Für dich!
Einsegnungsgottesdienst am 09.05.2002 

Liebe Jugendliche, liebe Gemeinde, liebe Freunde,
vor einiger Zeit lief ein Kinofilm, der von einer Flaschenpost handelte. Catherine fand beim Joggen am Strand eine verkorkte Flasche mit einem Liebesbrief. Sie ließ nicht locker, bis sie den Schreiber endlich gefunden hatte. Doch nach Irrungen und Wirrungen stellte sich heraus, dass seine Liebesbriefe seiner toten Frau galten, die er nicht vergessen konnte. Er war unfähig, zu Catherine eine Liebesbeziehung aufzubauen. Sie hatte zwar seine Briefe gefunden. Aber die Adresse stimmte nicht. Und so halfen auch die tollsten Briefe nichts.

Daniel ist eben während des kleinen Theaterstücks auch am Strand entlang gegangen. Er erzählte seinen Freunden von seiner verkorksten Schulsituation, seiner Angst vor dem Sitzenbleiben und seinen strengen Eltern. Mitten im Reden finden sie eine Flaschenpost Flaschenpostund lesen den Brief, der in der Flasche steckt. Es ist auch eine Art Liebesbrief, sogar mit richtiger Adresse. Es kann kein Irrtum aufkommen. Wer so auf Daniels Themen eingeht, dem liegt etwas an Daniel persönlich.

Heute feiern wir das Fest der Einsegnung. Es ist Abschluss und Höhepunkt von zwei Jahren Kirchlichem Unterricht, in dem ihr viel gelernt habt über Glauben und Bibel, in dem wir aber auch viel erlebt haben mit Jesus und seiner Hilfe in ganz konkreten Situationen.

Dieser Tag nun ist eine Art Flaschenpost. Jesus will euch segnen durch seinen Heiligen Geist. Jesus geht auf euch ein und spricht zu euch. Ihr habt euch Worte aus der Bibel selbst ausgesucht oder aussuchen lassen, die euch an dieser Station wichtig sind. Es sind Worte, mit denen Jesus zu euch spricht und die er euch mitgibt für die nächste Etappe. Alle drei Bibelverse handeln vom Weg, vom Lebensweg und den Schritten, die man auf dem Weg geht. Wie ihr unterwegs seid auf dem Weg, so sind wir es als Gemeinde auch. Wir haben eine Flaschenpost auch immer wieder nötig als Ermutigung und Wegweisung. Eine gute Gelegenheit, uns eure Sprüche selbst zu Herzen zu nehmen. Sie passen gut zueinander und ergänzen sich. Die Themen sind

  • die Erfahrung, dass Gott hilft und die Bitte, dass das so bleiben soll,
  • die Bitte, dass Gott auch bei Problemen den Weg ebnet, den er mit uns gehen will,
  • die Antwort Gottes: "Bleib du aber auf meinem Weg, dann wirst du Großes erfahren!"
Psalm 25,5
Schritt für Schritt lass mich erfahren, dass du zuverlässig bist. Du bist der Gott, der mir hilft, du warst immer meine einzige Hoffnung.

Zuerst bin ich beeindruckt vom Vertrauen des Psalmbeters. Er redet von Gott als seiner Hilfe und einzigen Hoffnung. Er blickt in die Vergangenheit und kann da offensichtlich viel von Gott entdecken. Wie der Psalmbeter so bekennen wir uns auch zu Gott als unserer Hilfe. Für uns Christen ist diese Hilfe in Jesus Christus Mensch geworden. Jesus ist unser Helfer und steht an unserer Seite.

