Alles wird gut (1.Samuel 17,1-11+45-46+38-39)
Gottesdienst am 21.10.2018 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
heute feiern wir unseren Gottesdienst am späten Nachmittag, ein Baustein zu unserem Jahresthema „Kirche in Vielfalt“. Wenn ich in mich selbst hinein höre, ist meine Stimmung sonntags um 17 Uhr eine andere als morgens, wenn der ganze Sonntag noch unberührt vor mir liegt. Ich möchte am Sonntagabend keine Probleme wälzen oder schwierige Themen durchdringen, sondern freue mich über Entspannung, tanke Mut und Zuversicht für die neue Arbeitswoche und hoffe darauf, dass auch die Berge, die in der neuen Woche vielleicht auf mich warten könnten, mit Gottes Hilfe bezwingbar sind.

Die Fernsehgemeinde ist sich Sonntagabend auch ziemlich einig. Die einen schauen Tatort, die anderen Herzkino, und beides läuft in manchen Haushalten vielleicht auch parallel. Obwohl die Formate so unterschiedlich sind, haben sie doch viel gemeinsam. Es geht um Geschichten, die verworren sind, sogar noch verworrener als das eigene Leben, es geht um Wunden, die das Leben schlägt, aber spätestens um 21.45 Uhr ist alles wieder gut, die Mörder sind überführt und die Paare haben endlich zueinander gefunden.

Vielleicht ist das ein typisches Sonntagabend-Gefühl. Wir sehnen uns nach dem Sieg des Guten, auch wenn es morgen und übermorgen wieder zäh, anstrengend und Angst machend werden kann.

So habe ich eine Sonntagabend-Geschichte aus der Bibel ausgewählt, mehr Tatort heute.

Die Situation: Saul ist König über Israel. Sein Land steht unter Dauerbeschuss der Philister, ein altes Seefahrervolk, das sich bei seinen Streifzügen im Mittelmeer mit moderner Militärtechnik aus Metall ausgestattet hatte. Für Saul stand die Zukunft Israels auf dem Spiel.

1.Samuel 17,1-11
Die Philister zogen ihre Streitmacht bei Socho im Gebiet des Stammes Juda zusammen. In Efes-Dammim zwischen Socho und Aseka hatten sie ihr Lager. Saul bot alle wehrfähigen Männer Israels auf und ließ sie im Eichental das Lager beziehen. Als die Israeliten zum Kampf antraten, stellten sie sich am Abhang des Tales auf. Am gegenüberliegenden Abhang standen die Philister; dazwischen lag die Talsohle. Da trat aus den Reihen der Philister ein einzelner Krieger hervor. Er hieß Goliat und stammte aus Gat. Er war über drei Meter groß und trug einen Helm, einen Schuppenpanzer und Beinschienen, alles aus Bronze; der Panzer allein wog mehr als einen Zentner. Er hatte ein bronzenes Krummschwert geschultert. Der Schaft seines Spießes war so dick wie ein Weberbaum und die eiserne Spitze wog fast vierzehn Pfund. Ein Soldat trug den großen Schild vor ihm her. Der Mann trat vor die Reihen der Philister und rief den Israeliten zu: »Warum stellt ihr euch zur Schlacht auf? Ich stehe für die Philister und ihr steht für Saul. Wählt einen von euch aus! Er soll zu mir herabkommen und mit mir kämpfen. Wenn er mich besiegt und tötet, werden wir eure Sklaven. Wenn aber ich siege und ihn töte, müsst ihr unsere Sklaven werden und uns dienen.« Dann schrie er: »Habt ihr gehört: Ich fordere das ganze Heer Israels heraus! Schickt mir einen Mann, damit wir miteinander kämpfen!« Als Saul und die Männer Israels den Philister so reden hörten, erschraken sie und hatten große Angst.

Keiner wollte gegen Goliat antreten. Da meldete sich der Teenager und Hirtenjunge David freiwillig. Er war zufällig da, sollte seinen Brüdern, die als Soldaten Saul unterstützten, Essen vorbei bringen. Goliat machte sich über diesen Hirten ohne Rüstung lustig, der konnte ihm nicht gefährlich werden. 

1.Samuel 17,45-46
Doch David antwortete: »Du trittst gegen mich an mit Säbel, Spieß und Schwert. Ich aber komme mit dem Beistand des HERRN, des Herrschers der Welt, des Gottes, dem das Heer Israels folgt und den du verhöhnt hast. Er wird dich heute in meine Hand geben. Ich werde dich töten und dir den Kopf abschlagen, und die Leichen der übrigen Philister werde ich den Vögeln und Raubtieren zu fressen geben. Dann wird die ganze Welt erkennen, dass das Volk Israel einen Gott hat, der es beschützt.

Saul hatte wohl ein schlechtes Gewissen, den jungen Kerl ungeschützt gegen Goliat ins Gefecht zu schicken. 

