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Liebe Gemeinde,
Die ersten Kapitel der Bibel erzählen von der Menschheit, wie sie von Gott sehr gut geschaffen wurde, Verantwortung aufgetragen bekam, aber daran scheiterte. Wie die Menschheit den Kontakt zu Gott verlor, sich Brudermord und Sintflut anschlossen, aber Gott einen neuen Anfang machte. Zum Abschluss wird von diesem Turm erzählt, der die Menschen einen wollte, stattdessen aber zu einer Zerstreuung auf der ganzen Erde führte. 1.Mose 11,1-8
Bei dieser Geschichte werde
ich an eine Maltechnik aus Kinderzeiten erinnert. Man hatte verschiedene
Wachsmalstifte in unterschiedlichen Farben und trug sie nacheinander dick
auf ein Blatt Papier auf. Als letzte Farbe kam schwarz. Dann wurde gekratzt,
und die darunter liegenden Farben leuchteten nach und nach auf.
Schicht 1: Die Urgeschichte
Gott sieht das vom Himmel – nach dem altorientalischen Weltbild hatte er über den Wolken seinen Wohnort – und ist offensichtlich so irritiert, dass er seinen himmlischen Wohnort verlässt und sich das Ganze genauer anschaut. Was er entdeckt, alarmiert ihn. Menschen wollen sich zusammentun und den Himmel ankratzen. Das kann er nicht zulassen. Also setzt er dem eine Grenze, lässt die Menschen in unterschiedlichen Sprachen reden, sodass sie auseinanderlaufen und das gemeinsame Projekt nicht mehr vollenden können. War es eine Strafe Gottes, die Menschen zu zerstreuen? Auf den ersten Blick wirkt es so. Gott hat Angst um den Himmel, den die Menschen auch noch einnehmen könnten. Doch ist das wohl zu kurz gedacht. Gott ergreift eine Vorsichtsmaßnahme. Er schützt die Menschen vor sich selbst. Er weiß, dass Machtfülle bei Menschen zu Machtmissbrauch führt, zu Krieg, Leid, Unterdrückung und Elend. Er verwirrt die Sprache, um es Menschen nicht zu einfach zu machen, sich auf vordergründige Machtziele zu verständigen. Von nun an müssen Menschen genau hinhören, einander besser kennenlernen, Sprachen lernen, Projekte aushandeln und sich auf Ziele verständigen. Die Menschen werden verstreut auf die Erde, weil Gott Vielfalt geschaffen hat, keine Einheitsmenschen. Als Unikate bringen sie in ihrer Verschiedenartigkeit den Reichtum Gottes zum Ausdruck. Keine Sprache kann Absolutheitsanspruch stellen, nur im Miteianander wird Gott angemessen mit unserem Sprechen geehrt. Schicht 2: Der Grund für
den Turmbau
So beendete Gott das Angst-Bauen, ließ die Menschen auseinanderlaufen und in kleineren Gruppen ihren Schöpfungsauftrag umsetzen. Er wollte selbst ihr Turm sein, der ihnen Sicherheit und Schutz gab. Er wollte der Kirchturm im Ort sein, der wie ein Zeigefinger auf Gott und seine Möglichkeiten zeigt. Schicht 3: Der Turmbau
und wir
Aber auch ganz persönlich ist das ja ein Thema. Ich komme mir auch selbst auf die Spur, wie ich meine eigene Meinung durchdrücken will, indem ich mir Verbündete suche. Wie ich Angst habe und mich deshalb besonders aufplustere, um anderen meine Angst nicht zu zeigen. Wie ich auf meine eigene Stärke setze, statt mich zu erinnern, dass Gott mir Stärke gibt. Ich erkenne mich auch in denen wieder, die in Babel einfach mitbauen, weil sie nicht außen vor sein wollen. Ihnen ist der Turm vielleicht sogar egal, aber sie spüren den Druck der anderen. Machen sie nicht mit, werden sie vielleicht aus der Stadt geschmissen. So funktioniert Werbung. Sie redet uns ein, dass wir unbedingt dieses Produkt brauchen oder so aussehen müssen, um dazuzugehören, um stark zu sein, um nicht missachtet oder vertrieben zu werden. Und so kommt es, dass wir alle das gleiche anziehen, uns ganz ähnlich einrichten und von Kindheit an gewisse Automarken toll finden. Wir lieben es, miteinander stark zu sein und allen zu zeigen, wer wir sind. Gott liebt die Vielfalt, er will uns ermutigen, nicht den Influencern zu folgen, sondern unseren eigenen Weg zu finden. Er liebt es, wenn wir uns mit unterschiedlichen Menschen austauschen und sie in unserem Haus willkommen heißen. Er setzt darauf, dass wir seine Liebe gerade dahin tragen, wo die Menschen anders ticken als wir, nicht so sind wie wir. Wenn es anders wäre, hätte Gott die Welt nicht so bunt geschaffen, dann hätte schwarz und weiß ausgereicht. Schicht 4: Pfingsten
Gott schenkt an Pfingsten eine neue Einheitssprache. Es ist die Sprache der Liebe Gottes, die weitergegeben werden kann und die Frieden und Freude wirkt. 2003 fand in Potsdam ein europäisches Methodistentreffen statt. Es wurde Englisch und Deutsch geredet, aber manche Unterhaltung war trotz gemeinsamer englischer Sprachkenntnisse doch eher lückenhaft. Für mich nachhaltig beeindruckend war die Erfahrung, dass wir ganz nahe beieinander waren, aus vollem Herzen Gott in russischen Worten, die wir nicht verstanden, loben konnten und uns kulturelle Unterschiede nicht trennten. Wir waren geeint in unserem Glauben und spürten eine starke Gemeinschaft, nicht in Abgrenzung, sondern mit offenen "Stadttoren". Schicht 5: Wie unsere „Stadt“
aussieht
Wir haben die Chance an dieser Stadt „Gemeinde“ mitzubauen und in ihr zu leben. Was dazu nötig ist: sich dem Heiligen Geist zu öffnen und die Liebe Gottes aufzunehmen, am besten in der Gemeinschaft von Menschen, die damit Erfahrung haben. Die Menschen, die zum Glauben gekommen waren, trafen sich regelmäßig. Sie ließen sich von den Aposteln unterweisen, pflegten ihre Gemeinschaft, brachen das Brot und beteten. (Apg 2,42) Cornelia
Trick
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