Ältere, die schon lange Jesus vertrauen, erzählen manche Begebenheiten, wo sie Jesus ganz persönlich erlebt haben. Sie nennen Zeiten der Krankheit, der Not, Zeiten der beruflichen Unsicherheit und akuter Bedrohung. Sie können faszinierende Geschichten von Hilfe und Rettung erzählen. Doch wenn man mit Jesus erst anfängt, vielleicht 14 oder 15 Jahre auf dem Buckel hat und noch keine tiefen Lebenskrisen durchgemacht hat, ist das Plus- Konto mit Glaubenserfahrungen noch nicht so reich gefüllt. Da gibt es einzelne Ereignisse, wo Jesus da war. Eine Operation, die gelungen ist und Heilung bedeutete, Klassenarbeiten, die eindeutig besser ausfielen als befürchtet, Erlebnisse mit anderen jungen Christen, die froh gemacht haben. Diese größeren und kleinen Erfahrungen sind wichtig, auch wenn sie noch nicht so reichlich sind. Sie sind Zeichen, dass Jesus da ist, dass er Hilfe ist und manchmal wirklich die einzige Hoffnung ist.

Daraus ergibt sich die Bitte, dass die Verbindung mit Jesus immer stärker wird und das Vertrauen Schritt für Schritt wächst. Was bedeutet es, dass Jesus zuverlässig ist? Er ist Freund und hält sich an Verabredungen. Er ist auf Empfang, sein Handy ist an. Doch der zuverlässigste Freund hilft nicht, wenn man ihn nicht helfen lässt und es gar nicht erst ausprobiert.

Stellen wir uns vor, der Freund steht zuverlässig an der Bushaltestelle, wo wir uns mit ihm verabredet haben. Er wartet geschlagene zwei Stunden. Aber wir haben den Termin völlig verschlafen. Am nächsten Tag erzählen wir anderen, wie wenig zuverlässig doch der Freund sei, den ganzen Tag hätte er sich nicht um uns gekümmert ... dabei stand er doch an der Haltestelle und erwartete uns. Oder eine andere Situation. Der Freund sagt uns seine Hilfe zu. Sein Handy ist Tag und Nacht an und sobald wir ihn brauchen, sollen wir uns melden. Aber so ein Pech, da brauchen wir den Freund wirklich, haben aber dummerweise seine Handynummer verlegt - oder, was mir meistens in solchen Fällen passiert, der Akku des Handys ist leer. Der Freund wartet zuverlässig auf den Anruf, was wir leider nicht nachprüfen können, weil wir unsererseits die Verbindung nicht herstellen können. Noch eine dritte Situation. Der Freund ist ein Französisch- Ass. Er lernt mit uns für die nächste Franz- Arbeit. Wir gehen mit ihm den Stoff von Lektion 5 durch. Alles ist gelernt, aber die Arbeit geht dann doch total daneben. Wir haben nämlich nicht bemerkt, dass wir mittlerweile bei Lektion 6 angekommen sind und haben so das Falsche gelernt. Wer kann nun was dafür? Etwa der Freund?

Deshalb ist es so wichtig, selbst Schritt für Schritt mit dem zuverlässigen Freund zu gehen. Er wartet darauf, dass wir auf ihn zukommen, ihn entdecken wollen, ihn in die großen und kleinen Geheimnisse unseres Lebens einweihen. Schritt für Schritt, das sind dann nicht immer die ganz großen Erfahrungen, die wir machen, aber viele kleine, die uns bestärken, Jesus ist "für mich" da, er ist mein Freund, er ist wirklich zuverlässig.

Psalm 5,9

Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; ebne vor mir deinen Weg.

Diese Bitte des Psalmbeters erinnert an ein Vertrauensspiel. Zwei sind miteinander unterwegs. Die eine hat die Augen verbunden, während die andere sie leitet. Der Parcour ist schwierig. Es geht über Stühle und unter Tischen durch, es geht über weichen Boden und spitzige Steine. Manche Paare geben unterwegs auf. Sie harmonieren nicht auf dem Weg. Andere erreichen das Ziel und freuen sich, einander vertraut zu haben.

Doch der Psalmbeter redet hier nicht von einem Spiel, sondern von seinem Lebensweg. Er fühlt sich vielleicht wie einer, dem die Augen verbunden sind. Er weiß nicht genau, wo es hingeht. Er hat Angst, die Orientierung zu verlieren und immer im Kreis oder rückwärts zu gehen. Deshalb wendet er sich an Gott und bittet ihn, ihn an die Hand zu nehmen und zu führen. Nicht irgendwohin, sondern zum Ziel. Ziel ist für ihn Gerechtigkeit, das heißt vor Gott richtig zu sein.

