Lebenshilfe (2.Mose 20,1-3)
Gottesdienst am 29.09.2013 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
vor einigen Tagen saß ich beim Frisör. Wir unterhielten uns munter über Alltagsdinge, kamen  über Autostrecken im Taunus auf Blitzeranlagen, die wir uns als heiße Tipps weitergaben. Denn Blitzer sind schon zahlreich und sehr versteckt auf diesen Straßen hier. Nach ein paar Minuten hielten wir inne: Wozu gab es eigentlich die Blitzer? Um uns zu ärgern und Geld abzuknöpfen oder aus Sicherheitsgründen, dass Menschen auf diesen kurvenreichen und oft schlecht einsehbaren Straßen nicht zu Schaden kommen? Sind die Blitzer nicht auch zur Sicherheit für uns selbst aufgestellt? Verrückte Welt, dass wir größtes Interesse haben, unsere Sicherheit zu gefährden und schneller zu fahren als es die Straßenlage zulässt. Und wohlbemerkt, weder meine Frisörin noch ich sind Formel 1-Fahrerinnen.

Wenn wir die 10 Gebote Gottes anschauen, kann es uns ganz ähnlich gehen. Statt sie als Hilfestellung für unser Leben zu begreifen, versuchen wir ihnen auszuweichen und Schlupflöcher zu finden.

Gott gab die 10 Gebote dem Volk Israel in der Wüste direkt. Alle anderen Gebote ließ er das Volk durch Mose wissen. So können wir heute diese 10 Lebenshilfen auch als direktes Wort Gottes an uns begreifen, alles, was sich daraus ergibt, ist in die jeweilige Zeitgeschichte eingebetet und durch Menschen vermittelt.

Wenn wir heute wie das Volk damals die 10 Gebote hören, so stehen wir doch praktisch nur mit einem Bein in der Wüste von damals. Mit dem anderen Bein stehen wir vor Jesus und empfangen Gottes Gebote aus seiner Hand. Er zeigt uns, welcher Gott uns da Lebenshilfe und Lebensregeln geben will. 

2.Mose 20,1-3

Und Gott redete alle diese Worte:
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

„Ich bin der Herr“

Bevor Gott an uns Menschen appelliert, stellt er sich selbst vor. Er zeigt sich seinem Volk und damit auch uns als Befreier aus der Sklaverei in Ägypten. Die ägyptischen Sklavenhalter hatten die Israeliten im Griff. Sie zwangen die Israeliten, Steine auf die Pyramiden zu schleppen, sie peitschten sie aus, raubten ihnen die Freiheit und jegliche Lebensperspektive. Gott hatte die Menschen aus der Sklaverei herausgerissen. Er zeigte mit einer Wolken- und Feuersäule, die dem Volk voranging, den Weg in die Freiheit. 

Doch ließ das Volk sich willig in die Freiheit führen? Schon bald erhob sich Widerstand. Man sehnte sich zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens, die es so nie gegeben hat. Aber in der verklärten Rückschau wurde offensichtlich dünne Lauchsuppe zu Rinderbraten. Man wurde sogar Mose gegenüber aggressiv. Hatte der das Elend in der Wüste nicht erst herbeigeführt? 

Gott verwendet seinem Volk gegenüber kurz vor den 10 Geboten ein sehr eindrückliches Bild: Ein junges Adlerkind schaut über den Nestrand im Adlerhorst. Es traut sich und lässt sich über die Kante fallen um zu fliegen. Doch schnell verliert es die Kontrolle, gerät ins Trudeln und stürzt den Felsen entgegen. Der Adler sieht sein Junges im freien Fall, stürzt sich auf es, greift im letzten Moment das Junge und bringt es sicher ins Nest. Dieses Bild verwendet Gott, um sein Handeln in der Wüste zu beschreiben. Das Volk ist widerspenstig. Statt sich von Gott leiten zu lassen, versucht es sein eigenes Ding zu drehen. Es befindet sich im freien Fall. Außerhalb von Gottes Leiten wird es umkommen. Eine Rückkehr nach Ägypten würde den sicheren Tod bedeutet. Gott greift nach seinem Volk, denn er liebt es. Er will es zurück holen, ihm Hilfe geben, dass es nicht mehr in Gefahr kommt. Dafür sind die 10 Gebote da. Sie ermöglichen die Freiheit und ein Bleiben in Gottes Obhut.

