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Gottesdienst am 27.06.1999
Anspiel: Eine Taxifahrt,
Gespräch zwischen Taxifahrerin (T) und Fahrgast (F)
F: Bitte bringen Sie mich nach Bad Soden-Neuenhain,
Gemeindezentrum Gottestreu, Rother Weingartenweg 5.
T: Was wollen Sie denn
da? Bei den Methodisten? So sehen Sie gar nicht aus.
F: Wie sehen Methodisten denn aus? Ich hoffe,
fröhlicher als der Durchschnitt. Ja, genau, da will ich hin. Bin zu
einem Vortrag dorthin eingeladen worden.
T: Was erzählen
Sie denn da?
F: Ich bin Psychologin und erzähle darüber,
warum Leute heute Schwierigkeiten haben, verlässlich, dauerhaft und
verbindlich in Beziehungen zu leben.
T: Na, das interessiert
sogar mich, obwohl ich sonst nicht in die Kirche gehe. Legen Sie doch mal
los.
F: Viele Leute sehnen sich danach, sie selbst
sein zu können. Keiner, der was fordert, keiner, vor dem sie sich
beweisen müssen. Keiner, vor dem sie sich verstecken müssen.
Aber selbst in den Partnerschaften gelingt das oft nicht. Da geht man schnell
wieder auseinander, wenn es zu anstrengend wird oder sich was Besseres
findet.
T: So geht es mir ehrlich
gesagt auch. Meinen Freund heiraten für ein ganzes Leben, kann ich
mir nicht vorstellen. Wie kann ich wissen, ob wir in 5 Jahren noch zusammen
passen? Aber Sie haben Recht, ich kann mich in unserer Freundschaft auch
nicht ganz fallenlassen.
Was erzählen Sie
denn dann Neues?
F: Ich werde aus meiner Praxis als Psychologin
berichten. Aber eigentlich will ich den Menschen vor allem eins ans Herz
legen:
Kümmere dich um dein
Verhältnis zu Gott. Lebe mit ihm verbindlich, das wirkt sich
auf deine Mitmenschen aus. Dein Leben bekommt von ihm her Inhalt und Ziel.
Und dadurch verliert du die Angst, dich selbst zu verlieren. Lebensfreude
und Lebensmut kann wachsen.
Leider ist der Fahrgast heute noch nicht unter
uns. Wir müssen noch bis zum 1.9.2000 warten, bis uns Professor Dietrich
im Rahmen des Stadtkirchentags 2000 einen Vortrag über die wirklich
wichtigen Dinge im Leben hält. Aber am letzten Sonntag hatten wir
uns ja damit beschäftigt, dass Gott einen Anfang mit uns gemacht hat
und wollen jetzt sehen, was wir aus diesem Anfang machen können.
Was ist Gottes Wille für
mein Leben?
Immer wenn Gott einen Anfang macht, möchte
er uns in Gang setzen um mit ihm weiterzumachen. Dass er uns zuspricht,
Salz und Licht in dieser Welt zu sein, ermutigt uns, diese Qualitäten
zum Ausdruck zu bringen, das Salz nicht im Päckchen zu lassen und
das Licht nicht unter einem Topf zu ersticken. Aber was ist nun Gottes
Wille für mein Leben?
Ist es sein Wille, dass ich keine tragfähigen
Beziehungen mehr eingehe, weil ich Angst habe, mich "falsch" festzulegen?
Ist es sein Wille, dass ich mich von der Gesetzen
meines Arbeitsplatzes in die Knie zwingen lasse, die Achtung vor mir und
anderen verliere, um ja nicht zum Außenseiter zu werden?
Ist es sein Wille, dass ich mich in meiner kleinen
Welt einigele und die Türen zuschließe, um nichts falsch zu
machen und mit nichts Unrechtem in Berührung zu kommen?
Der Wille Gottes für Menschen, die mit
ihm leben wollen, ist Salz und Licht zu sein. Salz und Licht geben sich
her um etwas zu bewirken. Salz und Licht haben eine Botschaft an die Welt.