Ich möchte es für uns heute so übersetzen: "Herr, führe mich so, dass ich immer näher zu dir komme, dich immer besser kennen lerne, deine Gebote respektiere und mich daran halte." Und wenn Jesus so führt, dann werden die Feinde schon sehen, dass sie unrecht haben und zu den Verlierern gehören. 

Feinde? Wer ist hier gemeint? Sicher gibt es immer wieder konkrete Leute, die uns zu Feinden werden. Doch meistens sind es keine einzelnen Personen, die wir zu unseren Feinden zählen. Oft sind es Probleme, Lebensumstände, die uns zum Feind werden. Sie bedrohen uns und scheinen uns den Boden unter den Füßen zu entziehen. So wie das beim Theaterspiel am Strand geschehen ist. Das Leben geht nicht immer auf der Sonnenseite weiter. Tiefe Täler und unheimliche Schluchten tauchen urplötzlich auf und bringen uns aus dem Gleichgewicht. Da ist es wichtig, an der Hand Jesu zu gehen. Er führt und lässt nicht los. Er ist gerade auf solchen Wegabschnitten ganz deutlich zu erfahren und macht uns sicher, dass die Bedrohung uns letztlich nichts anhaben kann.

Mit den Worten des Psalmbeters wollen wir uns auch der weiteren Bitte anschließen. Die Zeit in tiefen Tälern und unheimlichen Schluchten, die Berg- und Talfahrt soll nicht ewig anhalten. Jesus kann dafür sorgen, dass nicht alle Steine dieser Welt gerade auf unserem Weg liegen. Wir können ihn bitten, dass er den ebenen Weg für uns wählt. Und immer, wenn wir im Vaterunser beten: "Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen" bringen wir diese Bitte vor. Euch Jugendlichen wünschen wir heute von Herzen, dass der Herr euch vor großen Problemen, Feindschaft und Schmerzen bewahrt.

Noch ein Gedanke steckt in diesem kurzen Satz. Jesus ist keine Dekoration für unseren Weg. Er möchte uns auf seinem Weg führen. Meine Pläne möchte ich mit ihm besprechen, ihn mitreden lassen. Sei es in Fragen der Freundschaft und Liebe, beim Thema Schule und Berufswahl, bei der Suche nach dem Platz in der Gesellschaft, den ich einnehmen will und soll. Da gibt es nämlich ganz schöne Unterschiede. Wäre Jesus nur Deko- Artikel, dann kann ich einfach tun und lassen, wozu ich gerade Lust habe. Und wenn es dann eng wird, wird Jesus schon die Kohlen aus dem Feuer holen. Jesus will uns davor bewahren, nach Lust und Laune falsche Entscheidungen zu treffen, die verletzen können. Es lohnt sich, ihm schon von Anfang an Mitspracherecht einzuräumen. Und wie vorhin gesagt, sein Handy ist Tag und Nacht an.

Sprüche 3,5-6

Verlass dich nicht auf deine eigene Urteilskraft, sondern vertraue voll und ganz dem Herrn! Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg und krönt dein Handeln mit Erfolg.

Auf die Bitte, dass Gott führt und da ist, den Weg ebnet für seinen Plan mit uns, antwortet Gott nun. Er sagt klar und deutlich, was du selbst dazu beitragen kannst, dass Jesus dein Freund ist und bleibt. Es scheint eine fast unmögliche Aufgabe zu sein, den eigenen Verstand auszuschalten. Heißt das nicht, bei der nächsten Klassenarbeit ganz auf Jesus zu vertrauen und den Verstand außen vor zu lassen? Nun, das heißt es natürlich nicht. Gott hat uns unseren Verstand gegeben, damit wir ihn möglichst oft und intensiv einschalten. Aber offensichtlich gibt es einen Missbrauch des Verstandes. Unser Denken ist nicht Gott. Wir können noch soviel lernen, noch so viele Studien treiben, wir werden Gott mit unserem Verstand nicht erfassen können. Im Gegenteil. Wir meinen vielleicht, Gott zu durchschauen, ihn einordnen zu können. Doch er lässt sich von uns nicht in eine Schublade stecken. Er will kein Roboter sein, der unsere Befehle ausführt, uns aber sonst in Ruhe lässt. Er möchte Einfluss auf unser Leben nehmen, uns verändern, uns mit seiner Liebe umgeben.