Verlagern wir nun das Gewicht auf unser anderes Bein. Jesus Christus führt uns nicht aus Ägypten, diese geschichtliche Epoche ist seit vielen Jahren Vergangenheit. Aber er rettet uns aus einer anderen Sklaverei, der der Sünde, einem Leben ohne Gott. Er rettet uns aus einem Leben, das keinen Zugang zur Quelle der Kraft hat und innerhalb der menschlichen Möglichkeiten bleibt. Er bewahrt uns, dass wir uns nicht mit Mächten und Gewalten verbinden, die uns schaden, statt uns zu helfen.

Jesus kommt nicht als Gebotstafel vom Himmel, sondern als Mensch wie du und ich. Er fängt uns auf, indem er sich unter uns legt. Er stirbt für uns, damit wir leben und überleben. In Jesus stellt sich uns Gott vor: Er holt uns heraus aus allem, was uns versklavt und schenkt uns Freiheit zum Leben, Lieben, Atmen und Handeln nach seinem Willen.

„Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“

Vor einigen Jahren gab es bei der Bibelübersetzung ins Deutsche neue Erkenntnisse. Man fand heraus, dass der hebräische Ausdruck für „du sollst!“ auch mit „Du wirst“ übersetzt werden kann. Naheliegend ist, dass der, der aus einem sicheren Sturz in den Abgrund gerettet wurde, beim Retter bleiben wird. Denn wer bei einem Arzt eine lebensrettende Erfahrung gemacht hat, wird bestimmt nicht zu einem anderen Arzt wechseln. Von daher ist klar, wer den Herrn als Befreier aus der Sklaverei kennengelernt hat, wird niemand anderem vertrauen. Die Lebenserfahrung gibt allerdings dem „Du sollst“ Recht. Die Erfahrung der Rettung verblasst schnell. Das Volk Israel baute sich ein Goldenes Kalb, das Sichtbare ist oft lauter, als Gottes Werben. Auf den Straßen sind Temposchilder stets als Verbotsschilder mit rotem Rand gekennzeichnet, denn die Wenigsten würden 30 fahren bei einem blauen Temposchild. Obwohl klar ist, dass die Begrenzung zu unserem Besten ist, wollen wir lieber das Tempo und die Richtung unseres Lebens selbst bestimmen. Abhalten lassen wir uns davon meistens nur von einem „du sollst oder du sollst nicht“.

Gott hat keine Angst vor Götzen, Jesus fürchtet keine Konkurrenz. Gottes Liebe zu uns, wie Jesus sie uns gezeigt hat, ist von niemand zu toppen. Aber Gott sorgt sich um uns. Wo wir meinen, die vollständige Kontrolle zu haben, merken wir nicht, wie wir unter die Kontrolle anderer Mächte geraten. Wie leicht wird aus dem Satz: „Ich habe Arbeit“ der Satz „Die Arbeit hat mich“. Wie leicht wird aus Spaß Abhängigkeit, richten wir unseren Terminkalender nicht mehr nach dem, was dran ist, sondern nach dem, was uns beherrscht. 