Salz und Licht verändern die Welt.
Heute wollen wir uns mal darauf stoßen
lassen. Jesus sagte zu diesem Thema auf dem Berg zu den Leuten, die mit
ihm gekommen waren:
Matthäus 5,17-20
"Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz
und die Weisungen der Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht
gekommen, um sie außer Kraft zu setzen, sondern um ihnen volle Geltung
zu verschaffen. Ich versichere euch: Solange Himmel und Erde bestehen,
wird kein i-Punkt und kein Komma im Gesetz gestrichen. Das ganze Gesetz
muss erfüllt werden. Wer also ein noch so unbedeutendes Gebot für
ungültig erklärt und die Menschen in diesem Sinne lehrt, wird
in der neuen Welt Gottes den letzten Platz einnehmen. Wer es aber befolgt
und andere dazu anhält, wird in der neuen Welt Gottes hochgeachtet
sein. Ich sage euch: Ihr werdet niemals in Gottes neue Welt kommen, wenn
ihr seinen Willen nicht besser erfüllt als die Gesetzeslehrer und
Pharisäer."
Jesus sagte das zu Juden. Sie kannten den Gott
Israels. Sie kannten seine Gebote und waren dazu erzogen, nach diesen Geboten
zu leben. Aber sie hatten inzwischen vergessen, wozu diese Gebote gut waren.
Sie hatten oft mehr Ehrgeiz, sich an ihnen vorbei zu mogeln, als sie als
gute Ordnungen zum Leben zu befolgen. Diese Leute lernten Jesus kennen.
Sie hörten von ihm, dass der himmlische Vater unendlich liebt. Dass
er die Herde verlässt, um ein verlorenes Schaf zu suchen und dass
er für dieses Schaf ein Fest feiert. Die Leute fragten sich: Schafft
Jesus die Gebote Gottes ab? Gilt bei Jesus nur noch die Liebe und die Vergebung?
Und ist es damit egal, wie wir Menschen uns untereinander verhalten sollen
- Hauptsache der himmlische Vater hat uns lieb? Jesus sagt ihnen hier:
Der Gott des Alten und des Neuen Bundes ist ein und derselbe. Und sein
Wille für uns Menschen ist auch derselbe geblieben. Er möchte
uns Menschen zum Leben führen. Er möchte, dass wir unsere göttliche
Bestimmung entdecken, Gottes Ebenbilder zu sein. Und er möchte, dass
wir immer bei ihm bleiben und nicht aus der Lebensgemeinschaft mit ihm
herausfallen. Und mit diesem Verständnis gelten auch die Gebote im
Alten wie im Neuen Bund. Sie sind Lebenshilfe, oft auch Warnschild vor
dem Abgrund, in den wir stürzen könnten. Die Gebote wollen uns
helfen, den Willen Gottes zwischen allen Stimmen dieser Welt wahrzunehmen.
Wir hören auch heute morgen auf dem Neuenhainer
Berg die Worte Jesu. Und eigentlich sind es unbequeme Worte. Fast so unbequem
wie die Fahrstunde, wenn wir den Führerschein machen. Auch da würden
wir uns ja am liebsten gleich ins Auto setzen, ein bisschen ausprobieren
und dann gleich losfahren. Aber statt dessen müssen wir lästige
Theorie pauken, Überlandfahrten absolvieren usw. Erst später
merken wir die Vorteile der Fahrstunde, dass wir vor Gefahren sehr eindringlich
gewarnt wurden und so lernen mussten, uns auch in kritischen Situationen
verkehrsgerecht zu verhalten. Jesus führt uns hier ein in die Nachfolge
wie ein Fahrlehrer seine Fahrschüler. Und jetzt sind wir in der Theoriestunde
und hören, dass nach wie vor die Verkehrsregeln für unser Leben
gelten. Wir werden aufmerksam gemacht, dass diese Regeln in unserer Umgebung
weithin unbekannt geworden sind und wir mit unserem Führerschein in
Sachen Christusnachfolge diese Regeln weiterzugeben haben.
