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Gottesdienst am 17.06.2007
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
eine "Rama"-Familie sitzt
Sonntag morgens am Frühstückstisch. Alles steht lecker auf dem
Tisch, sogar Butter, nicht nur Rama. Aber die Familienmitglieder mümmeln
stumm und lustlos ihr Essen, sie schauen von ihren Tellern kaum auf, Kommunikation
ist nicht vorhanden. Da
taucht eine Nachbarin voller Schwung am Gartentor auf. Sie lädt die
Familie zum Gottesdienst ein. Dort, so sagt sie, gibt es ein viel besseres
Frühstücksbüffet. Es kostet nichts und macht garantiert
satt und vor allem zufrieden. Wer an diesem Frühstück in der
Kirche teilnimmt, braucht nicht gleich ans nächste Essen zu denken,
er oder sie geht gestärkt und mit neuem Lebensmut wieder nach Hause.
Gott ist Werbefachmann.
Schon zur Zeit des Propheten Jesaja sprach er sein Volk Israel mit einem
Werbespot an, um sie zur Umkehr und zum Aufbruch zu bewegen. Er wollte
sein Volk weglocken von einem Frühstückstisch, der viel Geld
kostete, aber nicht satt machte.
Jesaja 55,1-3
Her, wer Durst hat! Hier gibt
es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen! Kauft euch zu essen! Es
kostet nichts! Kommt, Leute, kauft Wein und Milch! Zahlen braucht ihr nicht!
Warum gebt ihr euer Geld aus für Brot, das nichts taugt, und euren
sauer verdienten Lohn für Nahrung, die nicht satt macht? Hört
doch auf mich, dann habt ihr es gut und könnt euch an den erlesensten
Speisen satt essen! Hört doch, kommt zu mir! Hört auf mich, dann
werdet ihr leben! Ich will mit euch einen unauflöslichen Bund schließen.
Die Zusagen, die ich David gegeben habe, sind nicht ungültig geworden:
an euch werde ich sie erfüllen.
Offenbar hatten die Leute
im Exil in Babylon Hunger und Durst, aber sie kamen nicht zu Gott, sondern
versuchten, ihre Bedürfnisse anderweitig zu stillen. Das kostete sie
Geld und Nerven und machte sie doch nicht satt. Weil ihre Hungergefühle
durch die falsche Ernährung betäubt wurden, vergaßen sie
Gott, seine Zusagen und den Bund, den Gott mit ihnen als Volk für
alle Zeiten geschlossen hatte. Sie waren in der Fremde zu einem Volk geworden,
das seine tragenden Wurzeln, seinen Lebenssaft und seine Verheißung
verloren hatte. Sie waren kurz davor, ihre Vergangenheit zu verlieren und
den Weg in die Zukunft abzuschneiden.
Jesus nahm Gottes Werberede
wieder auf. Obwohl inzwischen über 500 Jahre ins Land gegangen waren,
blieben die Probleme gleich. Die Menschen hatten Durst und Hunger nach
einem Leben, das gehalten und getragen war, doch sie suchten an der falschen
Stelle nach Befriedigung. So bot sich Jesus selbst an als Wasser des Lebens
und Brot des Lebens (Johannesevangelium 4 und 6). Manche nahmen
das Angebot an, sie fanden Erfüllung bei Jesus. Sie hörten Jesus
zu, sie gehörten daraufhin zu Jesus und wurden so satt. Viele gingen
aber auch weg, sie hatten sich an ihre falsche Ernährung so gewöhnt,
dass ihnen Jesu Angebot, ihm zu gehören, zu krass erschien.
Christen wissen um Jesus,
der Durst und Hunger stillt. Doch nach wie vor scheinen die Worte Gottes
aus der Zeit des Propheten Jesaja aktuell.
Wir können uns mit
Gottes und Jesu Worten auf die Marktplätze der Region stellen und
wie die Nachbarin die "Rama"-Familie von nebenan zu Jesus einladen. JesusHouse,
Verkündigungsabende oder Gästegottesdienste sind nichts anderes
als Werbekampagnen Gottes, Menschen zu ihm einzuladen. Aber hat sich für
uns Christen das Thema erledigt? Gelten die Werbemaßnahmen nur den
Menschen, die Gott noch nicht kennen? Und hat Gott nicht sein Volk beworben,
die ihn kannten? Hat nicht Jesus Juden zu Gott eingeladen, die in der biblischen
Überlieferung zu Hause waren und meinten, alles sei mit Gott im Reinen?
So wirbt Gott wohl auch uns Christen, diesem Durst wieder nachzuspüren,
den Hunger nach ihm Raum zu geben und wirklich bei ihm Sättigung zu
erwarten.
