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Diese Predigt ist eingebunden in einen Familiengottesdienst. Die biblischen Abschnitte werden jeweils von einer Anspielgruppe zusammen mit den Kindern dargestellt, die Geschichte des Jona zieht sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst.
Jona 1,1-3 Jona machte sich auf den Weg, aber in die entgegengesetzte Richtung. Er wollte nach Tarschisch in Spanien fliehen, um dem HERRN zu entkommen. In der Hafenstadt Jafo fand er ein Schiff, das dorthin segeln sollte. Er bezahlte das Fahrgeld und stieg ein. ![]() Gott sieht die Stadt Ninive und kommt zu dem Ergebnis, dass es so nicht weitergehen kann. Er sendet Jona, doch Jona hört und hört doch nicht. Gott sieht konkrete Situationen heute und sagt zu uns: Geh! Er sagt zu der Schülerin: Geh zu deiner Klassenkameradin, mit der du im Streit liegst. Er sagt zu Frau A: Geh zu deinem Verwandten, der den Kontakt abgebrochen hat und frage nach! Er sagt zu Herrn B: Geh zu deinem Freund, sein Verhalten ist nicht o.k., hilf ihm wieder auf den Weg. Er sagt zu Frau C: Geh wieder in deine Gemeinde, du bist verletzt worden, aber ich möchte dich in der Gemeinschaft heilen, die Gemeinde braucht dich doch mit deinen Gaben, dort ist dein Platz. Ganz unterschiedlich klingt der Ruf Gottes in unser Leben hinein. Gott meint uns persönlich und hat etwas mit uns vor. Doch wie reagieren wir oft? Die Schülerin geht nicht zu ihrer Klassenkameradin, soll die doch kommen. Frau A geht ihrem Verwandten nicht nach, sie trauert weiter um dessen Verweigerung. Frau C bleibt auch die 5. Woche zu Hause und grämt sich, dass keiner sie anruft. So ganz fern scheint das Verhalten des Jona für uns heute gar nicht zu sein. Gott ruft und wir halten uns die Ohren zu oder gehen wie Jona sogar in die entgegengesetzte Richtung davon. Jona lässt sich seine Flucht etwas kosten. Er kauft sich eine Schiffsfahrkarte. Lassen wir uns unsere Fluchtversuche nicht auch etwas kosten? Wir bauen an dem Gerüst der Selbstrechtfertigung, erfinden tausend Gründe, warum wir uns nicht kümmern und Gottes Ruf nicht folgen. Wir ziehen ablenkende Aktivitäten an, die klar machen, wir haben ja gar keine Zeit für Gottes Auftrag. Wir reißen unsere inneren Wunden immer wieder bewusst auf, damit sie uns erinnern, bloß nicht an Heilung zu denken, bevor die Versöhnung nicht von der anderen Seite her kommt. Wir aalen uns in Selbstmitleid, weil das einfacher erscheint, als nach vorne zu gehen und Gräben zuzuschütten. Jona und wir, ja die Geschichte verspricht spannend zu werden. Jona 1,4-2,11 Der HERR aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches. Dort betete er zum HERRN, seinem Gott: "In meiner Not rief ich zu dir, HERR, und du hast mir geantwortet. Aus der Tiefe der Totenwelt schrie ich zu dir, und du hast meinen Hilfeschrei vernommen. Du hattest mich mitten ins Meer geworfen, die Fluten umgaben mich; alle deine Wellen und Wogen schlugen über mir zusammen. Ich dachte schon, du hättest mich aus deiner Nähe verstoßen, deinen heiligen Tempel würde ich nie mehr sehen. Das Wasser ging mir bis an die Kehle. Ich versank im abgrundtiefen Meer, Schlingpflanzen wanden sich mir um den Kopf. Ich sank hinunter bis zu den Fundamenten der Berge, und hinter mir schlossen sich die Riegel der Totenwelt. Aber du, HERR, mein Gott, hast mich lebendig aus der Grube gezogen. Als mir die Sinne schwanden, dachte ich an dich, und mein Gebet drang zu dir in deinen heiligen Tempel. Wer sich auf nichtige Götzen verlässt, bricht dir die Treue. Ich aber will dir danken und dir die Opfer darbringen, die ich dir versprochen habe; denn du, HERR, bist mein Retter." Da befahl der HERR dem Fisch, ans Ufer zu schwimmen und Jona wieder auszuspucken.