Voraussetzung: Gottes Bund
mit mir
Hier die erste Lektion. Jesus lädt ein Gottes
Willen zu folgen und sein Bundesgenosse zu sein. Gott hat einen Bund mit
uns Menschen geschlossen. Die Bundesschlüsse werden uns gerade im
AT sehr anschaulich beschrieben. Da sagt Gott zu seinem Volk Israel immer
wieder "Ich will dein Gott sein und du sollst mein Volk sein". Mit Jesus
weitet Gott diesen Bund auf alle Menschen aller Völker aus. An Jesus
zu glauben lässt zum Bundesgenossen und zur Bundesgenossin Gottes
werden. Was es bedeutet, im Bundesverhältnis mit Gott zu stehen -
Gott schenkt seine ganze Liebe, sein Vertrauen, er lädt ein zur intensiven
Lebensgemeinschaft. Und er erwartet ein entsprechendes Verhalten: ausschließliches
Vertrauen, Liebe, die sich auch den Mitmenschen gegenüber zeigt und
Barmherzigkeit als Spiegel seiner Barmherzigkeit. Um in diesem Bund zu
leben, müssen wir die Verkehrsordnung beachten. Die Gebote sind eine
Hilfe dazu, kein Zwang um uns zu knechten. So kommen wir wieder zum Gespräch
im Taxi zurück: Kümmere dich um dein Verhältnis
zu Gott. Er hat seinen Bund mit mir durch Jesus Christus geschlossen,
dieser Bund ist mir in der Taufe persönlich zugesprochen. Es ist an
mir, meinen Teil zur Lebensgemeinschaft beizutragen.
Der Bund Gottes ist nicht einseitig, so nach
dem Motto: Gott steht schon immer für mich bereit, egal wie ich mich
verhalte.
Der Bund Gottes ist nicht beliebig, so nach
dem Motto. Ob ich mit Jesus Christus lebe oder einfach an höhere Mächte
glaube, ist gleichgültig.
Der Bund Gottes ist nicht nach außen abgeriegelt,
so nach dem Motto: Dass ich Jesus Christus vertraue, geht niemand etwas
an und ist meine Privatangelegenheit.
Der Bund Gottes ist nicht auf Zeit oder auf
Probe, so nach dem Motto: Solange es mir damit gut geht, bleibe ich dabei,
geht es mir schlecht, suche ich mir etwas Neues.
Es gibt ein Bild in der Bibel für diesen
Bund - die Ehe. So wie wir den Bund Gottes mit uns Menschen verstehen,
so übertragen wir es auch auf die Ehe. Ihr Zentrum ist die gegenseitige
Liebe. Die Ehe kann nicht einseitig funktionieren. Sie kann nicht mit beliebigen
Partnern wachsen. Sie geht kaputt, wenn sie nicht immer wieder Impulse
von außen bekommt. Und sie funktioniert nicht auf Zeit, weil Entwicklung,
Krise und Wachstum einen geschützten Raum brauchen.
Jesus zeigt uns, dass wir in einem Bund mit
Gott stehen und aus diesem Bund Gottes Wille für unser Leben abzulesen
ist.
Folge: Mein Umgang mit
Menschen
Nach
den einführenden Worten zum Verständnis der Gebote Gottes als
Lebenshilfe wird Jesus sehr konkret. Er führt in den sogenannten Antithesen
aus, wie die Gebote als Hilfe zum Leben mit Gott verstanden werden müssen.
Er spricht nicht davon, dass nur einzelne diese Regeln zu befolgen haben
und er lässt auch nicht auswählen, welches Gebot denn vielleicht
zu uns am besten passen würde. Er formuliert unmissverständlich
und verschärft die alttestamentlichen Gebote noch.
