgen unter unserer Suche nach Anerkennung und Liebe. Wir gieren nach Bestätigung und sind enttäuscht, wenn sie ausbleibt, der Ehepartner nicht jeden Morgen aufs Neue die Liebe beschwört oder der Chef unsere Arbeit nicht lobt. Wir fühlen uns in solchen Situationen leer und nutzlos und es hilft fast gar nicht, von dem Heiligen Geist zu wissen, der das Liebes- und Anerkennungsloch ausfüllen will. Ich frage mich auch, ob manche Überstunden im Geschäft auf dieses Gefühl zurückgehen Ich fühle mich nicht gut genug, kann den eigenen und fremden Ansprüchen nicht gerecht werden und schaffe darum bis zum Umfallen, um das innere Loch zu füllen. Da wirkt es wie ein theoretischer Lehrsatz, dass Jesus uns in seinen Tod mit hineingenommen hat und wir damit der Selbstsucht gestorben sind. Dass er auferweckt wurde, um uns in das neue Leben in seiner Machtsphäre mitzunehmen. Die Praxis sieht oft eher anders aus. Da fühlen wir uns in der Schnittmenge der beiden Machtsphären festgehalten. Das alte Leben greift nach uns und will uns zurückgewinnen. Vielleicht ist es zu vergleichen mit der Situation eines trockenen Alkoholikers, den seine ehemaligen Saufbrüder nicht in Ruhe lassen. Er ist zwar trocken, aber der Weg zum Rückfall ist kurz. Was ihm hilft, ist eine tragfähige Gemeinschaft von neuen Freunden, die ihm den Rücken stärken. Und was ihm auch hilft, ist ein befriedigender Alltag, der ihn ausfüllt und ihm Spaß macht. Den er für nichts in der Welt wieder aufs Spiel setzen will. Fühlen wir uns also wie in der Schnittmengen
zwischen zwei Sphären, Wie bin ich wirklich? Ich stelle mir die Frage sehr persönlich. Selbstsüchtig? Machtbesessen? Hungrig nach immer mehr Anerkennung? Verzweifelt, weil ich mich nicht selbst aus dem Dreck ziehen kann? Sicher, so bin ich auch. Aber durch Gottes Geist bin ich eigentlich ganz anders. Ich bin gerettet. Ich bin vom Heiligen Geist durchdrungen. Deshalb können die Zeichen der alten Machtsphäre nur noch Rückzugsgefechte sein. Wer bin ich?
Auf einer Party fragt mich ein Besucher: Wer bist du? Und ich antworte: Ich bin Cornelia Trick, eine Freundin der Gastgeberin, wohne in Bad Soden, bin verheiratet und habe zwei Töchter. Bei dieser kurzen Vorstellung komme ich nicht auf die Idee zu sagen, ich bin Cornelia Trick und Kind Gottes. Obwohl das mal wirklich spannend wäre, wie mein Gegenüber da gucken würde... Paulus bemerkt hier, dass es unglaublich wichtig ist, sich als Kind Gottes zu wissen. In der alten Machtsphäre, da waren wir Sklaven, Sklaven unserer Selbstsucht und Maßlosigkeit. Da waren wir Sklaven, denn immer hörten wir die innere Stimme: du musst, du sollst. Wir fühlten uns als Rad im Getriebe, auch schon mal als Wegwerfartikel, der bei Bedarf ausgemustert wird. Und weil wir bisweilen im Schnittfeld zwischen den beiden Sphären stehen, kennen wir diese Stimme des "du musst und du sollst" eben immer noch. Da ist es wichtig, dass wir erinnert werden, eigentlich doch in der ganz und gar neuen Sphäre als Gottes Kinder zu leben. Damit sind allerdings nicht alle Facetten des Begriffes Kind gemeint. Es geht beim Kind nicht um das unmündige Wesen, das nichts weiß und ewig infantil bleibt. Ganz andere Bedeutungen schwingen in dem Begriff "Kind Gottes" mit: eine Liebesbeziehung, Geborgenheit, Schutz, die Eltern sorgen für das Beste, Anteilhaben am Ganzen, man