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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Die Mutter steigt mit ihrem 2-Jährigen aus dem Auto. Der Junge bekommt einen Trotzanfall. Er will im Auto sitzen bleiben und weiter mit dem Finger die Scheibe bemalen. Die Mutter hat es eilig, sie zerrt den Jungen hinter sich her. Eine häufige Verletzung im Kleinkindalter ist die ausgekugelte Schulter, verursacht durch ungeduldige Eltern. Eine Menschenschlange steht an bei der kleinen Postagentur im Ort. Die Leute meutern. Sie wollen schneller bedient werden. Sie sagen sogar, ihnen wäre es lieber, 3 km bis zum nächsten Postamt zu fahren, wenn es nur schneller ginge. Nach wenigen Monaten schließt die Agentur. Der Infarktpatient lässt sich auf eigene Verantwortung frühzeitig aus dem Krankenhaus entlassen. Er geht am selben Tag zur Firma, um wichtige Geschäfte wieder aufzunehmen. Vor dem Firmengebäude bricht er zusammen und wacht bis zu seinem Tod nicht wieder aus dem Koma auf. Diese Geschichten haben sich in unserem Umfeld ereignet. Und Sie werden Ähnliche anfügen können. Das Thema ist aktuell, obwohl unsere Zeit eher dagegen spricht. Denn Kennzeichen unserer Zeit ist, dass wir Informationen in Sekunden rund um den Globus schicken können. Alle Entwicklungen sind jederzeit an jedem Ort gleichzeitig abrufbar. Wie der Stand der Börse in Tokio oder Frankfurt ist, welche Firmen gerade im Aufwind oder Abstieg sind, wo Attentate oder Naturkatastrophen geschehen, das erfahren wir sofort. So wundert es nicht, dass Briefkästen und Briefzusteller abgebaut werden, wer schreibt denn noch Briefe, die mindestens einen ganzen Tag lang unterwegs sind? Die Errungenschaften unserer Tage sind uns in vieler Hinsicht eine Hilfe. Informationen schnell zu bekommen ist wichtig und kann Leben retten. Ein Handy in der Tasche Heranwachsender beruhigt und erhöht deren Sicherheit. Unser eigener Horizont wird geweitet durch die vielfältige, billige und einfache Kommunikation in aller Welt. Die Schnelligkeit unserer Zeit verändert uns. Dies ist nicht immer nur positiv. Da wir gewöhnt sind, alles sofort erreichbar zu haben und zu bekommen, fällt es uns schwer zu warten. Mit uns selbst und unseren Mitmenschen werden wir ungeduldig, als handele es sich bei Menschen um ein E-Mmail-Programm, bei dem ein Klick genügt, bis es reagiert. Mit uns selbst sind wir unzufrieden, weil wir zu langsam und ineffektiv sind. Die Möglichkeiten, die uns geboten werden, können wir nur zu einem kleinen Teil wahrnehmen. Aufschub gibt es nicht, entweder jetzt oder gar nicht. Das macht uns rastlos und hektisch. Mit anderen sind wir auch oft ungeduldig. Wir wollen Veränderung sofort, Zuwendung gleich und komplett, tiefes Glück in der Partnerschaft nicht erst nach Jahren des Kennenlernens, sondern vom ersten Tag an und ohne Unterbrechung. Übertragen wir dieses von der Umgebung erlernte Verhalten auf unser Leben mit Gott, so läuft es da ähnlich. Gott soll uns sofort antworten, sofort eingreifen, sofort helfen. Und meldet er sich nicht gleich, wird das Anliegen schnell vergessen. So ist manche Gebetserhörung als solche gar nicht mehr im Bewusstsein, weil das ursprüngliche Gebet vergessen ist. Unsere Gaben sollen sofort Früchte bringen, wie wenn der Apfelbaum ohne Blüte- und Reifezeit direkt vom Winter in den Herbst wechseln würde. Jemand mit