Jetzt ist nicht allein der Mord gegen Gottes
Willen, sondern schon die Gedanken, die in diese Richtung gehen. Jetzt
ist nicht allein der Ehebruch gegen Gottes Willen, sondern schon die Gedanken
dazu. Jetzt ist nicht allein der Meineid gegen Gottes Willen, sondern schon
die Notwendigkeit zu schwören. Nicht allein die maßlose Rache,
sondern schon die pure Vergeltung ist gegen Gottes Willen und so wird uns
in einer letzten Steigerung die bedingungslose Liebe zum Feind als Gott
gemäßes Verhalten gezeigt. Gerade Jesu Verschärfung macht
allerdings deutlich: Kein Mensch kann je das Gesetz in dieser Form halten.
Spätestens an unseren Gedanken und unserem Unterbewussten werden wir
alle schuldig. Heißt das nun, dass wir doch wieder tun und lassen
können, was wir wollen, weil keine Forderung erfüllbar ist?
Der Weg Jesu
Wir können uns in den Bund Gottes nicht
einkaufen, nicht durch perfektes Verhalten oder durch eine reine Weste.
Keine der Lebensregeln können wir aus eigener Kraft erfüllen.
Wir treten in den Bund mit leeren Händen. Täglich sind wir darauf
angewiesen, dass unsere leeren Hände gefüllt werden. Das Zentrum
des Bundes, Gottes vorbehaltlose Liebe und Annahme, durchdringt uns und
leitet uns an, unser Leben zu ordnen. Aus der verbindlichen Lebensgemeinschaft
mit Gott und Jesus Christus wächst eine neue Gemeinschaft mit unseren
Mitmenschen. In aller Unvollkommenheit machen wir uns auf den Weg, selbst
verbindlich und von der Liebe bestimmt zu leben. Dabei gibt es nicht schwarz
oder weiß, sondern jede Menge Grautöne. Motiviert von Gottes
Verhalten uns gegenüber geben wir uns nicht mit dem Ist-Zustand zufrieden.
Wir tragen im Herzen eine Zielvorstellung, wie es nach dem Willen Gottes
sein müsste. Wenn die Rachegedanken nach einem Streit ins Uferlose
wachsen, dann ist da das Bild im Herzen von dem Mann, der die Backe hinhält,
um sich darauf schlagen zu lassen. Und dieses Bild verändert die Rachegedanken,
mildert sie ab, setzt sie in Gottes Perspektive und weist uns zu Jesus,
der unseren Zorn abnehmen will. Wenn in einer Ehe die Fluchtgedanken stärker
werden und alle Liebe tot zu sein scheint, dann leuchtet im Herzen das
Bild von Gottes liebevollen Werben um sein Volk auf und wirkt wie ein Rettungsring,
beieinander zu bleiben und auch noch die letzte Chance zu ergreifen, einander
wieder zu gewinnen.
Die große Chance,
die Jesus uns auftut:
Mit seiner Kraft können wir als Bundesgenossen
Gottes an seiner Liebe teilhaben und unser Leben danach ausrichten. Seine
Lebensregeln sind keine Zwangsjacke, die in unwürdigen und zerstörenden
Beziehungen festhält. Aber sie gewähren Schutz, alles Erdenkliche
zu tun, um den Bund aufrecht zu erhalten. Jesus ist Zentrum der Lebensregeln,
von ihm her haben sie Sinn. Denn er möchte unser Leben gestalten und
uns helfen, den Willen Gottes zu tun.
Und so kommen wir zur Taxifahrt am Anfang zurück.
Das Wesentliche in unserem Lebenswandel und den Schwierigkeiten mit den
Mitmenschen ist: Kümmere dich um dein Verhältnis
zu Gott. Wie er verbindlich zu dir steht, so stehe du verbindlich
zu den Menschen, die dir anvertraut sind und denen du auf deinem Weg begegnest.
Die Fahrschule, das Leben mit Jesus, weist auf die kritischen Punkte hin.
Es ist gut, wenn wir die Hausaufgaben machen und mit Kopf und Herz dabei
sind. Denn schließlich heißt das Motto "Mach was draus, dass
du Salz und Licht der Welt bist".
Cornelia
Trick
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