Doch Hunger nach Gott kann
sich bei Christen unterschiedlich darstellen. Die eine Gruppe hat Hunger
nach Gottes Segnungen. Jemand spürt eine Leere in seinem Leben, er
wünscht sich mehr Liebe, einen geeigneten Arbeitsplatz, Klarheit in
seinen Beziehungen, dass seine täglichen Probleme schnell und endgültig
gelöst werden. Er möchte mit seinen leeren Händen in den
Gottesdienst kommen und mit vollen Taschen wieder nach Hause kommen, die
ihm das Leben in der ganzen Woche vereinfachen. Er möchte ansonsten
von Gott nicht weiter belästigt werden. Gott ist für ihn für
die Segnungen da, nicht ein zusätzlicher Programmpunkt, um den er
sich kümmern muss. Die Gemeinde ist für ihn das Auffangbecken
der himmlischen Segnungen. Wenn man genug von diesen Segnungen bekommen
hat, lässt man die Gemeinde wieder hinter sich, Gemeinde als Dienstleisterin
für die tägliche Lösung von Lebensproblemen.
Die andere Gruppe hat Hunger
nach Gott selbst. Sie sehnt sich danach, Jesus zu begegnen. Sie trägt
nicht ihre leeren Hände in den Gottesdienst, sondern ein leeres Herz,
das sich verzehrt nach einem Wort von Gott. Oft genug erfährt diese
Gruppe konkrete Segnungen, aber erst in Nachhinein, nicht als Bedingung,
mit Gott in Kontakt zu treten.
Sicher ist, wer immer sich
diese beiden Gruppen vorstellt, will nicht zur ersten Gruppe gehören.
Fast anrüchig hört es sich für Christen an, dass sie an
Jesus glauben, um möglichst viel für ihr persönliches Leben
abzugreifen. Doch es besteht die Chance, ruhig und gelassen in den Spiegel
zu schauen und dabei auch das wahrzunehmen, das nicht perfekt ist und das
wir öffentlich vehement von uns weisen würden. Wir gewinnen nichts,
wenn wir uns in der zweiten Gruppe wähnen, obwohl es uns im Innersten
nur um Segnungen, nicht um Gottesnähe geht.
Gott führt uns immer
wieder durch trockene, ausgedörrte Wegabschnitte. Es sind Lebensphasen,
die uns nicht gefallen. Wir werden konfrontiert mit Krankheit, Tod, mit
der Sorge um unsere Lieben, mit Geldnöten und einer merkwürdigen
Kraftlosigkeit. Es sind Wegabschnitte, die wir uns nicht wünschen,
und doch sind sie manchmal nötig und zu unserem Besten. Wir lernen
wieder das Gefühl von Hunger und Durst, die tiefe Sehnsucht nach Gott
und das innige Verlangen, mit ihm in Verbindung zu sein. Solche Zeiten
bringen ans Tageslicht, dass wir unseren Hunger und Durst nach Gott über
einen Zeitraum hinweg falsch gestillt haben, ihn betäubten, so dass
wir meinten, satt zu sein, obwohl wir innerlich verkümmerten. So ist
nicht genug Reserve da, um die Trockenheit zu überstehen, wir brauchen
neu Gottes Wasser und Brot in der Wüste.
Falsche Ernährung
kann durch zwei Weisen geschehen:
-
Ein einseitiger Speisezettel
führt zu Fehlernährung. Mein Lieblingsessen ist Spaghetti mit
Tomatensauce. Das kann ich wirklich jeden Tag essen und habe es auch schon
wochenlang am Stück gegessen. Es wird mir nie über werden. Aber
dieses Essen allein führt zu Mangelerscheinungen. Ich bekomme keine
Vitamine, wenig Mineralien, zu wenig Ballaststoffe usw. Nur mit Spaghetti
und Tomatensauce werde ich nicht im Vollbesitz meiner Kräfte bleiben.
Wie oft ist mein geistlicher Speisezettel so bescheiden wie Spaghetti mit
Tomatensauce. Ich gehe in den Gottesdienst, nehme am Posaunenchor teil
und lese höchstens zweimal die Woche ausführlicher einen Bibeltext
mit Auslegung. Die restlichen Tage begnüge ich mich mit dem Losungsvers,
den ich auf dem Weg zur Arbeit schon wieder vergessen habe. Ich merke nicht,
wie mir schleichend die Vitamine abhanden kommen. Das Glücksgefühl,
die Vitalität des Glaubens, das begeisterte Zeugnisgeben ersterben
nach und nach. Mein Blick für andere wird immer trüber, meine
eigenen Probleme fesseln mich. Dabei steht auf Gottes Speisekarte so viel
mehr: ein Tagebuch, in dem ich täglich meine Herzensgebete aufschreiben
kann, eine Freundin in der Gemeinde, der ich einen Abend in der Woche helfen
kann, ihre Lasten zu tragen, eine Aufgabe in der Gemeinde, die zu mir passt
und mich erleben lässt, dass Gott durch mich etwas bewirkt. Und je
mehr ich mich auf diesen umfangreichen Speisezettel einlasse, je mehr merke
ich, wie ich in die Nähe Gottes komme, wie er mein Herz berührt,
wie er sich um mich kümmert, auch mit Segnungen, die ich so nie erwartet
hätte.