Nach dem Rettungswunder kamen Seeleute zum Glauben an Gott. Selbst auf der Flucht wirkt Gott durch Jona Segen und Umkehr. Jona bleibt auch auf seinen selbstgewählten Irrwegen Beauftragter Gottes. Dies sollte uns zu denken geben. Von unserer Beauftragung, Jesu Licht und seine Liebe in die Welt zu tragen, werden wir uns nicht zurück ziehen können. Jesus wirkt durch uns auch an Orten, wo wir es nicht erwarten. Und es liegt nicht an unserer Befindlichkeit, ob seine Botschaft durch uns lebendig wird. Dass Gott dem Jona so nahe auf die Pelle gerückt ist auf diesem Schiff, das wirkte Glauben. Dass Gott uns nicht in Ruhe lässt, das kann nach außen hin Zeichen sein, dass er lebt. Doch Jona wird nicht sterben. Er darf eine Auszeit nehmen im Bauch des Wals. Abgeschieden von der Welt kommt mir dieser Walbauch vor wie eine Mönchszelle, ein Krankenzimmer, eine einsame Insel, an der ich ganz allein gestrandet bin. Und hier kann ich Gott nicht mehr ausweichen. Hier spricht er persönlich zu mir: Was hat dich getrieben? Wovor läufst du weg? Wovor hast du Angst? Der Walbauch in welcher Form auch immer wird zum Gebetsraum. Manche von uns befinden sich gerade in einem solchen Walbauch. Sie sind überraschend krank geworden und aus einer hektischen Arbeitsphase heraus gerissen. Sie sind in eine ungewollte Arbeitspause entlassen worden. Sie sind im Urlaub und auf einmal ganz mit Gott allein. Sie sitzen im Gottesdienst und hören Jesu Stimme, wie er ihnen nahe kommt: Hast du mich lieb? Was da im Walbauch genau geschieht, wird uns nicht berichtet. Der Bauch des Wals ist eben kein Big-Brother-Container mit Webcam-Überwachung, sondern ein Beichtstuhl, der im Verborgenen bleibt. Doch etwas erfahren wir über die geheimen Vorgänge. Jona redet wieder mit Gott. Er ist ihm neu begegnet und hat sich von ihm umkehren lassen. Sein Gebet endet mit den Worten: Du, HERR, bist mein Retter! Sind wir an einem abgeschiedenen Ort, an den uns Gott geführt hat, dann können wir mit ihm reden und um Klarheit bitten, was er von uns will. Und mit Jona können wir uns neu auf Gott ausrichten lassen, Jesus als unseren Wegbegleiter erfahren und umkehren. Dann mag auch bei uns am Ende dieser Zeit nicht das große Seufzen stehen, sondern die Glaubensaussage: Du, HERR, bist mein Retter! Jona 3,1-10
Der betende Jona wird erneut nach Ninive geschickt. Seine Nähe zu Gott hat Ausstrahlungskraft wie Salz und Licht. Seine Predigt kommt voll an. Die Leute, die eben noch achtlos über Gott und Menschen gelästert haben, erkennen ihre Schuld, bereuen ihr Unrecht, beweinen jede Stunde, die sie nicht mit Gott gelebt haben. Statt sich um die Geschäfte dieser Welt zu kümmern, tragen sie Sack und Asche und suchen Gottes Nähe. Ein Wunder ist geschehen. Die Predigt des Jona war kein Zuckerguss, den sie über ihr bisheriges Leben bedenkenlos als Garnitur schütten konnten. Sie ging ihnen ans Eingemachte. Etwas musste sich grundlegend in ihrem Leben ändern. Was bewirkt Predigt bei uns? Zuckerguss oder Umkehr? Lassen wir uns im Innersten berühren oder nur streicheln von Worten, die wir sowieso erwarten? Jona hat mich in Frage gestellt. Ich habe mich in der Menge der Leute von Ninive wieder erkannt. Wie oft suche ich nur Bestätigung meines Lebens. Doch Umkehr, Neuorientierung, Vertrauen zu Gott allein? Hoffnung auf den Heiligen Geist? In der zurück liegenden Woche kamen mehrere unvorhergesehene Ereignisse, die