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Gottesdienst am 1.5.2016
in Brombach
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
der erste Mai fällt
dieses Jahr auf einen Sonntag. Arbeitnehmer stöhnen: ein Feiertag
weniger. Was hätte man doch an diesem zusätzlichen freien Tag
alles machen können, die Wohnung renovieren, wegfahren und eine Auszeit
nehmen, ins Grüne gehen und das Maigrün in die Seele aufnehmen.
Manche hat das Gefühl, bestohlen worden zu sein. Vielleicht ist das
Zusammenfallen des Tags der Arbeit mit dem Sonntag aber auch eine gute
Gelegenheit für Christen, die Verbindung von Arbeit und Gott zu betrachten.
So kann der Glaube in den Arbeitsalltag hineinwirken und ihn verändern.
Dabei habe ich alle Arten von Arbeit vor Augen, die bezahlte, die ehrenamtliche
und die tägliche Arbeit, die jede und jeder von uns zu tun hat.
Gott und Arbeit in der
Bibel
Arbeit gehört nach
biblischem Zeugnis zu unserem Leben. Adam und Eva bekamen im Paradies eine
Arbeitsanweisung. Sie sollten den Garten bebauen und für ihn sorgen.
Der Garten Eden musste gepflegt werden, das übernahm keine externe
Gartenbau-Firma. Am Abend eines jeden Tages war Ausruhen angesagt. Da kam
Gott zu Besuch, lief durch den Garten und redete mit Adam und Eva wahrscheinlich
über ihre Tageserlebnisse, vielleicht über den Ertrag der Bäume
und des Ackers und die weiteren Planungen. Eine Art Dienstbesprechung zwischen
Gott und seinen Menschen.
Nach dem Sündenfall
änderte sich nicht die Arbeit, weiterhin waren sie als Bauern tätig,
sondern die Bedingungen, unter denen Adam und Eva nun arbeiten mussten.
Dornen und Disteln wuchsen nun auf dem Feld, und Steine mussten nun schweißtreibend
aus der Erde geholt werden.
Arbeit, so lernen wir es
auf den ersten Seiten der Bibel, ist für uns Menschen selbstverständlich.
Wir haben unsere Fähigkeiten bekommen, um sie tun zu können.
Wir brauchen Arbeit. Sie gibt uns Sinn und einen Rahmen für unseren
Alltag. Sie fordert uns, dass wir uns entwickeln können. Auf der Couch
würden wir verkümmern. Sie lässt uns Teamwork lernen, denn
manches können wir nicht allein bewegen. Wir spüren, dass wir
auf andere angewiesen sind und Ergänzung brauchen. Arbeit ist gut
für unsere Welt. Mit ihr gestalten wir sie.
Doch wir sehnen uns zurück
nach Paradies-Arbeit: Pflanzen in lockerem Boden, Fische fangen ohne frustrierende
leere Netze wie bei Petrus. Wir wollen Früchte unserer Arbeit ernten,
nicht Dornen und Disteln beackern. Wir wollen in einem gut funktionierenden
Team arbeiten, nicht in tödlicher Konkurrenz wie Kain und Abel. Wir
wollen am Abend eines Arbeitstages von Gott gelobt werden und nicht von
ihm hören, dass wir es mal wieder mit der Arbeit an der falschen Stelle
übertrieben haben wie Martha im Gegensatz zu ihrer SchwesterMaria.
Arbeit, so eine alte Vorstellung,
ist ein Karren, den wir hinter uns herziehen. Daher kommt auch unser Ausdruck
„Karriere“. Wir ziehen die Arbeit hinter uns her, manche steil nach oben,
dann sagen wir: „Der hat Karriere gemacht.“ Und das ist eine sehr schweißtreibende
Angelegenheit. Manchmal auf recht ebener Bahn, dann reden wir von einer
Karriere, die nicht so richtig zum Fliegen kommt. Manchmal auch bergab,
dann hängt uns die Arbeit in den Fersen und treibt uns dem Abgrund
zu.
Welche Rolle spielt nun
Gott dabei? Ist er unser Arbeitgeber, der uns sagt: „Zieh deinen Karren
immer weiter und höre ja nie damit auf“ oder ist er unser Vater im
Himmel, der uns väterlich und mütterlich als seine Kinder liebt?
Ist er wie Eltern zu ihren Kindern, wird er wollen, dass wir unser Leben
eigenverantwortlich führen und Freude bei der Arbeit haben, weil sie
unseren Gaben und Möglichkeiten entspricht. Er wird uns nicht als
seine billigen Arbeitskräfte sehen, die seine Wünsche erfüllen.
Gott liebt uns, und er schenkt uns Arbeit, weil er weiß, dass wir
sie brauchen. Der Arbeits-Karren, den wir hinter uns herziehen, soll uns
nicht in den Abgrund schieben und auch nicht zum Herzinfarkt führen.