bleibt Kind auch nach einem Krach, Versöhnung ist möglich. Kind Gottes zu sein, sprengt nationale und andere Bindungen. Diese neue Familie ist von Gott her gegründet und stellt uns in ein neues gleichrangiges Verhältnis zueinander. Zueinander sind wir Christen Geschwister, keine Chefs und Untergebenen mehr. Es ist, als ob wir durch den Heiligen Geist einen neuen Nachnamen erhalten hätten. Wir heißen nun Christ, zu deutsch Gesalbte, weil wir mit Jesus Christus durch seinen Geist verbunden sind und Gott zum Vater haben. Es soll mal jemand an Martin Luthers Tür geklopft haben und nach Martin Luther gefragt haben, der mit ihm nicht im Frieden lebte. Da hat Martin Luther das Fenster aufgerissen und auf die Straße gerufen: "Hier wohnt nicht mehr Martin Luther, sondern der Herr Jesus. Martin Luther ist tot." Ob wir das auch so rufen können? Wer bin ich? Diese Frage stellte sich auch Dietrich Bonhoeffer während seiner Inhaftierung kurz vor seiner Hinrichtung im KZ. In einem bewegenden Gebet brachte er zum Ausdruck, wie wenig er diese Frage zu beantworten wusste. War er der, für den ihn die anderen hielten? Oder war er der, für den er sich selbst hielt? Er schloss sein Gebet mit den Worten: "Wer ich auch bin. Du kennst mich. Dein bin ich, o Gott!" Darauf kommt es im Letzten an. Das wir uns im entscheidenden Moment gewiss sind. Wir gehören in Gottes Welt, er hat seinen Namen an unser Türschild geschrieben. Vielleicht müssen wir einfach ab und zu auf dieses Türschild schauen, um uns neu zu vergewissern. Wo bin ich?
Paulus gibt uns mit diesen Worten noch einen Ausblick. Auf unserem Türschild steht "Christ". Unser neuer Name lässt uns nicht in unseren eigenen vier Wänden schmoren. Er drängt uns nach draußen auf die Straßen und Gassen. Wir sind mit unserem neuen Namen berufen, als Vertreterinnen und Vertreter von Gottes Sache zu arbeiten. Der Heilige Geist, in dessen Machtsphäre wir nun leben, drängt uns hinaus zum Klinken Putzen, zu Gesprächen mit unseren Nachbarn und Kollegen, zu guten Taten und heilenden Gesten. Dabei kommt es zu Konflikten. Nicht jeder will das von uns hören. Manche pöbeln uns an. Manche unterstellen uns, einer Sekte anzugehören und Seelen manipulieren zu wollen. Manche schneiden uns und ignorieren uns. Das tut weh. In anderen Teilen der Welt müssen Christen ins Gefängnis, sobald sie Jesus ins Gespräch bringen. Aber das alles gehört offensichtlich dazu, wenn wir in der Machtsphäre des Heiligen Geistes leben. Es gibt kein softes Christsein. Christsein ist offensichtlich mit Leiden hier und heute verbunden. Nicht gerade schön und schon gar nicht werbewirksam. Der Himmel ist nicht hier auf Erden. Er ist das große Ziel, das uns erst noch verheißen ist. Aber in den Auseinandersetzungen und Leiden um des Glaubens willen lässt uns der Vater nicht im Stich. Er gibt uns seinen Geist, der uns fähig macht zum Durchhalten. Dass das kein billiger Trost ist, können wir an Dietrich Bonhoeffer sehen und an Menschen, die es immer wieder erleben, dass sie der Heilige Geist befähigt, als seine Vertreter in dieser Welt zu leben - trotz des Gegenwinds. Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, will uns aufmerksam machen auf die Machtsphäre des Heiligen Geistes. Lassen wir uns von ihm rufen und erfüllen? Cornelia
Trick
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