meinen Terminplan völlig aus der Bahn geworfen haben. Ich hatte zwei Möglichkeiten. Mich mit dem Unfertigen Jesus anzuvertrauen und die Ereignisse aufzugreifen als Gottes Ruf an mich oder Gottes Rufen zu ignorieren und meine Geschäfte zu erledigen. Ich bin durch diese Woche gegangen und habe von Tag zu Tag erlebt, dass ich wirklich vertrauen kann und der Herr für mich sorgt. Ich habe erkannt, wie sehr ich an meinen Plänen klebe, statt sie Jesus zu übergeben. Ich habe eine kleine Umkehr mitgemacht, die mich neu auf Jesus und seinen Ruf ausgerichtet hat. Das ist kein Zuckerguss für den Alltag, sondern das sind neue Kleider, die die alten ersetzen und zu einem neuen Lebensgefühl führen - Freiheit für Gottes Rufen, das mich zu meinen eigentlichen Aufgaben in dieser Welt führt. Jona 4,1-11 Jona verließ die Stadt in Richtung Osten. In einiger Entfernung hielt er an und machte sich ein Laubdach. Er setzte sich darunter in den Schatten, um zu sehen, was mit der Stadt geschehen würde. Da ließ Gott, der HERR, eine Rizinusstaude über Jona emporwachsen, die sollte ihm Schatten geben und seinen Ärger vertreiben. Jona freute sich riesig über diese wunderbare Staude. Aber früh am nächsten Morgen schickte Gott einen Wurm. Der nagte den Rizinus an, so dass er verdorrte. Als dann die Sonne aufging, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen. Die Sonne brannte Jona auf den Kopf, und ihm wurde ganz elend. Er wünschte sich den Tod und sagte: "Sterben will ich, das ist besser als weiterleben!" Aber Gott fragte ihn: "Hast du ein Recht dazu, wegen dieser Pflanze so zornig zu sein?" "Doch", sagte Jona, "mit vollem Recht bin ich zornig und wünsche mir den Tod!" Da sagte der HERR: "Schau her, du hast diese Staude nicht großgezogen, du hast sie nicht gehegt und gepflegt; sie ist in der einen Nacht gewachsen und in der andern abgestorben. Trotzdem tut sie dir leid. Und mir sollte nicht diese große Stadt Ninive Leid tun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links nicht unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh?"
Zum Schluss kommt die Hauptsache, die Jona zu lernen hatte. Er hatte großen Erfolg mit seiner Predigt. Er war Salz und Licht, um Gottes Botschaft in Ninive auszurichten. Aber ihm fehlte die Liebe. Er wollte in seinem tiefsten Inneren, dass Ninive unterging und seine gerechte Strafe erhielt. Stattdessen sah er mit an, wie Gott den Einwohnern verzieh und ihnen einen neuen Anfang gewährte. Statt Feuer und Schwefel vom Himmel begegneten Jona fröhliche Menschen, die seine Ausstrahlungskraft als Salz und Licht mit ihrem Strahlen in den Schatten stellten. Liebe und Evangelisation gehören zusammen, diese Lektion musste Jona lernen. Gott liebt die Menschen, er möchte sie nicht vernichten, sondern retten. Wenn wir Gottes Ruf hören, der uns in die Welt schickt, um von ihm zu erzählen, dann sollte unsere ureigenste Motivation die Liebe zu diesen Menschen sein, zu denen wir gesandt sind. Sonst enden wir nach dem Missionseinsatz wie Jona in der Hütte, zornig, enttäuscht und ausgebrannt. Doch diese Liebe schenkt uns Jesus durch seinen Geist, bitten wir darum, mit ihr erfüllt zu werden. Welche Szene ist für mich die Wichtigste? Vielleicht die letzte, weil sie mich daran erinnert, dass ich dauerhaft mit Jesus in Verbindung bleiben muss, um dem Ruf folgen zu können. Cornelia
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