Er ist eher ein Anhänger voller Blumensamen, die wir auf unserem Lebensweg
verteilen können, egal, ob der Lebensweg nach oben führt oder
durch manche Schluchten.
Wir müssen dazu nicht
alle Sozialarbeiter oder Sozialarbeiterinnen werden, obwohl das natürlich
ein idealer Beruf ist, um Gottes Liebe in diese Welt zu säen. Es braucht
für dieses Säen alle mögliche Arbeit und sehr viel unbezahlte
Arbeit, allen voran die Familienarbeit.
Gott lässt uns mit
unserem Karren nicht orientierungslos auf den Wegen des Lebens umherirren.
Er gibt uns einen Kompass mit, den Jesus im Doppelgebot der Liebe zusammenfasste:
Gott sollen wir lieben und unsere Nächsten wie uns selbst. Daraus
entstehen Anfragen an unser Arbeiten:
-
Dient meine Arbeit Gott? Ehrt
sie ihn, und freut er sich darüber?
-
Dient meine Arbeit mir selbst?
Kann ich mich in die Richtung entwickeln, die Gott mit mir vorhat? Lockt
sie Gutes aus mir hervor? Hilft sie mir, meinen Platz in der Gesellschaft
einzunehmen?
-
Dient die Arbeit meinen Nächsten?
Wer hat etwas von meinem Arbeiten?
Zum Geldverdienen arbeitete
ich einige Monate in der Waschküche eines Pflegeheims. Rückblickend
stelle ich diese drei Fragen an meinen Job damals und bekomme Antworten.
Ja, die Arbeit ehrte Gott. Ich hatte manche Gespräche über ihn
mit Kolleginnen. Ich hatte Zeit für meine ehrenamtlichen Aufgaben
in der Gemeinde, ich konnte mich sinnvoll in Gottes Welt einbringen. Ja,
die Arbeit diente mir. Sie erweiterte meine Fähigkeiten – seitdem
kann ich Hemden zusammenlegen – ungemein. Sie erweiterte auch meine Sozialkompetenz
und ließ mich viele Wochen fröhlich zur Arbeit radeln. Ja, diese
Arbeit diente definitiv meinen Nächsten. Sie bekamen gebügelte
Hemden und saubere Bettbezüge, und die Kolleginnen konnte ich etwas
entlasten.
Das war ein sehr einfaches
Beispiel, an dem die drei Fragen leicht durchzubuchstabieren waren. Aber
auch viel kompliziertere Arbeitssituationen können sich so hinterfragen
lassen. Es hakt da, wo wir mit unserem Arbeiten gegen Gott anrennen, z.B.
indem wir Ruhezeiten missachten, lügen, töten oder in anderer
Weise gegen seine Lebensregeln verstoßen. Es hakt, wo wir gegen uns
selbst arbeiten. Statt uns zu entwickeln, lassen wir uns begrenzen, Schmerz,
Zerstörung und das Gefühl der Ausbeutung sind die Folgen. Es
hakt, wo wir gegen unsere Nächsten handeln zum Schaden für sie.
Ein Bankangestellter erzählte mir, wie er gezwungen war, Kunden möglichst
viele Kapitalanlagen schmackhaft zu machen. Er hielt das nicht aus und
empfand sich zunehmend als Betrüger. Er hat inzwischen die Stelle
gewechselt.
Solche Stolpersteine sind
Alarmsignale. Wir müssen diesen Karren nicht weiterziehen, bis er
uns überrollt. Wir können Gottes Nähe suchen und ihn bitten,
uns vor einen anderen Karren zu spannen, der das enthält, was Gott
säen will.
Eine alte Mönchsregel
der Benediktiner heißt „Ora et labora“ – bete und arbeite. Beide
Pole sind wichtig. Im Beten werden wir eingestimmt auf Gottes Weg für
uns. Er ist die Kraftquelle zum Aushalten und zum Verändern.
Konkrete Verhaltenstipps
– auch für die Arbeit
Römer 12,14-18
Wünscht denen, die euch
verfolgen, Gutes. Segnet sie, anstatt sie zu verfluchen. Freut euch mit
den Fröhlichen und weint mit den Traurigen. Seid alle miteinander
auf Einigkeit bedacht. Strebt nicht hoch hinaus, sondern haltet Gemeinschaft
mit den Verachteten. Verlasst euch nicht auf eure eigene Klugheit. Wenn
euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze
heim. Seid darauf bedacht, vor den Augen aller Menschen bestehen zu können.
So weit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden.
Dieser Abschnitt gibt Verhaltenstipps
für den Umgang in der Gemeinde und der Gemeindeleute mit ihrer Umgebung.
Von daher scheint es erlaubt, diese Vorschläge auch auf die konkrete
Arbeitswelt zu beziehen.
