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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Bei der Bergtour des Lebens kommt es darauf an, ob wir den richtigen Bergführer bei uns haben, dem wir vertrauen können. Davon wird Vieles in unserem Leben abhängen. Ob wir ängstlich bei dem bleiben, was wir schon immer getan haben oder ob wir fröhlich und mutig loslaufen, Neues erkunden und auch vor Fehlern nicht zurückschrecken. Heute sind wir eingeladen, an einem Vertrauenskurs teilzunehmen, der uns lehrt, dem Bergführer Jesus zu vertrauen. Matthäus 14,22-33 Petrus stieg aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus. Als er dann aber die hohen Wellen sah, bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: »Hilf mir, Herr!« Sofort streckte Jesus seine Hand aus, fasste Petrus und sagte: »Du hast zu wenig Vertrauen! Warum hast du gezweifelt?« Dann stiegen beide ins Boot, und der Wind legte sich. Die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder und riefen: »Du bist wirklich Gottes Sohn!« Gerade hat Jesus 5000 Menschen satt gemacht. Er schickt nur seine Jünger im Boot aufs Wasser, damit sie schon mal auf der Spur zum nächsten Einsatz sind. Er selbst besteigt einen Berg am Ufer des Sees Genezareth um zu beten. Seinen Akku lädt er im Gespräch mit dem himmlischen Vater auf. Nach dem anstrengenden Tag mit so vielen Leuten, die etwas von ihm wollten, braucht er die Verbindung zu Gott und empfängt neue Kraft für die nächste Wegetappe. Der See Genezareth ist bekannt für seine plötzlichen Stürme, bedingt durch seine Lage und das angrenzende Gebirge. So geraten die Jünger unversehens in einen Seesturm. Wie sehr berührt sich ihre Lage mit unseren Lebensgeschichten. Scheinbar ist der Weg klar und ziemlich geradeaus, doch da werden wir plötzlich durch Widrigkeiten und Stürme aller Art gestoppt. Hatte Gott nicht grünes Licht gegeben? Warum dann diese Krise? Die Rettung naht zwischen 3 und 6 Uhr morgens. Noch ist tiefe Nacht auf dem See. Der Sturm hält zwar an, aber Jesus kommt entgegen. Die Jünger halten ihn für ein Gespenst, bis er sich identifiziert: „Ich bin´s!“ Seine Selbstvorstellung lässt uns ahnen, dass die Jünger mitten in einem geistlichen Abenteuer sind, dies wird eine besondere Begegnung werden, eine Lehrstunde in Sachen Vertrauen. Zwar werden wir nicht oft in Seestürme geraten, doch große Not kennen wir auch. Wir lernen hier: Jesus kommt in dieser Nacht-Stunde und stellt sich selbst vor: „Ich bin´s!“. Wir erkennen ihn nicht sofort hinter dem überraschenden Anruf des Freundes oder dem zwitschernden Vogel vor unserem Fenster, der uns aus den trüben Gedanken reißt, oder der Postkarte, die uns einen Gruß aus einer anderen Welt schickt. Doch wie zu den Jüngern sagt Jesus durch die Zeichen an unserem Weg „Ich bin´s“. Wir sind in der tiefen Nacht nicht allein. Elf Jüngern reicht das. Sie bleiben im Boot, warten auf Jesus, dass er einsteigt und dem Sturm Einhalt gebietet. Sie haben schon die erste Lektion gelernt: Jesus findet sie mitten in der Nacht und mitten im Sturm. Petrus reicht diese Lektion nicht. Er möchte mit Jesus da draußen auf dem Wasser gehen. Doch er stürzt sich nicht gleich wagemutig aus dem Boot. Er sucht nicht den ultimativen Kick im Wildwasser-Survival-Training. Er will mit Jesus ganz nahe zusammen sein. So fragt er: „ Was willst du von mir? Bleiben oder kommen?