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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Vielleicht hat Gott einen solchen Blick auf uns Menschen. Wir sind gefangen in scheinbar ausweglosen Situationen und können uns selbst nicht retten. Auf der einen Seite leiden wir an Selbstüberschätzung, denken, alles im Griff zu haben, zumindest zu wissen, wer alles im Griff haben sollte. Wir wollen gerne allein und autark handeln, ohne eine letzte Autorität zu brauchen, ohne Gott. Dabei fällt uns alles aus der Hand. Der Krieg in Syrien, der Terror, der immer näher rückt und unser eigenes kleines Leben. Da kann sich manch einer schon fühlen wie in einem tiefen Loch ohne Ausgang und Leiter. Auf der anderen Seite fallen wir in Verzweiflung, keine Hilfe scheint in Sicht. Als Jesus Menschen von Gottes Liebe erzählte, sie heilte und sich denen zuwandte, die ihn am nötigsten brauchten, hofften viele, dass Jesus sie aus dem tiefen Erdloch befreite. Ja, sie ahnten schon den offenen Himmel über ihnen. Doch dann kam Karfreitag und Jesu Tod. Alles Licht, das Jesus gebracht hatte, schien mit einem Mal ausgeschaltet. War auch dieser Versuch Gottes mit seinem Sohn Jesus fehlgeschlagen? Markus 16,1-8 Die Osterberichte der Evangelien berichten übereinstimmend, dass Jesus auferstanden ist. Das Grab war leer, Frauen waren die ersten Augenzeuginnen und Engel vermittelten ihnen den Herrschaftswechsel. Nicht der Tod hatte das letzte Wort, sondern das Leben. Vom Engel bekamen die Frauen den Auftrag, den Jüngern Bescheid zu sagen. Bei allen Übereinstimmungen der vier Evangelien finden sich auch kleine Unterschiede. Wie wenn die Familie nach dem Urlaub um den Tisch sitzt und sich einzelne Situationen ins Gedächtnis ruft. Alle haben einen etwas anderen Blick auf das gleiche Geschehen und werden unterschiedliche Dinge betonen. Heute richten wir unser Augenmerk besonders auf Markus. Kurz und knapp berichtet er das Geschehen, als wäre er ein antiker Nachrichtensprecher gewesen. Auch der Schluss des Berichtes ist eigentümlich. Die Frauen bleiben ängstlich, sagen niemand etwas von Jesu Auferstehung weiter. Wie kommt es, dass wir dann heute davon wissen? Offensichtlich hatten sie doch irgendwann ihr Schweigen gebrochen. Der Markusbericht bleibt an der Schwelle zum Glauben stehen. Glaube entsteht offenbar nicht, wenn wir wie die Frauen das leere Grab sehen. Glauben können wir nicht, nur weil jemand uns wie der Engel den Frauen damals erzählt, dass Jesus auferstanden ist. Auch leere Grabtücher können die Auferstehung Jesu nicht beweisen und keinen Glauben wirken. Glaube ist erst möglich, so bringt es der Bericht des Markusevangeliums zum Ausdruck, wenn Jesus selbst begegnet. Der Engel sagte den Frauen, Jesus würde ihnen in Galiläa begegnen. Dort hatten sie zusammen mit den Jüngern Erfahrungen mit Jesus gemacht. Sie haben seine Heilungen miterlebt. Sie haben seinen Predigten gelauscht, seine Wunder beobachtet und waren ihm nahe. Dorthin sollten sie gehen, um die alte Verbundenheit mit Jesus zu spüren und ihm dort wieder zu begegnen. Zudem war Galiläa Missionsland. Hier sollten sie anderen von Jesus weitererzählen, wie er den Menschen Gottes Liebe weitergegeben hatte. Was bedeutet das für uns? Mag sein, wir wünschten uns, damals am ersten Ostermorgen mit den Frauen unterwegs gewesen zu sein. Ja, denken wir, dann könnten wir wirklich glauben, dass Jesus auferstanden ist und noch heute lebt. Aber die Frauen damals glaubten zunächst nicht, obwohl sie das leere Grab sahen, den Engel hörten und einen konkreten Auftrag bekamen. Sie blieben in ihrem Loch der Angst gefangen, der Himmel hatte sich noch nicht aufgetan. Sie brauchten erst die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst, bevor sie vertrauten und ihr Leben eine neue Wendung bekam. Wir