Es geht bei seiner Beziehung zu uns nicht darum, dass wir alles über Gott wissen, sondern darum, dass wir ihm trauen und ihn an uns heran lassen. Wie könnte das besser geschehen, als dass wir bei allem, was wir tun, an ihn denken.

Als Jugendliche habt ihr hoffentlich viele Träume im Herzen. Ihr wollt einen sinnvollen Beruf erlernen, der euch zumindest bis 65 Jahre Spaß machen könnte, ihr wollt vielleicht einmal mit einem Mann zusammen sein, der euch achtet, auf Händen trägt und sich von euch auf Händen tragen lässt. Ihr wollt eure Frau im Leben stehen und anerkannt und geliebt sein. Diese Träume sind kostbar, sie gehören euch und niemand hat das Recht, sie euch zu nehmen.

Ihr könnt diese Träume mit Jesus träumen. Ihr könnt ihn bitten, sie so zu verändern, wie es für euch am besten ist. Ihr könnt gespannt sein, wie sich Schritt für Schritt manche offene Frage auflöst und vielleicht eine überraschende Antwort erhält. In den Sprüchen heißt es nun, dass wer auf den Herrn vertraut, Erfolg haben wird. Ich würde euch das jetzt nur zu gern versprechen, dass ihr mit Jesus immer Erfolg haben werdet. Aber unter Erfolg verstehen wir meistens viel Geld, eine tolle Karriere, ein unbeschwertes Leben ohne Einschränkungen. Das alles kann ich euch nicht versprechen. Was ich euch aber versprechen kann, ist ganz viel Zufriedenheit mit eurem Leben. Denn Jesus kennt euch am besten. Er wird euch dahin führen, wo ihr euch entfalten könnt, wo ihr gebraucht werdet und Jesus Freude machen könnt.

Wir haben Bitten gehört, wir haben eine Antwort auf die Bitten vernommen. Es geht darum, dass Leben nur in Verbindung zu Gott gelingen kann.

Jesus, Gottes Sohn, will unser Freund sein und uns auf allen Wegstrecken führen. Es ist wichtig, mit ihm in Verbindung zu sein.

Weil uns das als einzelnen immer wieder schwer fällt und der Akku unseres Handys leicht den Geist aufgibt, sind wir nicht allein. In der Gemeinde begleiten wir einander und beten füreinander um diesen direkten Kontakt zu Jesus. Auch die Jugendlichen, die heute mit der Bitte um Gottes Segen aus dem Kirchlichen Unterricht entlassen werden, brauchen unsere Fürbitte und Unterstützung, um mit Jesus verbunden zu bleiben.

Ein Lied, das zum Hit im Kirchlichen Unterricht wurde, fasst Bitten und Antwort zusammen:

Vater, deine Liebe ist so unbegreiflich groß, und ich weiß gar nicht, wie ich leben konnte ohne dich, o Herr.
Doch machst du mich zu deinem Kind. Du schenkst mir deine Liebe jeden Tag. Du lässt mich nie im Stich, 
denn Vater, du bist immer bei mir:
Herr, ich preise deinen heil´gen Namen; du bist König!
Du nur bist mein Herr und mein Gott.

Father God I wonder how I managed to exist without the knowledge of Your parenthood and Your loving care.
But now I am Your child I am adopted in Your family and I can never be alone,
´cause Father God You´re there beside me.
I will sing Your praises, I will sing Your praises, I will sing Your praises for evermore.

Cornelia Trick


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Verantwortlich Dr. Ulrich Trick, Email: ulrich@trick-online.de
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