der Gabe des Glaubens erwartet, dass sich der Berg sofort versetzt und eine andere mit der Gabe der Evangelisation geht davon aus, dass das erste Gespräch mit der Arbeitskollegin unmittelbar zur Bekehrung führt. Auch andere Christen sollen sich natürlich sofort durch Gottes Geist verändern, liebevoller werden, geduldiger(!) und friedevoller. In diese Situation und dieses Lebensgefühl hinein schenkt Gott durch seinen Heiligen Geist die Frucht der Geduld, des Warten-Könnens. Offensichtlich war diese Frucht zu allen Zeiten nötig, nicht erst, seit es Telefon und Computer gibt. Wir brauchen diese Frucht heute in besonderem Maße, denn offensichtlich liegt im Warten eine Verheißung, die uns im täglichen Leben völlig abgeht. Im Warten will Gott uns begegnen. Er hat in dieser Zeit die Möglichkeit, uns zu beeinflussen, damit wir in seine Richtung wachsen und unser Leben von ihm durchdringen lassen. Paulus beginnt seinen Brief an die Kolosser mit ein paar grundsätzlichen Aussagen und nennt darin auch unser Thema: Kolosser 1,9-11 Paulus betet für seine Gemeinde. Sie ist nicht allein gelassen, auch wenn der Apostel jetzt nicht mehr körperlich anwesend ist. So sorgt sich Paulus auch weiterhin um die Gemeinde. Er befiehlt sie Gott an und wünscht ihr, dass sie ihre Gaben vielfältig einsetzen kann zur Ehre Gottes und daraus etwas Gutes, neue Frucht entsteht. Er bittet Gott darum, dass er der Gemeinde Geduld schenkt, denn die ist für den Wachstumsprozess nötig. Was heißt Warten? An dieser Geschichte können wir eine Entdeckung machen. Warten bedeutet
Auf Gott zu hören ist der Anfang, uns dieser Festung zu nähern. Wir suchen einen ruhigen Ort auf, der unsere Gedanken nicht ablenkt. Wir sind selbst einmal still und stellen unsere inneren Antennen auf Empfang. Was will Gott uns sagen? Wo will er uns hinhaben? Vielleicht erreicht uns in diesen Tagen eine Karte eines Freundes, der uns ein gutes Wort mitgibt, vielleicht stoßen wir beim Bibellesen auf eine Weisung, durch die Gott mit uns spricht. Vielleicht können wir mit jemand zusammen beten und ihn bitten, mit uns auf Gottes Antwort zu hören. Manchmal brauche ich solche Zeit des Hörens, wenn ich ein wichtiges Gespräch vor mir habe. Ich bitte Gott darum, mir zu zeigen, wann das Gespräch dran ist. Es fällt mir schwer, dann wirklich ruhig zu sein und die Antwort abzuwarten. Zu gerne würde ich es gleich hinter mich bringen. Doch wie in Jericho braucht es oft Zeit. Ich muss gehorchen und dieses Gespräch umbeten. Das Volk Israel konzentrierte sich während der Wartezeit auf nichts anderes. Wie leicht bin ich versucht, von meinem Anliegen immer wieder abzuschweifen und dies und das schnell noch zu erledigen, was dann meine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Ich möchte lernen von diesem geduldigen Umrunden. Ich möchte aber auch wach sein, wenn der
siebte Tag anbricht. Die Vorgehensweise des Volkes am siebten Tag ist hochinteressant.
Die Kriegsleute schreien, statt Kampfhandlungen auszuführen, die Wachen
an den Stadttoren umzubringen oder Steine zu schmeißen. Die Hörner
spielen, sonst eher Ausdruck des Gotteslobes. Gott möchte offenbar
als oberster Chef akzeptiert werden. Wenn ich den Impuls bekomme, das Gespräch
nun zu führen, dann ist Gott der Gesprächsleiter. Er möchte
mein Vertrauen, dass er uns zu einem Ergebnis kommen lässt, das weiterhilft.