-
Fastfood ist bekannt dafür,
dass es den Hunger schnell stillt, aber umso schneller wieder neue Hungergefühle
aufkommen lässt. Durch Zusatzstoffe in den Nahrungsmitteln wird der
Heißhunger erst recht angekurbelt, so dass man nicht nur 5 Chips
aus der Tüte isst, die den ersten Hunger schon stillen würden,
sondern gleich die ganze Tüte leer futtert. Diese Chips machen dick,
krank und unglücklich - ganz im Gegensatz zu den Versprechen der Werbung.
Fastfood bedeutet für Christen, dass sie ihre Sehnsucht nach echtem
Leben mit Dingen befriedigen, die sie nicht in die offenen Arme Gottes
treiben. Da fühlt sich eine Frau einsam. Sie könnte an diesem
Abend an einer Gemeindegruppe teilnehmen. Sie könnte sich mit einer
Freundin am Telefon austauschen. Sie könnte sich Predigten im Internet
durchlesen oder auch Musik hören, die sie mit Gottes Liebe umhüllt.
Stattdessen stellt sie den Fernseher an und schaut sich Verbotene Liebe,
Marienhof, Wege zum Glück etc. an. Die Thematik umgibt sie, füllt
sie aus, die ganzen unglücklichen Liebschaften dieser Serien trösten
sie kurzfristig, denn den andern geht es ja auch nicht besser. Wenn sie
aber den Fernseher ausschaltet, ist sie so einsam wie vorher, das ganze
Elend erscheint noch größer, die Wohnung noch stiller. Klar,
wir alle sind nicht wie diese Frau, oder sind wir ihr doch ähnlicher,
als wir zugeben? Betäuben wir den Hunger, die Einsamkeit, die Langeweile,
unsere Konflikte nicht allzu oft mit Zudröhnen, Abschalten und Verdrängen,
wo eigentlich Gott dran wäre? Wer immer sich wieder erkennt in der
Abteilung der Fastfood-Konsumenten, ist von Gott dringend aufgerufen, diese
Kost zu meiden und die Ernährung umzustellen. Die Zeit der Umstellung
wird vielleicht hart. Die gewohnte Taste der Fernbedienung zu meiden, ist
wie Entzug. Aber es lohnt sich.
Sollten wir vielleicht alle
miteinander unsere Ernährung unter die Lupe nehmen und den reichhaltigen
Speiseplan Gottes endlich voll auskosten? Ist ein Garteneinsatz in der
Gemeinde nicht vielleicht viel sättigender als eine Schoppingtour
durch Frankfurt? Ist eine verbindliche Mitarbeit in einem Team nicht erfüllender
als einsame Videoabende auf dem Sofa? Bringt eine Gebetsgemeinschaft für
Anliegen anderer nicht mir selbst einen neuen Blick auf meine eigenen Themen?
Jesus ruft uns zu: "Kommt
her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch
erquicken." (Matthäusevangelium
11,28) Er ist traurig, wenn selbst wir als seine Freunde, nicht zu ihm
kommen, wenn wir uns mit Schnullern unserer Gesellschaft zufrieden geben,
statt uns mit ihm an die festlich gedeckte Tafel zu setzen. Wir sind eingeladen,
zu denen zu gehören, die ihn suchen und mit ihm leben wollen. Die
Segnungen wachsen aus dieser Lebensgemeinschaft von selbst und wir werden
sie ganz gewiss nicht verpassen.
Zum Mitbeten:
Ein Psalm Davids,
als er in der Wüste Juda war.
Gott, du bist mein Gott,
den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer
Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser
ist.
So schaue ich aus nach
dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Güte ist
besser als Leben; meine Lippen preisen dich.
So will ich dich loben
mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.
Das ist meines Herzens
Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bette
lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich
nach.
Denn du bist mein Helfer,
und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.
Meine Seele hängt
an dir; deine rechte Hand hält mich. Psalm
63,1-9
Cornelia
Trick
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