Die mobile Gemeinde
Aufsatz aus der Zeitschrift "unterwegs" 5/2003

Brian Vogt hat heute wieder eine E-mail aus Australien geschrieben. Er gehörte zwei Jahre lang zu unserer Gemeinde, sprach am Anfang so gut wie kein Deutsch, brachte uns aber während seiner Zeit hier viel Englisch bei. Brian lebt seit anderthalb Jahren wieder in Adelaide, der Kontakt zu ihm ist nach wie vor intensiv. Er liest unsere Homepage und fragt nach, wenn wieder neue Namen und Gesichter auftauchen. Brian ist in unserer Gemeinde kein Einzelfall. In den letzten 25 Jahren sind fast 70 Prozent neue Leute dazu gekommen, manche für eine kurze Zeitspanne, einige für eine längere Zeit, kaum welche, bei denen ein weiterer Umzug ausgeschlossen ist. Das Rhein-Main- Gebiet ist ein Wirtschaftszentrum mit großer Fluktuation und wir profitieren davon und leiden darunter. 

Wir profitieren davon. Durch Brian z.B. ist eine Englisch- sprachige Arbeit in unserer Gemeinde entstanden. Er war Mittler für Leute, die eine Gemeinde in Wohnortnähe suchten, aber nicht gut Deutsch konnten. Wie er finden auch andere in unserer Gemeinde eine neue Heimat. Für sie ist die Evangelisch- methodistische Kirche oft fremd. Sie kommen zur Gemeinde, weil sie sich persönlich angesprochen fühlen und die Gegenwart Gottes erfahren. Mit ihren Fragen zu unserem Kirchen- und Gemeindeverständnis geben sie uns die Möglichkeit, unseren Weg zu hinterfragen und neue Elemente aufzunehmen. Sie erziehen uns zur Wahrhaftigkeit. Hinter dem Rücken übereinander zu reden vertreibt neue Leute ebenso wie schwelende Konflikte. Da immer wieder wichtige Mitarbeitende die Gemeinde verlassen, können die Neuen schnell in verantwortliche Positionen nachrücken. Sie werden gebraucht.

Wir leiden darunter. Abschied zu nehmen ist die ständige Begleitmusik unserer Gemeindearbeit. UmzugswagenFamilien und Erwerbstätige müssen uns arbeitsplatzbedingt verlassen. Ihre Freunde, die sie hin und wieder zur Gemeinde mitgebracht haben, sind für uns kaum noch erreichbar, wenn nicht schon intensivere Kontakte entstanden sind. Ihre Aufgabengebiete liegen nun brach, nicht immer findet sich der geeignete Nachfolger. Es kommt immer wieder zu Abbrüchen, wo ein einmal begonnener Weg wieder verlassen werden muss. Wir planen das Gemeindejahr mit Unbekannten. Herr X hat gerade die Kündigung erhalten. Er sitzt in einem wichtigen Ausschuss. Wird er Mitte des Jahres noch in der Gemeinde mitarbeiten können? Sollen wir ihn zum Verwalter wählen oder nicht? Und wer bleibt sicher? Sogar Seniorinnen und Senioren sind heute sehr mobil. Manche sind oft auf Reisen, andere bleiben nicht unbedingt in der teuren Rhein-Main- Gegend. Wir müssen auf ihren Erfahrungsschatz ein Stück weit verzichten, wichtige Gebetsunterstützung fällt weg.

Fazit: Als Gemeinde in dieser Situation zu leben bedeutet, sich auf Neues einstellen zu können. Wir sind angewiesen auf die Leitung des Heiligen Geistes, der uns mit neuen Leuten neue Schwerpunkte schenkt, der uns aber auch zutraut, mit Abschieden zu leben und sie als Chancen für Neues zu sehen.

Jesus Christus als unsere Mitte trägt uns in allen Veränderungen und Wechseln, er ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit.

Cornelia Trick


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Verantwortlich Dr. Ulrich Trick, Email: ulrich@trick-online.de
Internet-Adresse: http://www.predigt-online.de/prewo/prewo_die_mobile_gemeinde.htm