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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Die Fernsehgemeinde ist sich Sonntagabend auch ziemlich einig. Die einen schauen Tatort, die anderen Herzkino, und beides läuft in manchen Haushalten vielleicht auch parallel. Obwohl die Formate so unterschiedlich sind, haben sie doch viel gemeinsam. Es geht um Geschichten, die verworren sind, sogar noch verworrener als das eigene Leben, es geht um Wunden, die das Leben schlägt, aber spätestens um 21.45 Uhr ist alles wieder gut, die Mörder sind überführt und die Paare haben endlich zueinander gefunden. Vielleicht ist das ein typisches Sonntagabend-Gefühl. Wir sehnen uns nach dem Sieg des Guten, auch wenn es morgen und übermorgen wieder zäh, anstrengend und Angst machend werden kann. So habe ich eine Sonntagabend-Geschichte aus der Bibel ausgewählt, mehr Tatort heute. Die Situation: Saul ist König über Israel. Sein Land steht unter Dauerbeschuss der Philister, ein altes Seefahrervolk, das sich bei seinen Streifzügen im Mittelmeer mit moderner Militärtechnik aus Metall ausgestattet hatte. Für Saul stand die Zukunft Israels auf dem Spiel. 1.Samuel 17,1-11
Keiner wollte gegen Goliat antreten. Da meldete sich der Teenager und Hirtenjunge David freiwillig. Er war zufällig da, sollte seinen Brüdern, die als Soldaten Saul unterstützten, Essen vorbei bringen. Goliat machte sich über diesen Hirten ohne Rüstung lustig, der konnte ihm nicht gefährlich werden. 1.Samuel 17,45-46
Saul hatte wohl ein schlechtes Gewissen, den jungen Kerl ungeschützt gegen Goliat ins Gefecht zu schicken. 1.Samuel 17,38-39
Zwei völlig ungleichgewichtige Gegner standen sich nun gegenüber, ein mächtiger, großer, bis zu den Zähnen bewaffneter Goliat und ein mit leichten Stoffen bekleideter schmächtiger Hütejunge ohne Kriegserfahrung. Jeder hätte bei diesem Kampf wohl auf Goliats Sieg gewettet. Doch es kam anders. David zog seine Schleuder, schoss einen kleinen Stein ab und traf David damit tödlich an der Schläfe. Der mächtige Mann stürzte zu Boden, seine Philister packte das Entsetzen, und Hals über Kopf flohen sie. Die Israeliten konnten ihr Glück nicht fassen. Drei wichtige Aspekte aus der Erzählung greife ich heraus. 1 Die ganze Welt wird Gott
erkennen, der uns beschützt (Vers
45-46)
Ein Bekannter erzählte mir von den Auseinandersetzungen mit seiner Frau. Seit der Trennung nimmt er sie wahr wie Goliat, ihre Rüstung sind die richtig guten Argumente, die Kinder bei sich zu haben und von ihm fernzuhalten. Stehen wir in einer solchen Auseinandersetzung oder vor einem Problem, so groß wie Goliat, reagieren wir oft nach denselben Mustern.
Übertragen wir das auf unsere alltäglichen Stellungskriege, in denen wir durch einzelne Goliats oder ganze Heere herausgefordert werden. Wir können uns bewusst machen, dass wir mit Gott unterwegs sind. Es geht bei all unserem Tun und Lassen um ihn. Wird er durch mein Verhalten geehrt? Die Brüder Davids hatten, obwohl sie Soldaten waren, den Kopf in den Sand gesteckt. Sie gaben mutlos auf. David vertraute auf Gott, folgte seinem Ruf und stellte sich – mit Gott im Bunde. Am Sonntagabend werden wir von David eingeladen zu überlegen: Wo stehe ich? Wer ist mein Gegner auf der anderen Seite? Worum geht es mir? Dass ich Recht bekomme, dass ich als Sieger vom Feld gehe, oder darum, dass Gott sichtbar wird? Bin ich mutig? Wage ich mich aus der Deckung? Vertraue ich Gott, dass er mir hilft, ein Problem anzusprechen und auch mit Konsequenzen zu leben? 2 Die Rüstung ablegen
(Vers 38-39)
Schauen wir voraus in die Zukunft. Im Brief an die Epheser wird den Christen genau das unter dem Stichwort „Geistliche Waffenrüstung“ anbefohlen (Epheser 6,10-18). Wir werden mit den Ephesern ermutigt, aus der Kraft Jesu heraus unseren Widersachern zu begegnen, mit Liebe, Barmherzigkeit, Geduld, Demut, Freundlichkeit und dem Vertrauen darauf, dass Gott für uns streiten wird. Ein solches Verhalten wird nicht gleich Blitzsiege feiern wie bei David und Goliat, aber die veränderte Herzenshaltung wird Panzer der Gegenseite aufbrechen, kann abrüstend wirken und einen neuen Zugang zueinander schaffen. Diese Rüstung hängt nicht im Schrank und ist jederzeit verfügbar, wenn sie gebraucht wird, sondern wächst aus einer engen Beziehung zu Jesus Christus. Das ist ja leicht gesagt, und ich habe mich gefragt, wie diese Beziehungspflege bei mir aussieht. Da habe ich einige Elemente entdeckt:
Heute, am Sonntagabend, werden wir von David ermutigt, den Montag ganz entspannt anzugehen. Wir brauchen Jesus, aber keine große eigene Kraft für alles, was auf uns zukommen mag. 3 Der Sieg im Schatten
des Kreuzes
Das war die Situation Jesu am Kreuz. Die Leute riefen ihm zu: „Steig doch vom Kreuz herab, wenn du Gottes Sohn bist.“ Jesu Antwort lesen wir in Lukas 23,34: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus betete in seiner größten Niederlage um Heilung für seine Feinde. Jesu Auferstehung am Ostermorgen gab ihm Recht. Seine Niederlage wurde zum Sieg, zum Sieg über alles, was Gott entgegensteht. Und seither hat der Tod nicht mehr das letzte Wort, sondern Gott hat ihm seine Macht entzogen. Was für uns wie eine Niederlage aussieht, kann sich im Nachhinein als großer Segen herausstellen, als Sieg Gottes, vielleicht auch über unsere kurzsichtigen Wünsche. Seit Karfreitag und Ostern hat sich das Siegen verändert. Siegen heißt nicht länger, den anderen fertig zu machen, bis Köpfe rollen wie der Goliats, sondern Siegen bedeutet, dass Jesus heilen kann, dass ein neuer Zugang zu Gott möglich wird, dass der Himmel sich öffnet. Wenn wir auf den Montag schauen, dann wird es nicht um Du oder Ich, Goliat oder David, gehen, sondern um Vergebung, Versöhnung, Heilung im Angesicht Gottes, darum, dass wir mutig den Weg der Klärung suchen, Konflikte ansprechen und Raum lassen für Gottes Wirken. Wir können auf Gott vertrauen wie David es damals tat. Er möge zu Wort kommen und uns die Fähigkeiten schenken, die wir in unseren Konfliktfeldern brauchen. Wir sind nicht allein, Jesus ist dabei und unsere Schwestern und Brüder in der Gemeinde, die für uns beten. Dann dürfen wir die Siege nächste Woche feiern, wo Jesus für uns eingetreten ist, wo Zerbrochenes wenigstens ansatzweise wieder zueinanderfand und unsere Berge mit seiner Hilfe ein wenig abgetragen wurden. Cornelia
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