1.Samuel 17,38-39
Er gab ihm seine eigene Rüstung, zog ihm den Brustpanzer an und setzte ihm den bronzenen Helm auf. David hängte sich das Schwert um und machte ein paar Schritte. Doch er war es nicht gewohnt.
»Ich kann darin nicht gehen«, sagte er zu Saul, »ich habe noch nie eine Rüstung getragen.« Er legte alles wieder ab.

Zwei völlig ungleichgewichtige Gegner standen sich nun gegenüber, ein mächtiger, großer, bis zu den Zähnen bewaffneter Goliat und ein mit leichten Stoffen bekleideter schmächtiger Hütejunge ohne Kriegserfahrung. Jeder hätte bei diesem Kampf wohl auf Goliats Sieg gewettet. Doch es kam anders. David zog seine Schleuder, schoss einen kleinen Stein ab und traf David damit tödlich an der Schläfe. Der mächtige Mann stürzte zu Boden, seine Philister packte das Entsetzen, und Hals über Kopf flohen sie. Die Israeliten konnten ihr Glück nicht fassen.

Drei wichtige Aspekte aus der Erzählung greife ich heraus.

1 Die ganze Welt wird Gott erkennen, der uns beschützt (Vers 45-46)
„David und Goliat“ ist eine Alltagsgeschichte. Wir können uns zu David stellen. Wie er werden wir immer wieder herausgefordert, auch wenn es nicht gleich um unser Leben geht. Wir werden angegriffen, nicht wertgeschätzt, die Prüfung ist eigentlich zu schwer für uns und unsere Kraft für die Aufgabe zu klein. In einem Beziehungskonflikt nehmen wir die Gegenseite wahr wie einen übermächtigen Feind, der Böses will. 

Ein Bekannter erzählte mir von den Auseinandersetzungen mit seiner Frau. Seit der Trennung nimmt er sie wahr wie Goliat, ihre Rüstung sind die richtig guten Argumente, die Kinder bei sich zu haben und von ihm fernzuhalten. 

Stehen wir in einer solchen Auseinandersetzung oder vor einem Problem, so groß wie Goliat, reagieren wir oft nach denselben Mustern.

  • Ich fühle mich zu schwach, um mich zu wehren, also resigniere ich, gebe auf, bejammere meine Niederlage, obwohl noch gar kein Kampf stattgefunden hat.
  • Ich raffe all meinen Kampfgeist zusammen und ziehe in die Schlacht, koste es, was es wolle, im Zweifel auch meine Niederlage.
  • Ich suche mir jemand Starkes, der mir hilft, mobilisiere meine Freunde, bilde eine Kampfgruppe.
David hatte eine andere Strategie. Ihm ging es zuerst darum, Gott die Ehre zu geben, und so können wir davon ausgehen, dass er bei Gott Rat suchte. Bei seinem Sieg über Goliat sollten alle merken, dass der Gott Israels zu seinen Leuten steht und ihnen hilft. David führte keinen Angriffskrieg, um sich zu wehren oder die Gerechtigkeit in die eigene Hand zu nehmen, sondern schaute auf Gott, den die Gegenseite verhöhnte.

Übertragen wir das auf unsere alltäglichen Stellungskriege, in denen wir durch einzelne Goliats oder ganze Heere herausgefordert werden. Wir können uns bewusst machen, dass wir mit Gott unterwegs sind. Es geht bei all unserem Tun und Lassen um ihn. Wird er durch mein Verhalten geehrt? 

Die Brüder Davids hatten, obwohl sie Soldaten waren, den Kopf in den Sand gesteckt. Sie gaben mutlos auf.

David vertraute auf Gott, folgte seinem Ruf und stellte sich – mit Gott im Bunde.

Am Sonntagabend werden wir von David eingeladen zu überlegen: Wo stehe ich? Wer ist mein Gegner auf der anderen Seite? Worum geht es mir? Dass ich Recht bekomme, dass ich als Sieger vom Feld gehe, oder darum, dass Gott sichtbar wird?

Bin ich mutig? Wage ich mich aus der Deckung? Vertraue ich Gott, dass er mir hilft, ein Problem anzusprechen und auch mit Konsequenzen zu leben?

2 Die Rüstung ablegen (Vers 38-39)
Saul wollte David nicht ganz schutzlos in die Konfrontation gehen lassen. Doch die Rüstung des vielleicht 1,90m großen Saul war dem 1,60m kleinen David zu schwer, zu unförmig. Er konnte sich darin kaum bewegen. So zog er die Rüstung aus und ging nur mit seinen Hirtenkleidern und einer Steinschleuder zu Goliat aufs Schlachtfeld. War das naiv? 

Schauen wir voraus in die Zukunft. Im Brief an die Epheser wird den Christen genau das unter dem Stichwort „Geistliche Waffenrüstung“ anbefohlen (Epheser 6,10-18). Wir werden mit den Ephesern ermutigt, aus der Kraft Jesu heraus unseren Widersachern zu begegnen, mit Liebe, Barmherzigkeit, Geduld, Demut, Freundlichkeit und dem Vertrauen darauf, dass Gott für uns streiten wird.