“ Diese Frage stellen wir uns ja auch an entscheidenden Kreuzungen unseres Lebens. Vor drei Wochen hörte ich von einer Familie mit fünf Kindern, die sich nach Indien in ein Bürgerkriegsgebiet aussenden ließ, um dort eine Missionsschule zu gründen. Meine erste Reaktion war, muss das sein? Können Einheimische nicht besser den christlichen Glauben vermitteln als Deutsche? Und flüchtet die Missionsfamilie vielleicht vor dem langweiligen Alltag hier? Doch auf dem Hintergrund der Nacht auf dem See Genezareth komme ich zu einer anderen Deutung. Diese Familie hat sich Jesus zur Verfügung gestellt und hat ihn gefragt: Bleiben oder gehen? Sie hörte Jesu Ruf und ist gegangen. Ich dagegen finde mich wohl eher bei den 11 Jüngern im Boot wieder. Die bleiben sitzen und fühlen sich sicherer. Wie hören wir Jesus? Wir bekommen eine Idee, spüren eine Kraft, die uns zu einem Thema oder in eine Richtung zieht. Wir bekommen Zeichen am Weg, Leute, die uns ungefragt darauf ansprechen, Bestätigungen von Seiten, von denen wir es nicht erwarten. Wenn wir über die Herausforderung nachdenken, erfüllt uns eine große Freude und Gewissheit. Natürlich sind auch rationale Prozesse wichtig. Wir können uns fragen: Passt die Entscheidung zu mir, meiner Person und meiner Lebenssituation? Entspricht die Entscheidung meinem Glauben? Denke ich, dass Glaube sich so zeigt? Lässt sich die Entscheidung mit Gottes Willen in Einklang bringen, Gottes Willen, der mich losschickt, um ihm die Ehre zu geben? Petrus zeigt uns, dass das Leben mehr ist, als in einem wackligen, engen Boot zu sitzen. Zwar vermeiden Boot-Sitzer Fehler, aber sicherer ist ihr Platz nicht, eine Welle kann auch ein Boot umkippen lassen. Der wichtigste Schritt ins Abenteuer mit Jesus ist der erste. Petrus hat genug Vertrauen für den ersten Schritt. Wir feiern heute Taufe und Aufnahme in die Kirchengliedschaft. Es ist ein erster Schritt, verbindlich mit Jesus in dieser Gemeinde zu leben. Diesem Tag sind schon einige gute Erfahrungen mit Jesus und der Gemeinde vorausgegangen, doch ob die Gemeinschaft trägt, kann man erst ausprobieren, wenn man sich ihr voll anvertraut, sozusagen ins Bergseil des Bergführers mit der ganzen Seilschaft geknüpft ist. Petrus lässt seinen Blick schweifen. Er hat Jesus nicht mehr voll im Blick, sondern sieht auf einmal die sich auftürmenden Wellenberge. Der erste Schritt ist zwar der wichtigste, aber er bedeutet nicht, dass es auf jeden Fall gut weitergeht. So kennen wir es ja auch. Ein Leben mit Jesus beinhaltet Rückschlage, Glaubensproben, hohe Wellen und auch das Sinken. Die elf Jünger schauen aus dem Boot zu. Wie starr sitzen sie da, vielleicht auch mit kleiner Schadenfreude über den gescheiterten Petrus. Obwohl sie sich auf der besseren Seite wähnen, haben sie doch wichtige Glaubenserfahrungen verpasst: Das Wasser trägt auf jeden Fall für den ersten Schritt. Und Jesus lässt dich nicht versinken. Die Angst des Petrus führt zur Erfahrung, dass Jesus ihn festhält. Das ist ein neuer Vertrauensbeweis, der sich wie ein Rettungsring um Petrus legt. Irgendwann wird er sich in ähnlicher Situation daran erinnern und daraus Kraft schöpfen. Leute, die auf das Wasser gehen und sinken, sind keine Versager, sondern sie lernen, ihren Blick noch mehr auf Jesus zu richten. Dort unter vier Augen spricht Jesus mit Petrus: „Schau nicht auf die Wellen des Lebens, sondern auf mich. Lerne Vertrauen nicht aus Büchern oder vom Hörensagen, sondern probiere es aus, verlass dich ganz auf mich, ich werde dich immer halten.“ Diese Unterrichtsstunde entgeht den Boot-Sitzern. Doch auch sie lernen etwas, nämlich Geduld. Der Sturm hält ja während des Petrus-Unterrichts unvermindert an. Sie hatten wohl gehofft, Jesus würde gleich ins Boot steigen, aber sie müssen warten. Doch sie sind dabei nicht allein, sondern eine kleine Gemeinde. Sie können sich gegenseitig unterstützen und Mut machen. Ja, Jesus kommt bestimmt. Die Lehrstunde schließt mit einem Glaubensbekenntnis. So werden auch wir gleich in diesem Gottesdienst das Glaubensbekenntnis sprechen. Es verbindet uns mit der Bootsgemeinde damals. Wir sind auch in stürmischen Zeiten in Jesu Seil eingebunden. Vielleicht ruft Jesus uns heraus aus dem Boot aufs Wasser. Da können wir durch Erfahrungen – auch des Scheiterns – lernen. Sinken und Versagen ist nicht schlimm, denn es bindet uns stärker an Jesus, der uns hält. „Seid getrost, ich bin´s, fürchtet euch nicht!“ Cornelia
Trick
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