1 In Konfrontation segnen
Harte Verhandlungen, Ungerechtigkeit,
man fühlt sich über den Tisch gezogen, wer kennt da nicht den
Impuls zu kündigen oder dreinzuschlagen. Hier wird uns anbefohlen
zu segnen. Wir sollen unsere Kontrahenten Gott anbefehlen. Wir können
Gott zutrauen, dass er Herzen wandelt und Wege erschließt. Vielleicht
sollen wir in diesem Arbeitsumfeld bleiben und aushalten, vielleicht uns
dort für Veränderung stark machen. Vielleicht sollen wir gehen.
Auf Gottes Signale gilt es zu achten. Auf keinen Fall sollten wir persönlich
in den Rache-Feldzug ziehen. Für Gerechtigkeit zu sorgen, ist Gottes
Sache. Voraussetzung des Segnens ist, Segen von Gott zu empfangen. Das
geht nur – bildlich gesprochen – an der Ladestation unserer Gottesbeziehung,
dem Gebet.
2 Im Miteinander einfühlend
sein
Mitfreude und Mittrauern
bedeutet, wir nehmen am persönlichen Ergehen unserer Kollegen, Kolleginnen
und Nachbarn Anteil. Welcher Kollege braucht uns gerade? Wem können
wir die Tür öffnen, dass Gottes Liebe ihn erreichen kann? Wen
können wir so begleiten wie Jesus die Emmausjünger, als sie voller
Trauer von dem gekreuzigten Herrn erzählten?
3 Bei der Arbeit mit gutem
Beispiel vorangehen
Bei jeder Arbeit, ob zuhause,
im Beruf oder im Miteinander, gibt es Arbeiten, die undankbar sind. Bei
einer Freizeit, an der ich mehrfach teilnahm, ist es der Küchendienst.
Jeder muss da mal mitmachen, nur die Leiter nicht. Ja, kann man sagen,
die arbeiten ja sonst immer. Aber für die Gruppe ist das das Signal,
die sind sich dafür zu schade. Wir drücken uns auch, wo wir können.
Welche undankbaren Aufgaben gibt es bei Ihrer täglichen Arbeit? Was
wäre, wenn Sie die gerne täten, bevor eine andere sich dazu aufraffen
kann?
4 Sich nicht auf die eigene
Kompetenz verlassen
Johann Sebastian Bach
signierte alle seine beeindruckenden Kompositionen mit dem Kürzel
SDG, Soli Deo Gloria, Gott allein die Ehre. Er brachte damit zum Ausdruck,
dass nicht er sich den Ruhm auf die Brust heftet, sondern ihn Gott weiterreicht.
Wir können nicht jeden Arbeitserfolg mit SDG signieren. Aber wir können
einen kleinen Dank zum Himmel schicken: „Danke, dass Du das möglich
gemacht hast. Danke für Deine Unterstützung.“ Das gilt nicht
nur für die geschafften Projekte, sondern auch im Vorfeld, denn in
jeder Herausforderung steckt die Bitte: „Lass dieses Projekt Hinweis auf
Dich sein und zeig Deine Größe!“
5 Gleiches nicht mit Gleichem
vergelten
Wie leicht lassen wir
uns in die Spirale Wie-du-mir-so-ich-dir hineinziehen. Jemand redet schlecht
über mich, und ich verbreite das bei allen meinen Kollegen. Stattdessen
wäre es besser, das schlechte Gerede zu ignorieren, dem Verursacher
freundlich zu begegnen und im stillen Kämmerchen meinen Ärger
mit Gott zu besprechen. Da nämlich wird die Wut verpuffen, und langsam
werden sich Wege des Friedens zeigen.
6 Mit allen in Frieden
leben
Natürlich können
wir nicht mit jemand im Frieden leben, der Streit will. Aber wir können
auf manche Spitze mit Humor reagieren. Der andere hat vielleicht einen
schlechten Tag, oder sie hat Probleme zu Hause und lässt sie an mir
aus. Ich kann darüber stehen, denn der Friede bei der Arbeit ist wichtiger
als dass ich recht habe. Manchmal hilft der Spiegel-Test. Ich schaue in
den Spiegel und frage mich: „Wäre ich gerne meine Kollegin? Bin ich
denn freundlich, berechenbar, verlässlich, verschwiegen, hilfsbereit
und teamfähig?“ Und wenn ich merke, dass es da durchaus noch Luft
nach oben gibt, kann ich an mir arbeiten und so meinen Beitrag zum Frieden
leisten.
Gott und Arbeit stehen
in Beziehung. Wir sollten nicht Sonntagabend einen Taucheranzug anziehen
und die Woche über versuchen, unseren Glauben möglichst trocken
ins nächste Wochenende zu retten. Das wäre schade. Denn der Alltag
will von unserem Glauben durchdrungen werden. Wir wachsen an den Herausforderungen.
Wir haben Jesus und seine Kraft nötig, und wir freuen uns, wenn wir
Früchte ernten können, die auf Gott hinweisen.
Cornelia
Trick
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