Ein solches Verhalten wird nicht gleich Blitzsiege feiern wie bei David und Goliat, aber die veränderte Herzenshaltung wird Panzer der Gegenseite aufbrechen, kann abrüstend wirken und einen neuen Zugang zueinander schaffen.

Diese Rüstung hängt nicht im Schrank und ist jederzeit verfügbar, wenn sie gebraucht wird, sondern wächst aus einer engen Beziehung zu Jesus Christus. Das ist ja leicht gesagt, und ich habe mich gefragt, wie diese Beziehungspflege bei mir aussieht. Da habe ich einige Elemente entdeckt:

  • Ich rede regelmäßig mit Jesus wie mit meiner Freundin. Ich schütte mein Herz aus und renne danach nicht gleich wieder weg, sondern warte, ob Jesus mir antwortet, ein Zeichen gibt, eine Idee schenkt oder mein Herz ruhig werden lässt.
  • Ich nutze kurze Verzögerungen im Alltag, um mich seiner zu vergewissern. Ich stehe mal wieder in der längsten Schlange an der Kasse und überlege: Wofür kann ich gerade Danke sagen? Was habe ich übersehen, und Jesus will mir jetzt in dieser Zwangspause zeigen, was ich vergessen habe? Ist einer vor oder hinter mir in der Schlange, für den ich kurz beten kann?
  • Und ich nutze meine Autofahrten, meistens die Rückfahrten von der Arbeit am Abend, um mein Herz und meinen Kopf in Jesu Nähe klar zu bekommen. An einem Parkplatz, den ich unterwegs passiere, lasse ich symbolisch manche Päckchen der Arbeit liegen, stelle mir vor, dass Jesus sich in der Nacht drum kümmert, und nehme morgens die von ihm bearbeiteten Päckchen wieder mit.
  • Und natürlich fehlen auch Bibellesen und Austausch mit anderen Christen nicht.
Aber eigentlich ist Beziehungspflege gar nicht schwer, sie ereignet sich mitten im Alltag und braucht keine Vorbereitung.

Heute, am Sonntagabend, werden wir von David ermutigt, den Montag ganz entspannt anzugehen. Wir brauchen Jesus, aber keine große eigene Kraft für alles, was auf uns zukommen mag.

3 Der Sieg im Schatten des Kreuzes
Eher selten sehen unsere Siege ja so aus wie bei David und Goliat. Und auch David hatte im Verlauf seines Lebens einige empfindliche Niederlagen hinnehmen müssen, obwohl er mit Gott unterwegs war. Das kann durchaus mutlos werden lassen. 
Ich will wirklich Gott die Ehre geben, und doch ist kein Land in Sicht, Gott wird durch meine Situation nicht gerade in gutes Licht getaucht – ja, wo ist er denn?

Das war die Situation Jesu am Kreuz. Die Leute riefen ihm zu: „Steig doch vom Kreuz herab, wenn du Gottes Sohn bist.“ Jesu Antwort lesen wir in Lukas 23,34: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Jesus betete in seiner größten Niederlage um Heilung für seine Feinde. Jesu Auferstehung am Ostermorgen gab ihm Recht. Seine Niederlage wurde zum Sieg, zum Sieg über alles, was Gott entgegensteht. Und seither hat der Tod nicht mehr das letzte Wort, sondern Gott hat ihm seine Macht entzogen. Was für uns wie eine Niederlage aussieht, kann sich im Nachhinein als großer Segen herausstellen, als Sieg Gottes, vielleicht auch über unsere kurzsichtigen Wünsche.

Seit Karfreitag und Ostern hat sich das Siegen verändert. Siegen heißt nicht länger, den anderen fertig zu machen, bis Köpfe rollen wie der Goliats, sondern Siegen bedeutet, dass Jesus heilen kann, dass ein neuer Zugang zu Gott möglich wird, dass der Himmel sich öffnet. 

Wenn wir auf den Montag schauen, dann wird es nicht um Du oder Ich, Goliat oder David, gehen, sondern um Vergebung, Versöhnung, Heilung im Angesicht Gottes, darum, dass wir mutig den Weg der Klärung suchen, Konflikte ansprechen und Raum lassen für Gottes Wirken.

Wir können auf Gott vertrauen wie David es damals tat. Er möge zu Wort kommen und uns die Fähigkeiten schenken, die wir in unseren Konfliktfeldern brauchen.

Wir sind nicht allein, Jesus ist dabei und unsere Schwestern und Brüder in der Gemeinde, die für uns beten.

Dann dürfen wir die Siege nächste Woche feiern, wo Jesus für uns eingetreten ist, wo Zerbrochenes wenigstens ansatzweise wieder zueinanderfand und unsere Berge mit seiner Hilfe ein wenig abgetragen wurden.

Cornelia Trick


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