Hören auf Gott So ist es mit dem Hören auf Gott. Das Rufen der Frau ist zu vergleichen mit unserem Hilfeschrei, wenn wir nicht allein weiter kommen. Das Seil ist das Gebet, das wir auswerfen: Herr hilf! Der Wanderer ist Gott, der das Gebet hört und eingreift, um uns zu retten. Der Hilfeschrei allein würde zu nichts führen. Auch ein Gebet zum unbekannten höheren Wesen kann uns nicht wirklich herausziehen. Beruhigen ja, aber nicht helfen. Erst wenn Gott, den wir durch Jesus Christus als unseren barmherzigen Vater kennen, sich unserer annimmt, kommen wir aus unserem Elend heraus. Gott hat uns zugesprochen, dass er unser Gebet hört. Er liebt uns und geht nicht achtlos an der Grube vorbei, in der wir festsitzen. Aber wir sollten unser Anliegen auch nicht vergessen oder mutlos aufgeben. Vielleicht hilft es, Klebezettel mit unseren Gebetsanliegen zu beschriften und sie immer vor Augen zu haben, das ist wie ein Seil, das wir auswerfen - Gott entgegen. Gehorchen So lief das Volk Israel sechs lange Tage schweigend um die unbesiegbare Stadt Jericho, allein mit dem festen Vertrauen, dass Josua wirklich Gottes Stimme gehört hatte. In dieser Zeit gab es durchaus etwas zu tun. Das Volk übte sechsmal für den Ernstfall am siebten Tag. Wir sind aufgefordert, die Zeit des Wartens zielorientiert zu füllen. Die neutestamentliche Gemeinde, die auf die Vollendung in Gottes Reich wartet, ist in der Zwischenzeit aufgefordert, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen, ihre Gaben einzusetzen und Frucht zu bringen. Jede und jeder einzelne ist aufgefordert, seine Wartezeiten zu füllen im Blick auf das Ziel. Wenn es die neue Arbeitsstelle ist, auf die ich warte, kann ich die Zeit nutzen und mich weiter qualifizieren. Wenn ich auf den Moment warte, an dem ich ein wichtiges Gespräch führen will, kann ich mich über die Fakten schlau machen und um Liebe beten, um es zu einem guten Ergebnis zu führen. Wenn ich eine Schuld vor mir hertrage, die ich wieder gut machen möchte, der Zeitpunkt aber offensichtlich noch nicht da ist, kann ich anfangen, meine anderen Beziehungen liebevoll und voller Frieden zu gestalten.. In dieser aktiven Wartezeit können große Veränderungen geschehen. Die Verbindung zu Gott wird stärker, das Vertrauen wächst und diese erprobte Lebensgemeinschaft gibt Mut für die Zukunft. Handeln Diese Geschichte hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich frage mich, ob ich nicht auch oft wochenlang um "Jericho" herumwandere, ohne zu merken, dass der siebte Tag längst verstrichen ist. Da warte ich Wochen auf den Zeitpunkt des Gesprächs und verpasse Gelegenheit um Gelegenheit. Da sucht jemand eine Wohnung und er wird sie nie finden, weil er nicht den Mut hat, sich festzulegen. Da will eine diesen Mann heiraten, aber immer wieder kommt scheinbar was dazwischen. Sie merkt nicht, dass es an ihr liegt und sie eigentlich gar nicht heiraten will. Wir müssen das Ziel unseres Wartens im Blick haben. Wenn das Ziel nicht klar ist, merken wir nicht, wann es Zeit zum Handeln ist. Handeln ist dran, wo ich um etwas gebetet habe, mein Möglichstes getan habe, Gott vertraue, dass er mein Gebet hört und einen klaren Hinweis bekomme, dass jetzt der "siebte Tag" angebrochen ist. Für manche ist solch ein Hinweis ein Bibelwort, das sie lesen oder das ihnen geschenkt wird, eine Ermutigung einer Freundin, eine Gewissheit, die in ihnen wächst, jetzt losgehen zu müssen. Sicher gibt es sehr unterschiedliche Wege, auf denen Gott uns seine Zeichen zukommen lässt. Hier lässt sich nichts katalogisieren. Aber Offenheit und Mut gehören unbedingt dazu. Nach einem Umweg über Jericho noch ein paar Gedanken zu den Sätzen, die Paulus den Kolossern schrieb. Wir haben genau wie die Kolosser Fürbitte nötig. Die Frucht unseres Glaubens, warten zu können, ist Zeichen, dass wir unserem Herrn vertrauen wie ein Trapezkünstler im Zirkus. Dieses Vertrauensverhältnis ist vom Gebet geprägt, wenn wir unser Seil auswerfen und Gott danach greift. Die Wartezeit, bis er dann auch zieht, können wir aktiv nutzen. Statt einfach auf die Erledigung des Problems zu warten, können wir in dieser Zeit auf den Herrn warten und ihn vielfältig entdecken. Zu seinem Zeitpunkt wird er uns auffordern zu handeln. Dann sind wir dran "eine Bestellung zu erbitten", mutig loszugehen. Mit der Hilfe des Herrn können wir rechnen, der die Mauern ganz anders überwindet, als wir uns das oftmals vorstellen. Cornelia
Trick
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