Vielleicht warten Sie jetzt darauf, dass ich ein paar typische Götzen aufzähle. In der alten Kirche nannte man z.B. drei Kategorien: Die Welt, die Menschen und das Ich. Doch zum Götzen kann uns alles werden, das uns unfrei macht, getrieben, ohne Kraft und mit unbefriedigenden Ergebnissen zurücklässt. Auch kirchliche Arbeit kann zum Götzen werden. Mitarbeiter meinen, dass es ohne sie nicht gehe. Ohne Freude und mit viel Bitterkeit gegenüber anderen erfüllen sie ihre Arbeit, scheinbar im Auftrag Gottes. Doch Jesus lädt sie vielleicht ein, sich einfach mal untätig hinzusetzen und seine Liebe zu tanken, damit ihr Blick wieder dafür frei wird, was er ohne sie schon tut.
Keine und keiner von uns ist frei von den Attacken „unserer“ Götzen. Wir müssen ihnen selbst auf die Spur kommen oder Menschen, die uns nahe stehen, bitten, uns dabei zu helfen. Das ist nötig, weil wir sonst mit Sicherheit abstürzen.

Therapie gegen Götzen

Gott zu lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und von ganzem Gemüt gibt Jesus uns im Doppelgebot der Liebe auf, das das 1.Gebot ausführt. Die Liebe zu Gott festigt und stärkt und lockert auf der anderen Seite alle Verbindungen zu Götzen. 

Liebe zu Gott ist nicht einfach ein Gefühl wie bei Verliebten in Hollywood-Filmen, sondern beginnt in den Gedanken. Sie können wir zum Himmel schicken, mit Jesus reden, unseren Alltag mit ihm in Verbindung bringen, die Leerzeiten mit ihm füllen und über ihn reden.

Sind unsere Gedanken auf Gott ausgerichtet, werden unsere Gefühle folgen. Durch unsere Gedanken wächst Verbundenheit. Wir fühlen uns geborgen, geschützt, zuhause und am Ziel. Wir wissen uns auch in schwierigen und kritischen Zeiten aufgehoben. In den gefühlsarmen Zeiten können wir Erinnerungen hervorholen, als wir uns Gott ganz nahe wussten. Das führt uns wieder in seine Nähe.

Aus Gedanken und Gefühlen wachsen Taten. Alle anderen neun der 10 Gebote sind Taten, durch die sich die Liebe zu Gott äußert. Wer mit Gott eng verbunden ist, braucht keine Bilder von Gott, die ihn und sein Handeln auf unsere Perspektive einschränken. Sein Name wird respektiert und nicht in Sklavengeschäfte hineingezogen. Das wäre wie die Unterschrift zu fälschen. Die Liebe zu Gott wird sichtbar in der Liebe zum Nächsten. Ihn gilt es zu schützen und vor Übergriffen zu bewahren. Jesus fügt im Doppelgebot der Liebe noch die Liebe zu uns selbst hinzu. Weil Jesus uns im freien Fall aufgefangen hat, werden wir uns nicht versklaven lassen oder unser Leben wegwerfen. Es ist wertvoll, weil es für Jesus wertvoll ist. 

Blitzer liebe ich nicht. Sie bedrohen mich meistens, wenn ich die Strecke zum ersten Mal fahre. Aber ich sehe ein, zu meinem und Ihrem Wohl sollte ich mich an Tempo 30, 50 oder 80 halten.

Gott gibt uns seine Lebensordnungen zu unserem Besten. Er hat alles dafür getan, dass wir ihm vertrauen. Jesus hat die Lebensordnungen mit dem Doppelgebot der Liebe wieder aufgenommen und Gottes Anspruch auf unser Leben nachdrücklich bekräftigt. Wir wären verrückt, wollten wir wieder in unser „Ägypten“, in die Sklaverei. 

Blitzer im Glaubensleben gibt es – Gott sei Dank – nicht. Aber der Heilige Geist greift uns manchmal ins Lenkrad und stößt unseren Fuß vom Gaspedal. Lassen wir ihn ran an unser Leben, es ist zu unserem Besten.

Cornelia Trick


Home


Verantwortlich Dr. Ulrich Trick, Email: ulrich@trick-online.de
Internet-Adresse: http://www.predigt-online.de/prewo/prewo_lebenshilfe.htm