heute erleben auch Wunder. Steine werden auch von unserem Herzen weggerollt. Nicht alle, aber doch immer wieder der eine oder andere. Wir erfahren überraschend Hilfe. Lebensthemen, die wir als unlösbar ansahen, entwirren sich. Wir hören von der Auferstehung Jesu, wir erleben Christen, die daran glauben und die ihr Glaube spürbar verändert hat. Aber all das verändert noch nicht uns selbst. Die Angst bleibt, vielleicht auch die Sehnsucht, dass sich doch etwas verändern sollte. Erst wenn wir uns aufmachen zu unserem „Galiläa“, zu dem Jesus uns vorausgeht wie den Jüngern und Jüngerinnen damals, werden wir ihm selbst begegnen und von ihm selbst verändert werden. Schauen wir noch einmal zu den Bergleuten damals. Sie wären nicht gerettet worden, wenn sie nicht Lebenszeichen von sich gegeben und schließlich in den Rettungskorb gestiegen wären. Wären sie einfach in ihrem Loch sitzengeblieben, stumm und still, hätte man bald aufgegeben und sie für tot erklärt. Sich nach Galiäa aufmachen, meint offensichtlich nicht, sich zu einer Expedition anzumelden. Stattdessen beginnt es mit einem einfachen Ruf nach Hilfe, einem Klopfen, einem Signal, das zum Ausdruck bringt: Ich brauche einen, der mich aus meinem Erdloch zieht, ich kann es nicht alleine. Dieses Klopfen kann sich ganz individuell auswirken. Jemand fängt an, in der Bibel zu lesen, sich Filme über Jesus anzuschauen, Bücher über ihn zu lesen. Eine andere sucht das Gespräch mit Christen und will wissen, wie andere Jesus begegnen und wie Jesus mit ihnen redet. Einer sucht sich eine Gruppe, mit der er Jesus finden kann, besucht einen Glaubenskurs und merkt, er ist auf dem Weg zu seinem „Galiläa“ nicht allein. Markus fordert uns am Ende seines Berichts über das Leben Jesu auf, eine eigene Entscheidung zu treffen, wie wir zu Jesus stehen. Wollen wir in unserem Erdloch bleiben? Jesus ist der erste, der gerettet wurde, er hat das Bohrloch für uns geöffnet. Was hält uns im Schacht? Mancher will nicht eingestehen, dass ihm vieles entgleitet, dass er ohne Licht und Strom im Dunkeln tappt. Manche will ihr Leben nicht wirklich ändern. Sie ahnt, dass bei Licht betrachtet nicht alles nach Gottes Willen läuft. Ein anderer fühlt, dass er von Menschen, die ihm etwas bedeutet, im Schacht festgehalten wird. Sie verstehen nicht, warum er sich nach Gottes Licht sehnt. Vielleicht ist es auch die Gewohnheit. Die Augen sind an die Dunkelheit gewohnt, jeder Handgriff sitzt. Warum sollte man etwas ändern? Meistens reißen uns erst einschneidende Veränderungen aus der Gewohnheit. In unserer Straße sind vor ein paar Wochen wegen einer neuen Feuerwehrzufahrt zwei Parkplätze weggefallen. Jeden Abend stehen Autos vor dieser Zufahrt, und auch ich war schon öfter aus Gewohnheit erst mal in diese Lücke gefahren. Der erste Strafzettel oder Abschlepper wird die Situation grundlegend ändern. Das wird sich in der Straße sehr schnell rumsprechen, und niemand wird mehr aus Versehen dort parken. Von allein ändern wir nicht schnell unser Leben und unsere Lebensgrundlage. Aber Brüche im Leben sind Chancen, dass wir aufmerksam werden, wie nötig wir Hilfe brauchen. Dann wird unser Blick nach oben gehen, und wir werden merken, wie sehr wir Jesus brauchen, der im Rettungskorb auf uns wartet. Werden wir den kleinen Schritt auf den Rettungskorb zu tun? Werden wir beten: Jesus, nimm mich mit ins Leben? Heute werden weltweit Auferstehungsfeste gefeiert. Seine Auferstehung ist Grundlange des christlichen Glaubens, aller Kirchen, der christlichen Kultur und auch dieser Gemeinde hier. Einer ist uns vorausgegangen, das Kreuz ist leer. Das Todessymbol wurde zum Rettungszeichen. Jesus spricht uns zu: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ (Johannes 14) Cornelia
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